Die "Welt" dreht sich weiter

Lokales
Tirschenreuth
04.07.2015
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Ein Bürgerwindrad, wie es die Gemeinschaft im Logo führt, ist noch nicht in Sicht. Die neue Abstandsregelung 10 H hat auch das erste große Projekt der "Welt" ausgebremst. Aber die Gesellschafter versichern: Die Puste geht ihnen deswegen nicht aus.

"Unser Weg ist der richtige", betont Roland Grillmeier. "Wir haben durch unsere gemeinsame Planung von Konzentrationsflächen eine Verspargelung der Landschaft verhindert", ist der Aufsichtsratsvorsitzende der "Welt", wie sich die Windenergie Landkreis Tirschenreuth abkürzt, überzeugt. Denn nach den ursprünglichen Plänen der Regierung wären noch 2012 fast überall im Stiftland insgesamt hunderte Windräder möglich gewesen. "Und das wäre wohl auch für Windkraftbefürworter eine Horrorvorstellung."

Hat 10H Bestand?

Mit einem Pressegespräch nach einer Versammlung gibt die "Welt" wieder mal ein Lebenszeichen. Dass es in jüngster Zeit still geworden ist um die Windparkpläne - im Falkenberger Wald sollten sechs Windräder mit Bürgerbeteiligung gebaut werden - ist der 10H-Regelung geschuldet, die vor einem halben Jahr in Kraft getreten ist. Die Vorgabe, dass ein Windrad mindestens zehn Mal so weit von Siedlungen entfernt sein muss, wie der Mast hoch ist, bedeutete das Aus für das Falkenberger Projekt. "Die Pläne waren spruchreif, dann kam die Gesetzesänderung", blickt stellvertretender Vorsitzender Bernd Sommer zurück.

Nun warten alle, wie die gerichtlichen Klagen gegen 10H ausgehen. Der "Welt" gehe es da nicht anders als dem Regionalen Planungsverband, schildert Grillmeier. "Wir müssen abwarten: Hat 10H Bestand?" So lange würden auch die Planungen nicht aktiv vorangetrieben. "Aber sie sind da und können bei Bedarf sofort aktiviert werden."

Vor zwei Jahren schienen noch 1,7 Prozent der Planungsverbands-Fläche für Windräder geeignet, das entspricht etwa 9000 Hektar. Der Großteil lag im Landkreis Tirschenreuth. Nach 10H-Maßstäben sind die möglichen Standorte nun auf wenige hundert Hektar zusammengeschrumpft. Und die liegen hauptsächlich in den Gemeinden Waldsassen und Neualbenreuth. "Auch damit müssen wir umgehen", verdeutlicht der "Welt"-Vorsitzende.

Bernd Sommer, Bürgermeister von Waldsassen, sieht im gebündelten Vorgehen einen Erfolg. "Keine Verspargelung: Ziel erreicht. Gemeinsame Planung: Wir sind dabei. Und wenn gebaut werden kann, überlassen wir das nicht Dritten, sondern machen das mit Beteiligung der Bürger." Sein Mitterteicher Kollege Grillmeier unterstreicht diese Position mit dem Hinweis: "Gegen den Willen der Bevölkerung wird kein Windrad gebaut." Eines wird bei dem Pressegespräch allerdings deutlich: In den beteiligten Gemeinden sind die Windkraft-Befürworter wohl nicht in der Überzahl. So erklärt Herbert Bauer, Bürgermeister in Falkenberg: "Unser Gemeinderat geht konform mit 10H." Dass die "Welt" die kleinste und tiefstgelegene Gemeinde auserkoren hat für einen Windpark, begeistert ihn wenig.

Mit "TIR-Energie" sprechen

Dabei muss die "Welt" nicht auf Windenergie beschränkt bleiben. "Es wird weitergehen mit der Energiewende. Das Thema kommt wieder auf den Tisch", ist ZREU-Geschäftsführer Josef Konradl überzeugt. "Wir werden die ,Welt' weiterführen", deutet Vorsitzender Grillmeier eine Ausweitung der Betätigungsfelder an. So sollen Gespräche mit der neu gegründeten Bürger-Genossenschaft "TIR-Energie" und anderen örtlichen Zusammenschlüssen geführt werden.
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