Filmemacherin aus Mitterteich wird mit Preisen überhäuft - Debütfilm 2018
Löwe kämpft für Barbaras Debüt

Barbara Ott auf dem Weg vom Diplom- zum Debütfilm. 2018 könnte der in die Kinos kommen. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
22.01.2015
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In Mitterteich geboren, lebt Barbara Ott heute in Berlin. Zuvor studierte sie Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Ihr Diplomfilm "Sunny" räumte auf den Festivals gewaltig ab. Und das erhofft sie sich auch von ihrem Debütfilm, der spätestens 2018 in die Kinos kommen soll.

Ein herzliches Lachen ist die Antwort auf die Frage, ob bei so vielen Auszeichnungen auch soviel Geld herausspringt, um einen neuen Film zu finanzieren. Freilich seien manche Auszeichnungen dotiert. Zwischen 500 und 30 000 Euro maximal gebe es dafür.

Ein abendfüllender Spielfilm, wie zum Beispiel ein Tatort, koste etwa 1,2 Millionen Euro. Einen Tatort dreht Barbara Ott nicht. Aber sie hat zwei heiße Eisen im Feuer. Näheres will sie nicht verraten. "Das bringt kein Glück." Nur so viel gibt sie preis, dass es sich wieder um Milieustudien handelt. Beim ersten Projekt kämpft dabei ein Vater wie ein Löwe um das Sorgerecht für sein Kind. Nicht um die Auseinandersetzung vor höheren Instanzen, wie Gerichten, geht es dabei. Das Stück spielt sich rein auf der emotionalen Ebene ab.

Im anderen Streifen steht ein gewalttätiges Mädchen im Mittelpunkt. Es verliebt sich in einen Jungen, der wie sie selbst aus prekären Verhältnissen stammt. Ott will die Frage beantworten, ob es Menschen gelingen kann, die eigene Prägung durch Elternhaus, Heim und Milieu aus der eigenen Beziehung herauszuhalten und umzukehren. "Die beiden lieben sich wirklich, obwohl es hart her geht in der Geschichte."

Alternative in Hinterhand

Warum sie an zwei Projekten gleichzeitig arbeitet, erklärt die Regisseurin folgendermaßen: "In der Finanzierungsphase entscheiden mehrere unterschiedliche Instanzen darüber, ob ein Film gemacht wird oder nicht. Die Geschichte muss Produzenten, Redakteure und Fördergremien gleichsam überzeugen. Dazu kommt, dass das Jahresbudget aller Instanzen selbstverständlich begrenzt ist. Damit es auch gelingt, einen Film in dem geplanten Jahr finanziert zu bekommen, ist es nur ratsam auch noch eine Alternative in der Hinterhand zu haben."

Recherche und Fantasie

Warum Barbara Ott ihre Geschichten auf der unteren Gesellschaftsebene ansiedelt, kann sie selber nicht genau erklären. "Ich war schon als Kind von den Menschen fasziniert, die durchs Raster fallen", sagt sie. "Meine Geschichten können ihren Ursprung in den Geschichten der Menschen um mich herum haben, oder entspringen auch, zum Beispiel in den Nachrichten. Jede Geschichte setzt sich zudem aber noch aus einem großen Teil Recherche und einiger Fantasie zusammen."

Barbara Ott hat immer irgendwelche Storys in der Schublade. Das reicht von Exposés über seitenweise Stoffsammlungen bis hin zu praktisch fertigen Drehbüchern, die halt im Moment einfach nicht passen. Wenn sie etwas inspiriert, beginnt sie zu recherchieren, lässt eigene Erfahrungen und Fantasien einfließen, bis aus diesem Mix langsam eine schlüssige Geschichte wird. Beim Schreiben sieht sie auch das eine oder andere Gesicht vor sich, das für eine bestimmte Rolle passen könnte.

Der Franzose Pierre Deladonchamps hat so eines. In Cannes erhielt er einen Preis für die Hauptrolle in "Der Fremde am See". "Er könnte dieser Vater sein, der wie ein Löwe um sein Kind kämpft", denkt Barbara laut nach. Der Bayer Josef Bierbichler und die Österreicherin Birgit Minichmayr sind weitere Schauspieler, die sie sehr schätzt. Auch für einen jungen Regisseur sei es nicht schwer, die Superstars der Schauspielerriege zu bekommen. Ausschlaggebend sei da einzig und allein das Drehbuch. Vom Produktionsteam wünscht sich Barbara Ott ähnlich gute Leute, wie sie sie bei "Sunny" zur Verfügung hatte. Die Abteilungsleiter, wie der Kameramann Falko Lachmund, oder Kostüm-, Szenen- und Maskenbildner sollen für den Debütfilm auf jeden Fall dabei sein. Als Produktionsfirma steht die Lichtblick-Media Berlin hinter dem Projekt. Neben den beiden Filmen, an denen Barbara derzeit arbeitet, gibt es noch ein drittes Projekt. "Eine Roman-Adaption", verrät sie - "aber überhaupt noch nicht spruchreif."

Wenn alles nach Plan läuft, sollte 2016 Drehbeginn sein. 30 bis 40 Drehtage plus ein paar Wochen Postproduktion wird das dauern. Danach geht der Streifen auf diverse Festivals. Der Debütfilm von Barbara Ott könnte dann 2018 im Kino zu sehen sein. Es sei üblich, dass zwischen Diplom- und Kurzfilm etwa vier Jahre ins Land ziehen. Auch dem Genre Kurzfilm will sie in der Zukunft treu bleiben, verrät sie.

Büro im ehemaligen Laden

"Unspektakulärer, als die meisten sich das wohl vorstellen", antwortet sie auf die Frage nach dem Tagesablauf in der Bundeshauptstadt. Sie hat sich in einem ehemaligen Ladengeschäft einen Büroplatz angemietet. Mit weiteren Filmleuten, Webdesignern, Musikmanagern und Eventagentur-Betreibern teilt sie sich die Räume. Der Tag ist sehr strukturiert. "Um 9 Uhr geht es los und endet irgendwann am Abend."
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