Die Kraft der sanften Berührung

Auch die Fingerkuppen bleiben nicht außen vor: Mit sachten Bewegungen werden die Fingernägel umkreist. Solche und andere Berührungsabläufe sollen Entspannung bringen, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Bild: ubb
Lokales
Tirschenreuth
28.08.2015
50
0

Ihr Werkzeug sind ihre Hände: Wenn Christine Reuß leicht über Arme, Rücken oder Kopf streichelt, fühlt sich Mensch rundherum pudelwohl. Ein kleiner Anstoß zur Selbstheilung.

Es kitzelt leicht. Dann breitet sich ein angenehmes Wohlgefühl am Rücken aus und dehnt sich spürbar in alle Richtungen, als würde ein Windhauch über die Haut streichen. Dem ersten Erstaunen folgt ein Sich-Einlassen auf diese federleichten Berührungen. Spätestens jetzt möchte man mehr davon.

Was hier geschieht, hat einen Namen: "Tellington Touch for You" ist die wohl sanfteste Art, mit gezielten Berührungen dem Nervensystem auf wirkungsvolle Weise Informationen über die Haut zu übermitteln. Christine Reuß ist durch Zufall auf die aus Amerika kommende Selbstheilungsmethode gestoßen. "Ich war fasziniert und wollte mehr wissen", erzählt die dreifache Mutter. Wenig später machte sie sogar eine Ausbildung.

Liebevolles Handauflegen

Was Christine Reuß tut, erinnert an das liebevolle Handauflegen, wie Mütter es bei kranken Kindern instinktiv seit Jahrtausenden tun. "Nur Erwachsene berühren sich leider kaum mehr", weiß Christa Reuß aus ihren Studien. Im Dachgeschoss ihres Heims hat sie einen Ruheraum eingerichtet. Dort empfängt sie ihre Klienten, möchte ihnen ein Gegenpol zum stressigen Alltag sein, sie unterstützen bei Heilvorgängen oder ihnen schlicht wieder lehren, wie sich gegenseitiges Berühren anfühlt.

"Wenn Körper, Geist und Seele im Einklang sind, hat das regenerierende Wirkung. Ich bin dabei nur Vermittlerin. Ich stupse untätige Körperzellen lediglich an, dann tun sie ihre Arbeit wieder selbst", erklärt Christine Reuß, was es mit dem sagenumwobenen "Jungbrunnen" auf sich hat, der bei der Methode ebenfalls angesprochen wird.

Sie zeigt auf ihre Hände und lacht: "Das ist mein Werkzeug. Mehr brauche ich nicht!" Derart frei von umständlichem Equipment macht Christine Reuß Hausbesuche, geht in Seniorenheime oder setzt ihre Hände manches Mal spontan bei der Familie oder Freunden ein. Einzige Regel: Gegenseitiger Respekt und Achtsamkeit haben oberste Priorität.

Manch harte Nuss

"Es passiert nur, was jeder möchte. Alles wird besprochen", betont die Tirschenreutherin. Viele Menschen hätten Berührungsängste, dies müsse respektiert werden. "Gerade wir Oberpfälzer sind extrem zurückhaltend!", sagt sie und spricht von mancher "harten Nuss", die sie mit Geduld und Einfühlungsvermögen geknackt hat. "Dann sind die Leute froh, dass sie gekommen sind."

Besonders in der Seniorenpflege bewirken nach Christine Reuß' Aussage solche Berührungen wahre Wunder. Aber auch Konzentrationsblockaden bei Kindern seien lösbar. "Dafür müssen die Denkpunkte angeregt werden", greift sich die junge Mutter in ihre Haare am Hinterkopf, um den Sitz des Denkapparates live zu demonstrieren. "Der göttliche Funke", schmunzelt sie, "ist manchmal nur verschüttet."

Zwei praktische Nebeneffekte: Es profitiert auch jeder selbst davon, der diese Streicheleinheiten vergibt. Und sie sind selbst anwendbar. Lebendes Beispiel dieser Erkenntnisse ist Christine Reuß. Sie sei - seit sie sich darauf eingelassen habe - zum Energiebündel "mutiert", sagt sie von sich selbst.
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.