"Eine glasklare Aufforderung"

Geht es nach dem Wunsch von Papst Franziskus, sollen alle Glaubensgemeinschaften Wohnraum für Flüchtlingsfamilien zur Verfügung stellen. Pfarrhöfe und Abteien (im Bild Waldsassen) verfügen in der Regel über große Flächen und Gebäude. Dass sie auch als Wohnraum genutzt werden könnten, sehen die geistlichen Würdenträger in der Region eher skeptisch. Bild: privat
Lokales
Tirschenreuth
08.09.2015
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Papst Franziskus hat die Kirchengemeinden in ganz Europa zur Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche sieht in dieser Frage alle Glaubensgemeinschaften in der Pflicht. Und die Würdenträger vor Ort?

Der Vatikan selbst geht mit gutem Beispiel voran und nimmt zwei Flüchtlingsfamilien auf. Allerdings trifft die Nachricht aus Rom die Region quasi im Urlaubsmodus. Viele Ansprechpartner sind derzeit nicht erreichbar. So beispielsweise Äbtissin Laetitia Fech oder der Waldsassener Stadtpfarrer Thomas Vogel.

Klare Ansage

."Das ist eine ganz klare Ansage von Papst Franziskus, da weiß jeder, was er zu tun hat", sagt der Regionaldekan und Stadtpfarrer von Tirschenreuth, Georg Flierl. Nach dem Bekanntwerden des Vorstoßes von oberster Stelle hat er gleich mit dem Kirchenpfleger gesprochen, um etwaige Möglichkeiten einer Unterbringung in den kircheneigenen Gebäuden zu eruieren. Allerdings ohne Erfolg. Flierl schwebt deshalb eine andere Lösung vor.

"Ich bin quasi auf Wohnungssuche", sagt er. Damit meint der Geistliche, dass die Kirchengemeinde eine passende Wohnung anmieten will, in der dann eine Flüchtlingsfamilie unterkommen könnte. Er appelliert in diesem Zusammenhang an Vermieter, mögliche Objekte anzubieten. Ein Anruf im Pfarrbüro unter 09631/1451 genüge.

Von Bischof Rudolf Voderholzer hat der Regionaldekan zu diesem Thema noch nichts gehört. Das Ordinariat sei gewissermaßen noch im Urlaubsmodus. Aber einen weiteren Impuls aus Regensburg brauche es eigentlich nicht, eben weil die Aufforderung des Papstes nicht klarer sein könne. "Das betrifft nicht nur Deutschland, sondern auch Europa und die ganze Welt."

Betreuung Minderjähriger

Was Pfarrer Georg Flierl weitaus größere Sorgen bereitet, ist die Anzahl der vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Vor allem für sie müssten künftig weitere Einrichtungen geschaffen werden, ähnlich solcher, wie sie die Katholische Jugendfürsorge zum Beispiel in Windischeschenbach betreibe. "Dieses Klientel braucht nicht nur eine Wohnmöglichkeit, sondern auch psychologische Betreuung. Viele der Kinder sind traumatisiert."

Im Radio hat Fockenfelds Hausoberer Markus Adelt den Aufruf des Papstes Franziskus gehört. "Ich sehe da schon einen Auftrag für die Kirchen, hier zu helfen", sagt Bruder Markus und bestätigt, dass es in seinem Haus schon entsprechende Gespräche gegeben hat. "Dies will allerdings gut überlegt sein", warnt er vor Schnellschüssen. Natürlich sei die Flüchtlingsproblematik auch für das Haus Fockenfeld Thema. Über konkrete Maßnahmen sei aber noch nicht gesprochen worden, zumal der Schulbeginn unmittelbar bevor stehe.

Die Notwendigkeit zu helfen unterstreicht auch der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden Plößberg-Schönkirch, Püchersreuth und Wildenau, Michael Kelinske. Er verweist darauf, dass es seitens der Landeskirche bereits eine ähnliche Aufforderung gegeben habe. "In der monatlichen Konferenz mit den Kollegen wird das diesmal sicher Thema sein", ist sich der Pfarrer sicher.

Sichtbarer Glaube

Die Pfarreien müssten, wie alle anderen, den Flüchtlingen helfen, wo es nur ginge. "Jede Hilfe, die diesen Menschen angedeiht, ist sichtbarer Glaube." Freilich habe eine kleine Gemeinde wie Plößberg, speziell was Wohnraum anbelangt, da nur wenig Möglichkeiten. Deshalb setzt Kelinske eher auf eine effektive Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde.
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