Franzosen total erschüttert

Lokales
Tirschenreuth
10.01.2015
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Entsetzen, Bestürzung, Trauer. Die Reaktionen auf die Ermordung von zwölf Mitarbeitern des Satiremagazins "Charlie Hebdo" sind überall ähnlich. Besonders betroffen reagieren die Menschen im Stiftland, die persönliche Beziehungen zu Frankreich pflegen.

(as/pz) Herzliche Verbindungen bestehen beispielsweise zwischen der Kreisstadt und La Ville du Bois. Seit 2001 ist die Freundschaft der Tirschenreuther mit dem 7000-Einwohner-Ort, der gerade mal 30 Kilometer südlich vom Pariser Stadtzentrum liegt, per Urkunde besiegelt. "Nächsten Freitag fliegen wir dorthin, um beim Neujahrsempfang am Samstag dabei zu sein", erläutert Vinzenz Rahn vom Partnerschaftsverein "Amitié" die aktuellen Reisepläne. Und an denen ändert sich durch den Anschlag und seine Folgen voraussichtlich nichts.

Mit seinen Mitreisenden, Bürgermeister Franz Stahl und dessen Stellvertreter Peter Gold, der auch Vorsitzender des Partnerschaftsvereins ist, hat sich Rahn natürlich über die furchtbaren Ereignisse von Paris unterhalten. "Das ist ganz, ganz schlimm. Diesen Anschlag verurteilen wir auf das Härteste. Es ist nur zu hoffen, dass die Täter bald gefasst sind", sagt der stellvertretende "Amitié"-Vorsitzende am Freitagmittag. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die später getöteten mutmaßlichen Attentäter noch mit Geiseln verschanzt.

Aus Gesprächen mit französischen Gasteltern weiß er, dass seit Mittwoch in und rund um Paris der Ausnahmezustand herrscht. Massive Polizeipräsenz vor allem an den Zu- und Ausfahrten, Auto- und Buskontrollen prägen das Bild: "Durch die räumliche Nähe sind die Leute total erschüttert", berichtet Rahn. "La Ville du Bois ist als Wohnstadt ja abhängig von Paris." Der Tirschenreuther sieht seinem Flug in einer Woche dennoch nicht mit gemischten Gefühlen entgegen. Irregeleitete Einzelpersonen gebe es in jeder Glaubensrichtung, ist er überzeugt: "Ich hoffe, dass jetzt nicht jeder Andersgläubige als Terrorist dasteht."

Auch in Waldsassens französischer Partnerstadt Marcoussis südlich der Hauptstadt sind die Menschen nach dem Anschlag tief betroffen. "Im Land werden nun Konfrontationen zwischen den Religionen befürchtet", berichtet Yvonne Lindner. Sie ist eine der Vorsitzenden der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) und hat am Freitag mit ihrer Freundin Annie Vicens telefoniert.

In Marcoussis selbst lebten zwar keine Muslime. Doch es wäre eine gewisse Angst vor der politischen Zukunft spürbar. Deshalb sei auch in Waldsassens Partnerstadt über die Ausweitung von Sicherheitsvorkehrungen und eine stärkere Polizeipräsenz nachgedacht worden.

Ein sich aktuell verschärfendes Problem in Frankreich sei es, dass Muslime und Juden attackiert würden. Eine Gruppe von Leuten aus Marcoussis habe die Beteiligung an einer Demonstration in Paris organisiert und wolle gegen Gewalt jeglicher Art auf die Straße gehen, informiert Yvonne Lindner.
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