Drei Tirschenreuther zeigen in La Ville du Bois Solidarität mit Franzosen
Kurztrip zeigt große Solidarität

"Schöne Feiertage": Dem in der Stadthalle angebrachten Wunsch der französischen Partnerstadt an die Bürger schloss sich Bürgermeister Franz Stahl (am Rednerpult) an. Ebenso wie sein Kollege Jean-Pierre Meur (links daneben) beschwor er den Schulterschluss gegen die Terroristen. Bild: privat
Lokales
Tirschenreuth
19.01.2015
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Die Tirschenreuther Partnerstadt liegt kaum 30 Kilometer von Paris entfernt. Um so größer ist der Schock nach den brutalen Attentaten. Aber die französischen Freunde lassen sich nicht unterkriegen.

Die Reise stand schon lange fest. Doch diesmal war der Besuch dreier Tirschenreuther in La Ville du Bois besonders wichtig. Eine Woche nach der Erschießung der Attentäter von Paris bekundete das Trio aus dem Stiftland beim Neujahrsempfang Solidarität: Bürgermeister Franz Stahl reiste mit Peter Gold und Vinzenz Rahn, den beiden Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins "Amitié", in die knapp 900 Kilometer entfernte Partnerstadt.

Der Aufenthalt im Nachbarland dauerte nicht einmal 24 Stunden, doch der Aufwand hat sich gelohnt. "Wir wollten keinesfalls einknicken und aus Sicherheitsgründen absagen", bekräftigt Stahl. "Die Franzosen waren sehr beeindruckt, dass wir gekommen sind." Am Freitag um 14 Uhr landeten die Tirschenreuther auf dem Flugplatz Charles de Gaulle, am Samstag um 17 Uhr waren sie schon wieder zurück in der Kreisstadt. Dennoch reichte die Zeit für viele Eindrücke.

Die Solidarität aus Deutschland tat den Franzosen besonders gut, wie die Ehrengäste in vielen persönlichen Gesprächen erfahren haben. Untergebracht waren sie, wie bei allen Besuchen, seit es die 2001 offiziell besiegelte Freundschaft gibt, privat bei Familien. Das herzliche Verhältnis überträgt sich schnell auch auf Gäste, die wie Franz Stahl die Sprache der Nachbarn nicht beherrschen.

Erschüttert von Gewalt

"Die Bevölkerung ist natürlich erschüttert über diese Gewaltauswüchse", stellt Vinzenz Rahn grundsätzlich fest. "Damit hatte keiner gerechnet." Peter Gold ergänzt: "Wenn es gegen die Freiheit geht, auch die der Presse, sind die Franzosen sehr empfindlich. Auch wenn viele mit den Karikaturen nicht einverstanden sind." Auffallend sei gewesen, dass das Stichwort "Je suis Charlie" kaum eine Rolle spielte. "Viele gehen mit dem kritischen Magazin sehr kritisch um", sagt auch Bürgermeister Stahl.

Von lähmendem Entsetzen ist das Land eine Woche nach der Erschießung der drei Attentäter offenbar weit entfernt. "Die Stimmung ist eigentlich sehr entspannt", berichten die Stiftländer von ihrem Kurzbesuch. "Die Sicherheitskräfte am Flughafen München waren wesentlich präsenter als in Frankreich." Freilich sei man nicht im Zentrum von Paris gewesen. Und in La Ville du Bois sei die städtische Polizei ungewöhnlich stark vertreten, etwa an den Schulen oder auch bei offiziellen Anlässen wie dem Neujahrsempfang in der Stadthalle. "Wer vor dem Rathaus parkt, muss sich gefallen lassen, dass sein Auto durchsucht wird", hat Peter Gold beobachtet, Und vor den Schulen dürfe überhaupt nicht mehr geparkt werden.

Gefängnis nicht weit

Beim Empfang nehmen alle Redner Bezug auf die Anschläge der Terroristen. Die Bürgermeister Jean-Pierre Meur und Franz Stahl sowie ein Vertreter des Bezirks bekunden ihre Betroffenheit.

Wie nah die Geschehnisse rein räumlich an die Tirschenreuther Partnerstadt heranrücken, illustriert ein Beispiel: Europas größtes Gefängnis in Fleury-Mérogis, wo sich zwei der Attentäter 2005 kennengelernt hatten, liegt kaum zehn Kilometer Luftlinie von La Ville du Bois entfernt.

Religiöse Vielfalt

Bei aller Betroffenheit kehren die drei Tirschenreuther mit guten Eindrücken zurück aus der Partnerstadt. Le Pens rechte Partei etwa spiele, zumindest bei den Kommunalwahlen, kaum eine Rolle. Dunkelhäutige Stadträte oder Polizisten seien ganz normal. "Die religiöse Vielfalt ist sehr groß", beschreibt Franz Stahl den Respekt vor den verschiedensten Glaubensgruppen.

Der Besuch im Nachbarland endet nach einem "Café au lait" schon am Samstagmorgen. Schließlich steht in der Heimat am Abend bereits die Faschingsgala der Tursiana auf dem Programm des Bürgermeisters und der beiden Stadträte. "Der Abstecher war sehr wichtig für unsere Partnerschaft", urteilen die Tirschenreuther über ihren Kurztrip. Und freuen sich schon auf den Besuch aus Frankreich zu Ostern. Die Stiftländer wollen 30 Leuten einen ebenso herzlichen Empfang bereiten, wie sie ihn selbst von den Freunden gewohnt sind.
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