Feuriger Flamenco in der VHS

Bis jemand den Flamenco so beherrscht wie Carmen in der gleichnamigen Oper von Georges Bizet oder wie Maria Dolores Besteiro Gomez (Bild), ziehen viele Jahre und Trainingseinheiten ins Land.
Lokales
Tirschenreuth
07.11.2015
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Eine nach der anderen Dame kommt aus der Kälte herein und verwandelt sich im Umkleideraum blitzschnell in eine Flamencotänzerin. Schnell ist das typische Novemberwetter vergessen, wähnen sich alle im heißen Andalusien.

Aufgeregtes Stimmengewirr klingt aus dem Gymnastikraum. Dann ruft Maria Dolores Besteiro Gomez zur Ordnung, versammelt ihre Kursteilnehmerinnen vor dem großen Spiegel und erklärt, welche Übungen sie heute mit ihnen vor hat. Die 41-jährige ist waschechte Spanierin, kommt aus Santiago de Compostela und lebt in Tirschenreuth. Sie tanzt selbst seit fast zehn Jahren in einer Flamenco-Gruppe und hat schon zahlreiche Auftritte zwischen Regensburg und München absolviert. Jedes Jahr nimmt die Truppe auch an einem internationalen Flamenco-Wettbewerb teil.

Selbst im Training

Mit ihr trainiert sie selbst zweimal die Woche. Beim Tirschenreuther Kultursommer im Juni gestalteten die Tänzerinnen auf der Seebühne im Fischhofpark zusammen mit der Orientalischen Tanzgruppe "Shinanai" ein unvergessliches Tanzerlebnis. Das brachte VHS-Leiterin Angelika Schraml auf die Idee, Besteiro Gomez zu fragen, ob sie sich vorstellen könnte, selbst einen Kurs in der VHS zu leiten. Besteiro Gomez konnte und trainiert jetzt jeden zweiten Freitag von 18.30 bis 20 Uhr im Gymnastikraum der Volkshochschule. Die bisher neun Teilnehmerinnen lernen dabei nicht nur Hand- und Fußtechniken, sondern komplette Tänze. Etwa Sevillanas, Flamenco-Rumba, Pasodoble, Manton-Tänze, Fächer-Tänze und viele mehr.

Der Kurs wurde mit großem Interesse angenommen. Einige der Damen nehmen Anfahrten bis aus Marktredwitz oder Kemnath in Kauf. Eine der Kursteilnehmerinnen wollte das schon immer mal machen, die andere schenkte ihrer Mutter den Kurs zum Geburtstag und hat sich gleich selbst mit angemeldet. Die Gründe fürs Mitmachen sind verschieden, das Ziel aber das gleiche. Flamenco tanzen können wie die Spanierinnen.

Selbstbewusstes Auftreten

Tatsächlich zeigen die Damen schon am dritten Kursabend das so wichtige selbstbewusste Auftreten, wie es Flamencotänzerinnen gut zu Gesicht steht. Die Musik zum Tanz kommt aus dem CD-Player. Maria Dolores Besteiro Gomez macht die Schritte vor und lässt sie dann von der Gruppe nachtanzen. Dabei schaut sie auf jede einzelne der Frauen und korrigiert, wenn nötig, sofort Haltung oder Schrittfolge. Klack, klack, klack treffen die präparierten Schuhe den Parkettboden und bringen ihn leicht zum Schwingen.

Strenge Blicke, Konzentration und immer wieder geht es von vorne los. Besteiro Gomez ist zufrieden mit ihren Schülerinnen. "Ein Jahr braucht man, bei wöchentlichem Training, um einen Auftritt mit einer klassischen Sevillana auf der Bühne zu zeigen." Beinahe perfekt beherrschen sie es heute schon, die weit ausladenden, schwarzen Röcke mit der rechten Hand von der linken auf die rechte Seite zu schwingen und dort festzuhalten. Damit lässt sich wunderbar kokettieren.

In Formation

Die meisten Menschen assoziieren Flamenco wohl so, dass eine Tänzerin zur Musik eines Gitarristen und Sängers tanzt. Dass das auch in Formation hervorragend funktioniert, lässt sich bereits nach den zwei ersten Kurseinheiten deutlich sehen.

Flamenco bezeichnet verschiedene Tänze und Lieder aus Andalusien. Seit 2010 gehört er zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Wer spezielle Fragen zum Kurs hat oder noch quer einsteigen will, bekommt Antworten unter der Telefonnummer 09631/88 205.
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