Eine Sternstunde mehr im Leben

Im Seidenfrack und mit Schottenwitzen eroberte Dirigent Bob Ross mit seinen Hofer Symphonikern die Besucher des Klassik-Konzerts im Kettelerhaus wie im Sturm. Dafür ernteten die Musiker dann auch "Standing Ovations" Bild: ubb
Lokales
Tirschenreuth
11.05.2015
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Ein Schotte als Dirigent, Oberfranken als Musiker und Oberpfälzer als Zuhörer: Das Ergebnis einer unkonventionellen Begegnung im Kettelerhaus mutierte am Freitag zum Erfolgs-Klassikkonzert.

Pure Lebensfreude kombiniert mit schottischem Humor erlebte das Publikum beim Konzert der Hofer Symphoniker unter Leitung von Bob Ross. Das gerade einmal 1,58 Meter große Energiebündel gewann nach wenigen Takten die Herzen seiner Zuhörer. Zugegebenermaßen ist es höchst ungewöhnlich, wenn ein Musiker Stücke wie "Die Hebriden" von Mendelssohn oder "Die Csardasfürstin" von Kalman dirigiert und sich dann umdreht zum Publikum, um Schottenwitze zu erzählen.

Doch Bob Ross nimmt das ganz nach seinem Motto "Musik muss Spaß machen" absolut locker und schafft damit für sein Publikum Freiraum, zwischen den teils schweren Werken durchzuatmen. Dabei ist der Schotte selbst schon eine höchst erquickliche Darbietung.

Der quirlige Musiker dirigiert nicht allein mit dem Taktstock. Hände und Füße stehen keine Sekunde still. Im Seidenfrack mit klassisch-grünem Schottenkaro stampft und rudert er, schwingt die Arme, beißt auf seinen Stock, freut sich sichtlich über seine grandiosen Musiker. Folgen wenig später Luftsprünge, hat sich das Publikum bereits an diese reichlich unkonventionelle Art eines Dirigenten gewöhnt und wartet amüsiert-gespannt auf weitere Kapriolen.

Dennoch, der Meister führt seine Musiker mit starker Hand, selbst wenn er das bescheiden überspielt. "Symphoniker brauchen keinen Dirigenten, die können das alleine," sagt Bob Ross und lacht aus vollem Herzen. Es macht ihn umso liebenswerter, dass er den Applaus stets an seine Musiker weiterreicht und Höchstleistung am Instrument öffentlich lobt, wie zum Beispiel Birgittas Flötensolo.

Mit "Schirm, Charme und Melone" schafft es der lebenslustige Schotte, der Klassik die anhaftende Steifheit zu nehmen. "Schade, dass Tschaikowsky das nicht gehört hat, wie man mit seiner Musik Spaß haben kann", nennt Bob Ross sein Ansinnen nach dem Blumenwalzer aus "Der Nussknacker" beim Namen. Es folgt nach einem Glinka-Stück eine Kabaretteinlage über Engländer und die streikende Bahn. "Das Konzert im nahen Osten musste abgesagt werden wegen Streik." Kurze Pause: "In Dresden".

Kaum zu glauben, aber "Ja", es wird lauthals gelacht mitten im Klassikkonzert. Nach drei Zugaben springt das Publikum geschlossen auf, um dem Ausnahmedirigenten und seinem Ensemble mit Standing Ovations für diesen vergnüglichen Abend zu danken. "Wieder eine Sternstunde mehr im Leben", schwärmt eine Dame beim Verlassen des Saals. Schade, dass Bob Ross das nicht gehört hat.
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