Flüchtlingswelle reißt nicht ab

Viele Ehrenamtliche wie hier Anne Flögel (rechts) vom Arbeitskreis Asyl der Caritas helfen den Asylbewerbern, vor allem auch bei der Überwindung der Sprachbarrieren. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
16.03.2015
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Eigentlich ist die Regierung für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zuständig. Eigentlich. Denn wenn die Regensburger nichts haben, muss der Landkreis etwas finden. Kein leichter Job.

Montag ist immer Meldetag. Die Sozialhilfeverwaltung des Landkreises muss dann die Regierung informieren, wie viele Plätze der Landkreis zur Verfügung stellen kann. Am Mittwoch kommt dann vielleicht die Meldung, mit wie vielen Personen der Landkreis am Donnerstag zu rechnen hat.

"Da kann schon mal ein ganzer Bus voll kommen", erzählt Sozialamtsleiter Wolfgang Jäger im Sozialhilfeausschuss von den Problemen, die er und seine Mitarbeiter dann unter der Regie von Oberregierungsrätin Regina Kestel innerhalb weniger Stunden zu bewältigen haben.

Mitspracherecht? Gibt es nicht. Ob Familien oder Einzelpersonen oder woher die Asylbewerber stammen - all das erfahren die Tirschenreuther ebenfalls erst kurzfristig. Dann kommt das große Verteilen. Da gilt es vor allem darauf zu achten, dass nicht plötzlich verfeindete Volksgruppen unter einem Dach leben sollen. Nicht nur die betroffenen Gemeinden müssen informiert werden, sondern auch Ärzte, Schulamt, Jugendamt, Kindergärten und Polizei.

Am besten schon im voraus, weshalb die Sozialhilfeverwaltung eigentlich permanent nach geeigneten Unterkünften Ausschau hält. Und vor allem Angebote überprüft. Nicht jedes hält auch wirklich, was es verspricht. Knapp 280 Asylbewerber leben derzeit im Landkreis, allein 126 in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kreisstadt Tirschenreuth. 152 Personen sind dezentral untergebracht. Dazu kommen noch rund 50 sogenannte Kontingentflüchtlinge aus Syrien, die in Fuchsmühl eine neue Heimat gefunden haben. Weitere Gemeinschaftsunterkünfte mit etwa 120 bis 130 Plätzen sind in Waldsassen und Mähring geplant. Zerschlagen hat sich dagegen das Vorhaben in Neualbenreuth.

Regina Kestel und der gesamten Abteilung sagt Landrat Wolfgang Lippert ein Dankeschön. "Hut ab, was da geleistet wird." Ob das personell weiterhin so zu stemmen ist, hält der Amtschef zumindest für fraglich. "Die Flüchtlingswelle ebbt nicht ab." 6,9 Prozent aller Asylbewerber der Oberpfalz muss nach dem offiziellen Verteilungsschlüssel der Landkreis Tirschenreuth nehmen. Weil mit derzeit 84 Personen im Minus, ist also ständig mit weiteren Zuweisungen zu rechnen.

Wolfgang Jäger dankt der Caritas und der Arbeiterwohlfahrt und den vielen Ehrenamtlichen draußen in den Gemeinden. "Da haben sich schnell Helferkreise gebildet, die sich um die alltäglichen Sorgen dieser Menschen kümmern", nennt er vor allem auch das Engagement von Hannelore Bienlein-Holl in Fuchsmühl. Wie dort nach einer ersten Zurückhaltung eine Welle der Hilfsbereitschaft entstanden ist, erzählt die Kreisrätin im Ausschuss. "Ein beispielhafter Einsatz für Integration."

Sprachbarrieren sind das größte Problem. Und da räumt der Sozialamtsleiter auch gleich mit einem Vorurteil auf, wonach es den Asylbewerbern so schlecht nicht gehen könne, wenn sie alle ein Handy hätten. "Da sind meist Übersetzungs-Apps drauf, mit deren Hilfe wir uns ohne Dolmetscher verständigen können."
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