Ein Landkreis allein ist nichts

So schön kann die Oberpfalz sein: Weit reicht der Blick von der Himmelsleiter über die Tirschenreuther Teichlandschaft. Auch wenn die Übernachtungszahlen zurückgegangen sind, die Gäste kommen gerne in den Landkreis. Bild: hfz
Lokales
Tirschenreuth
14.01.2015
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Fast 2000 Menschen im Landkreis arbeiten im Tourismus. Und sie erwirtschaften rund 60 Millionen Euro im Jahr. "Das zeigt schon den Stellenwert", sagt Fremdenverkehrsreferent Peter Knott. Und er weiß auch, warum das so ist.

Der Touristikchef am Landratsamt erinnert sich genau: "Es war im April 1982. In Regensburg tagte der Werbeausschuss für Ostbayern. Und da fehlten die Vertreter der Landkreise Neustadt, Schwandorf und Tirschenreuth." Kein Boykott des Fremdenverkehrsverbandes, wie so mancher vermutet hatte, sondern reiner Zufall. "Aber das war ein Schlüsselerlebnis für die Tourismusregion Oberpfälzer Wald. Wir erkannten: Ein Landkreis allein ist nichts, zusammen werden wir wahrgenommen." Und das schweißt die drei Landkreise bis heute zusammen.

Gemeinsam mit der Stadt Weiden hat der Oberpfälzer Wald eine Fläche von über 4000 Quadratkilometer. "Größer als das Burgenland in Österreich, aber mit sehr viel mehr Burgen, wie jedes Jahr im Prospekt ,Burgensommer im Oberpfälzer Wald' zu entdecken ist", weiß Knott.

1992 hatte der Oberpfälzer Wald eine erste stimmige Prospektfamilie inklusive Wandern, Radeln, Angeln, Reiten und Camping. Ein gemeinsames Logo, eine gemeinsame Internetseite folgten. Und schließlich noch ein gemeinsamer Masterplan als Grundlage für Förderanträge. Einen Lenkungsausschuss mit den Landräten, dem Oberbürgermeister, den Touristikern und einem Vertreter des Tourismusverbandes Ostbayern gibt es, einen frei zugänglichen Tourismustag, bei dem sich Vermieter, Gastronomen, Touristiker und auch Politiker informieren können.

Die Gartenschauen in Marktredwitz und Tirschenreuth, der Goldsteig-Wanderweg die "24 Stunden von Bayern", das Genießerland Oberpfälzer Wald, die Ausbildung von Gästeführern und die Schaffung von Datenbanken für die Online-Buchung nennt Knott als Arbeitsschwerpunkte der letzten Jahre.

"Trotz all der guten Zusammenarbeit hat aber keiner der drei Landkreise sein eigenes Gesicht verloren, hat jeder seine besonderen Nischen gepflegt." In Tirschenreuth zum Beispiel die Erlebniswochen Fisch. Der Kulturprospekt in Deutsch und Tschechisch sei ein fördertechnisches Anhängsel an die Radwegebeschilderung, mit der sich der Landkreis bundesweit nicht zu verstecken brauche.

Da habe man sich Zigtausend Euro gespart, weil eben kein Entwicklungsbüro an Bord geholt worden sei. "Wir haben mit Rudi Ehstand einen einheimischen Radbegeisterten, der früher in einem Planungsbüro beschäftigt war und nahezu jeden Weg und Steg nicht nur auf seinem Laptop, sondern auch im Kopf gespeichert hat."

Knott weiß, dass die Gastronomie- und Übernachtungsbetriebe oft Probleme haben professionelles Personal zu finden. "Wir sind froh über die Tourismusfachschule in Wiesau, sie ist ein Leuchtturmprojekt. Dort wird Personal mit exzellenter Qualifikation ausgebildet." Die Details und Spezialitäten einer Landschaft müssten sie sich aber erst nach der Prüfung aneignen. Auch bei den Gemeinden gebe es zeitbedingt immer weniger touristisches Personal. Damit landeten viele Probleme heute direkt beim Landkreis.

Die Rückgänge 2014 bei den Übernachtungen leugnet Knott nicht. "Aber dafür gibt es Gründe." Die endgültige Schließung des Familienferienheims in Immenreuth, das in guten Zeiten einmal 40 000 Übernachtungen im Jahr hatte, zählt der Touristiker dazu. Bei der Jugendherberge Tannenlohe hätten sich die Zahlen nahezu halbiert. Und im Sibyllenbad habe der Umbau weniger Gäste gebracht.

"Aber auch das wird sich wieder ändern", ist sich Knott sicher und verweist auf das neue Hotel in Sibyllenbad. "Nach dem derzeitigen Baufortschritt dürfte eine Einweihung im Oktober realistisch sein. Das Schlosshotel in Fuchsmühl soll im Frühjahr nach Jahren wieder professionell eröffnet werden. Auch die Onlinebuchungen laufen laut Knott recht gut, angefangen von gestandenen Hotels bis zu neuen Betrieben mit Ferienwohnungen. "Wer diese Schiene nutzt, ist erfolgreich dabei."
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