Ein Leben für die Armen

Am Samstag um 11 Uhr findet ein Gedenkgottesdienst für Pater German Mehler (Bild) statt.
Lokales
Tirschenreuth
08.01.2015
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52 Jahre verbrachte Pater German Mehler auf den Philippinen. Der Geistliche hat unermüdlich geholfen, dass viele mit Gaumen- und Lippenspaltung geborene Kinder erfolgreich operiert werden konnten. Am 15. Dezember ist der Steyler Missionar gestorben.

Pater German Mehler wurde am 18. Dezember in Quezon City bei Manila beerdigt. Am Samstag, 10. Januar, findet in der Klosterkirche St. Peter für den gebürtigen Tirschenreuther ein Gedenkgottesdienst statt.

Was ein Mensch Gutes tut, wird nicht vergessen. Über 3000 Kinder auf den Philippinen, die mit einer "Hasenscharte" geboren wurden, werden sich ein Leben lang ihres Wohltäters, des Steyler Missionars Pater German Mehler erinnern. Er ließ die Kinder operieren und ermöglichte ihnen damit ein gesundes und unbeschwertes Leben. Nun ist der große Wohltäter am 15. Dezember 2014 in Quezon City bei Manila gestorben. Nach 52 Jahren waren die Philippinen seine 2. Heimat geworden und er wollte nicht mehr zurück, als sich im Laufe des vergangenen Jahres die schwere Krankheit abzeichnete. P. Mehler konnte auf erfüllte 78 Jahre zurückschauen. "Gelassener Charme und zäher Kampfgeist harmonierten bei ihm. Nur so konnte er viele, gute Ideen verwirklichen; immer zum Wohle anderer!" Dieses Wort eines Mitbruders charakterisiert ihn treffend.

Seelsorge und Leibsorge

German Mehler kam als jüngstes von vier Kindern von Anton Mehler und Alice Wolfisberg am 1. März 1936 in Tirschenreuth zur Welt. Nach dem Abitur im humanistische Gymnasium in Ingolstadt folgte er seinem Ziel, Missionar zu werden und trat 1954 der Steyler Missionsgesellschaft bei. 1961 wurde er zum Priester geweiht und für die Missionsarbeit auf den Philippinen bestimmt, wo er 1963 eintraf. Pater German Mehler war immer in der Pastoral auf der Insel Mindoro in ländlichem Milieu tätig. Immer und überall wusste er die Seelsorge mit der Leibsorge zu verbinden. Er lernte Tagalog, die Umgangssprache des Landes.

Der Geistliche entwickelte eine rege soziale Tätigkeit. Wichtig war die Hilfe im Bildungsbereich. Er gründete Gymnasien, baute Gemeindezentren, Versammlungsräume und besorgte Stipendien für intelligente und mittellose Studenten. Nach Art des Marshall-Plans organisierte er Schulspeisungen für mehr als 500 Kinder.

Bereits bei seiner Ankunft auf den Philippinen fiel dem Steyler Missionar auf, dass eine Vielzahl von Menschen - unter ihnen besonders viele Kinder - an Lippen- und Gaumenspalten leiden. Dem Phänomen hatte sich bislang medizinisch so gut wie niemand gewidmet, zumal es den bedürftigen Familien an den finanziellen Mitteln für chirurgische Behandlungen fehlte. Es gab auch unter den Ärzten auf dem Land keinen Facharzt für plastische Chirurgie. In Manila konnte Pater Mehler dann einen qualifizierten Arzt für solche Eingriffe finden, der einmal im Monat kostenlose Operationen für etwa 20 Kinder und Erwachsene durchführte. Ein Privatkrankenhaus stellte seinen Operationssaal zur Verfügung. Allerdings entstanden Kosten für die Vorbereitung auf die Operation, den Weg nach Manila und den kurzen Krankenhausaufenthalt der Patienten an. Aber mit 150 Euro pro Operation ist alles bezahlt.

Hilfsaktion wird Stiftung

Rastlos war Pater Mehler tätig, die nötigen Geldmittel aufzutreiben. Mehr als 3000 Kinder konnte er operieren lassen. Seine "Hilfe für Lippen- und Gaumengespaltete Kinder" brachte ihm den Namen Hasenscharten-Pater ein. Er war stolz auf diesen Titel, war es doch ein Einsatz für ein ungeniertes Kinderlächeln! Bis zum Ende, auch als er nicht mehr Pfarrer war, stellte er sich weiter für die armen Menschen auf den Philippinen zur Verfügung bis seine Kräfte nicht mehr ausreichten.

Nach seinem letzten Wunsch soll die Hilfsaktion für die Kinder aber über eine "P. German Mehler Stiftung" weitergeführt werden. Pfarrei und Stadt Tirschenreuth sind stolz auf das Wirken ihres geistlichen Sohnes P. German Mehlers auf den fernen Philippinen.
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