Der Sepp sagt langsam Servus

Lokales
Tirschenreuth
12.06.2015
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Nein, ein Maßband wie die Reservisten braucht Josef Hecht nicht. Auch einen Abreißkalender sucht man vergebens in seinem Büro. Und dennoch sind die Tage des Personalchefs und persönlichen Referenten des Landrats gezählt.

Ende Juni geht Josef Hecht in den Ruhestand. Wohlverdient nach fast 50 Jahren im öffentlichen Dienst und vier Monaten nach dem 65. Geburtstag. "Mir hat meine Arbeit immer Spaß gemacht", sagt rückblickend der Immenreuther, der täglich ins Tirschenreuther Amt pendelt. Hin und zurück immerhin 90 Kilometer.

Trotzdem: Um 6.30 Uhr sitzt der Verwaltungsrat gewöhnlich an seinem Schreibtisch, wertet als erstes die Medien aus für die morgendliche Besprechung mit dem Chef. Wolfgang Lippert ist mittlerweile der fünfte Landrat, unter dem Josef Hecht arbeitet. Valentin Kuhbandner und Bruno Ponnath im damals noch eigenständigen Landkreis Kemnath waren die ersten, im jetzigen Landkreis Tirschenreuth Franz Weigl und Karl Haberkorn die folgenden. Mit Lippert pflegt er ein kameradschaftliches Verhältnis.

Glücksfall Gebietsreform

Auch wenn die Narben der Gebietsreform im Jahre 1972 auch heute noch immer wieder einmal aufbrechen, für Josef Hecht war die Neustrukturierung ein Glücksfall. Der gebürtige Landshuter kam im Kindesalter mit seinen Eltern nach Kemnath und startete dort 1966 als Assistent im Bauamt seine Beamtenlaufbahn.

1978 baute er in Fürstenfeldbruck das Fachabitur und studierte anschließend drei Jahre an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Hof. Zurück im Amt in Tirschenreuth spielte er so eine Art Feuerwehr. "Wo immer Not am Mann war, musste ich einspringen." Andererseits verschaffte ihm das einen enormen Ein- und Überblick in nahezu alle Abteilungen. Auch als Leiter der Bürgerhilfsstelle, die früher als so eine Art Filter für den Landrat diente. "Das hat sich kolossal geändert", weiß der Sepp, wie er im Amt genannt wird. "Wer zum Landrat will, der kommt auch zu ihm rein."

1984 kam Hecht zur Personalverwaltung. Und als bei einer internen Umstrukturierung die Stelle des Personalchefs frei wurde, empfahl ihm der damalige Landrat Franz Weigl, sich darum zu bewerben. Danach ging alles sehr schnell. Seit fast 30 Jahren ist der Verwaltungsrat nicht nur Leiter der Haupt- und Personalverwaltung, der internen Organisation sowie der Pressestelle, sondern auch der persönliche Referent des Landrats.

"Eine hochinteressante Aufgabe", sagt Josef Hecht und nimmt ein Bild zur Hand, das ihn mit Richard von Weizsäcker zeigt. Bei der Begrüßung vor dem Landratsamt war er damals der erste, der dem Bundespräsidenten die Hand schütteln durfte - noch vor all den anderen prominenten Gästen der Region. Viele andere Empfänge mit hochkarätigen Politikern sollten in den nächsten Jahrzehnten noch folgen. "Die Landräte haben mir da immer freie Hand gelassen, das hat mich auch gereizt." Und Lipperts 60. Geburtstag vergangenes Wochenende war da für ihn "ein schöner Abschluss".

Lieber verzichtet hätte er auf den riesigen Medienauflauf nach dem tragischen Tod des kleinen Mädchens im "Fall Lea", bei dem das Landratsamt aber schnell und offen alle Details auf den Tisch gelegt hat. "So was lässt sich nicht scheibchenweise rüberbringen", ist sich Hecht sicher. "Die hätten uns zerrissen, wenn wir da etwas verheimlicht hätten", weiß er aus der Rückmeldung der Presseleute.

Offene Kommunikation ist ihm auch im Amt besonders wichtig. "Man muss sich in die Augen schauen können, trotz vielleicht unterschiedlicher Auffassungen in der Sache." Er habe sich da aber auch immer auf ein gutes Team verlassen können.

Keine Angst vor Langeweile

Und was kommt nach dem Berufsleben? "Sicher kein tiefes Loch", sagt der Immenreuther, der immer wieder gerne Tischtennis spielt. Er wird etwas mehr für die Familie da sein und im großen Garten mit Terrasse und Teich ausreichend Beschäftigung finden. Ja, und als 2. Bürgermeister seiner Heimatgemeinde wird er auch etwas mehr eingespannt sein. "Langweilig wird mir sicher nicht."
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