Engagement trägt Früchte

Neugierige Zuschauer bei der Verlötung der Leitungen in der sogenannten "Black-Box". Bild: hfz
Lokales
Tirschenreuth
13.04.2015
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Das hört man selten: Schüler beschweren sich, weil es ihnen zu langsam geht. Die "Lehrer" aber meinen, erst einmal muss Grundwissen vermittelt werden. Und das tun Walter Rinderer und Hans Rupprecht im Nagaland in Indien.

Im dritten Teil unserer Serie schildern die Entwicklungshelfer ihre Erlebnisse und Eindrücke. Hier Auszüge aus ihren Tagebucheintragungen. "Übers Wochenende ist Walter vom heißen, stickigen und moskitoreichen Dimapur hochgekommen und wir tauschten Erfahrungen aus." So der Tagebucheintrag von Hans Rupprecht. Seine "Solar-Schüler" hätten sich beklagt, dass alles zu langsam gehe. Er aber ist überzeugt, dass erst einmal Grundwissen vermittelt werden muss. " Stoff, der hierzulande Kindern in den dritten bis fünften Klassen beigebracht wird."

Brot aus Sauerteig

Zur Feier des Tages hat er ein Brot gebacken. Den benötigten Sauerteig hatte er bereits eine Woche vorher angesetzt. "Das Brot gelingt, außer der Farbe, die stark an Weißbrot erinnert. Es gibt halt kein Roggen- oder Weizenmehl. Gebacken wird im Backtopf. Herde und Backröhren kennt man hier nicht. Ruckzuck ist das Brot vertilgt."

Abends setzen sich die beiden Stiftländer mit Father Samuel und Father Athili, dem Headmaster der Don-Bosco-Schule, zusammen. Tage vorher hatte Hans beiläufig in einem Gespräch mitbekommen, dass eine ehemalige Schülerin schwer erkrankt ist. Die 20-jährige aus Arunchal Pradesh liegt seit einem Jahr im Bett und siecht dahin. Die Ärzte stellen keine Diagnose. "Erschreckend die Bilder, die uns Fr. Athili zeigt." Seine Beschreibung und die Fotos deuten auf einen Tumor im Kopf hin. Die Familie tut ihr möglichstes. Aber schon in finanzieller Sicht besteht keine Möglichkeit zur Hilfe oder Pflege. Erst vor drei Monaten starb der Vater und Versorger an Herzversagen. Um das Leid wenigstens ein wenig zu mildern, entschließen sich Walter und Hans kurzerhand, den drei kleineren Schwestern zumindest für das laufende Schuljahr die Ausbildung zu sichern.

Spende aus Beidl

Sie geben die 500 Euro, die Walter als Spende aus seinem Wohnort vom OWV Beidl erhalten hat. Das Geld reicht für Schulgeld, -uniform und Kleidung. "Wenn wir wieder zu Hause sind, müssen wir Sponsoren finden, die das jährliche Schulgeld von etwa 120 Euro pro Kind als Pateneltern spenden."

Die nächsten Tage verlaufen fast immer gleich. Garten- und Überzeugungsarbeit. Mittlerweile hat Hans einen festen Schülerstamm. Die Kinder reißen sich darum mitzuarbeiten und melden sich bereits am Vortag für den darauffolgenden wieder an. "Die Schüler sind sehr wissbegierig. Sie wollen auch alles über Deutschland wissen." Abends duschen? - Fehlanzeige. In der "Nasszelle" stehen zwei Eimer. Der einzige Luxus, den sie sich gönnen, ist warmes Wasser. Walter hat letztes Jahr mit Spendengeldern aus Weisendorf eine 500 Liter Solaranlage auf dem Schuldach installiert. Die reicht aus, um die 90 Internatsschüler und die Salesianer mit Warmwasser zu versorgen.

Vor dem Schlafengehen ist Sprechstunde. Frater Samuel und Hans Rupprecht verarzten fast täglich die gleichen Verletzungen. Meist tiefe Fleischwunden. Sie nehmen vereiterte Zehennägel ab, versorgen Schürfwunden und vieles mehr. "Der nächste Arzt ist 20 Kilometer entfernt, was eineinhalb Fahrstunden gleichkommt." Dank der großzügigen Sachspende der Apotheke Schug in Eschenbach konnten die Entwicklungshelfer bisher alles selbst verarzten.

In den verschiedenen Gärten und Reisfeldern geht das mitgeführte Saatgut, das der Obst- und Gartenbauverein Eschenbach gesponsert hat, bereits auf. Der samenfeste Saatmais vom Lagerhaus Schloderer in Eschenbach steht bereits zehn Zentimeter hoch.

Auch Walter erzielt nach drei Wochen Ausbildung erste Fortschritte mit seinen "Solar-Experts". Das vermittelte Grundwissen ist gefestigt, und so konnte vor einigen Tagen bereits die erste "Blackbox" nach den überlassenen Unterlagen und Zeichnungen von Ekkehard Brühschwein vom Zentrum für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit in Amberg in Betrieb genommen werden. Die Aktion erregte großes Aufsehen - selbst bei den umliegenden Schlossereien, bei der die Kupferleitungen gelötet wurden. Diese äußerst simple Funktionsweise ist hier gänzlich unbekannt!

Auch die Fachhochschule Amberg hat mit den Oberpfälzern Verbindung aufgenommen und einen Fragenkatalog übersandt. Sie will in einem Pilotprojekt die Wasserversorgung inklusive der Anlage eines kleinen Staudammes für Zubza ausarbeiten. Hierzu haben wir bereits im Flusslauf mitten im Dschungel die ersten Fotos gemacht und diverse Daten erhoben. Zubza hat keine eigene Wasserversorgung. Wer es sich leisten kann, legt sich eine eigene Leitung zum Fluss.

Leitungen ineffizient

Grundsätzlich sind diese Leitungen aber wegen des hohen Wasserverlustes ineffizient. Es gibt mehrfach im Ort Zisternen und Wasserhäuser, aus denen der tägliche Bedarf in Wassertöpfen und Kanistern geholt wird. Dieses Wasser wird täglich von Tankfahrzeugen aus einem fünf Kilometer entfernten Fluss angefahren. Die Schule selbst hat eine behelfsmäßige Verrohrung mit hauseigenem Wasserfilter, der ebenfalls vom Zubza-Projekt gesponsert wurde.

Hilfe zur Selbsthilfe

Rupprecht und Rinderer trafen die ersten Absprachen mit den Goanburas, den Dorfräten, bezüglich der Wasserversorgung. "Wichtig und genauso schwierig ist es immer wieder, den Menschen klar zu machen, dass wir keine Gelder zu verschenken haben, sondern nur Hilfe zur Selbsthilfe geben können. Ein sehr schwieriges Unterfangen."
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