Die Chef-Grenzgängerin

Birgit Seelbinder (Mitte), Präsidentin der Euregio Egrensis, verabschiedet ihren Vize, Landrat Simon Wittmann. Ministerialrat Matthias Herderich (von links), Geschäftsführer Harald Ehm und der neue Vize, Landrat Wolfgang Lippert applaudieren. Bilder: Herda (2)
Lokales
Tirschenreuth
18.11.2014
29
0

Es war der Geburtshelferin der Euregio Egrensis schon bei ihrem Abschied als Oberbürgermeisterin anzumerken: Dieses Baby wollte sie nicht auch noch abgeben. Also kandidierte Birgit Seelbinder unter großem Applaus der Mitglieder nochmal für das Amt der Präsidentin.

Und wie nicht anders zu erwarten: Die resolute Juristin wurde einstimmig gewählt. Damit heißt die neue und alte Präsidentin dieses grenzübergreifenden Dachverbands dreier regionaler Arbeitsgemeinschaften Bayern, Sachsen/Thüringen und Westböhmen Birgit Seelbinder - und das seit der Gründung 1993. Bei der Mitgliederversammlung im Landratsamt Tirschenreuth hatte der neue Vize, Gastgeber Wolfgang Lippert, Seelbinder erneut zur Wahl vorgeschlagen: "Sie ist nicht nur eine profunde Kennerin der Materie, sondern setzt sich noch immer mit enormen Engagement und Herzblut für die Euregio ein", warb der Landrat.

Lippert folgt dem Neustädter Landratskollegen Simon Wittmann nach, der zum Ehrenmitglied des Präsidiums ernannt wurde. Zweiter Stellvertreter bleibt Kulmbachs Landrat Klaus Peter Söllner: "Das mache ich gerne, da uns die Lokomotive weiterhin zur Verfügung steht."

Kandidatin des Umbruchs

"In dieser Zeit des Umbruchs kandidiere ich gerne noch einmal", begründete die langjährige, parteilose Oberbürgermeisterin von Marktredwitz, die sich ungern in Schubladen verorten lässt, ihren Entschluss. "Ich bin ein Viertel bayerischer Schwabe, ein Viertel Oberpfälzer und ein halber Mittelfranke", erläuterte die gebürtige Nürnbergerin ihren Migrationshintergrund. "Wir haben insgesamt 600 Projekte in den letzten vier Jahren durchgeführt", lobte sie die Geschäftsstelle in Marktredwitz.

Als die CSU vor einigen Jahren die Europaregion Donau-Moldau als ländlichen Gegenpol zu den städtischen Europaregionen positionieren wollte, war Seelbinder noch skeptisch. Inzwischen zeigt sie sich überzeugt: "Bezirkstagspräsident Franz Löffler, der derzeit den Vorsitz der Region innehat, hat überzeugend erklärt, dass keine Parallelstrukturen geschaffen werden sollen."

Mit der ergänzenden Funktion des neuen Großraums könne sie gut leben: "Wir kommen uns nur unwesentlich in die Quere." Ihre gute Vernetzung wie etwa in der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen (AGEG) garantiere eine effektive Lobbyarbeit für die Euregio Egrensis, die gleichzeitig Katalysator bei der Erweiterung der Europäischen Metropolregion Nürnberg Richtung Tschechien sei.

Als Hauptredner hatte die Präsidentin Matthias Hederich aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium verpflichtet: Der "Halbfranke" war sowohl für das bisherige Ziel-3-Programm Bayern-Tschechien zuständig und ist auch für das künftige Programm für Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ). Der Regierungsbeamte musste freilich einräumen, dass die Neuauflage der Förderkulisse zwar auf einem gutem Weg sei, längst aber noch nicht in trockenen Tüchern: "Der Titel ,ETZ 2014-2020' führt ein bisschen in die Irre", räumte Hederich ein. "Wir haben 2014 noch nicht begonnen und es endet erst am 31.12.2022." Derzeit überarbeite man den Entwurf gemäß den Brüsseler Kritikpunkten. "Es kann sein, dass es erst im Mai 2015 endgültig genehmigt wird."

Dennoch könne die Euregio bereits im Januar vorläufiges Grünes Licht für beantragte Projekte geben. "Wir sind schon dran, die Hindernisse schnellst möglich aus dem Weg räumen." Was man in den vergangenen zwei Jahren an Ideen und Prioritäten entwickelt habe, "können wir so weiterdenken".

Verschärft und vereinfacht

Insgesamt seien die Anforderungen etwas verschärft worden, etwa was die Messbarmachung von Ergebnissen betreffe. "Und in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit müssen neu drei von vier Kriterien gemeinsam erfüllt werden." Dennoch gebe auch positive Neuerungen: Die maximale Förderhöhe betrage nun 85 Prozent. Bei Kleinprojekten seien pauschalierte Kostenanteile möglich: "Ich denke, wir müssen die Abrechnungen vereinfachen und zu schnellere Auszahlungen kommen." Und auch die Anschlussfinanzierung sei gesichert. Wichtig für die meisten Antragsteller: "Das Gros der Projekte bleibt in regionaler Zuständigkeit."

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.euregio-egrensis.de
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.