Für beide Seiten ein Gewinn

Landrat Wolfgang Lippert und Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching sehen sich als Partner: Der Landkreis bekommt Unterkünfte für Flüchtlinge, die Kewog mildert ihren eigenen Wohnungs-Leerstand. Bild: bz
Lokales
Tirschenreuth
26.06.2015
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Die Zahlen ändern sich quasi stündlich: 327 Flüchtlinge und Asylbewerber sind derzeit im Landkreis untergebracht. Ende des Jahres werden es mindestens 500 sein. Nur wohin damit?

Zeltstädte oder Container sind für Landrat Wolfgang Lippert einfach nicht denkbar. "Wir müssen diese Menschen auch menschenwürdig unterbringen." 130 leben derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Tirschenreuth. So eine wird am Montag auch in Waldsassen für 70 Personen eröffnet. Außerdem ist eine Baugenehmigung für eine dritte in Mähring für 30 bis 35 Bewohner erteilt. Zusätzlich gibt es über den ganzen Landkreis verteilt 22 dezentrale Unterkünfte.

"Weitere werden folgen müssen", ist sich der Landrat angesichts der Prognosen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bewusst: 450 000 Asylbewerber werden heuer in Deutschland erwartet. Die werden verteilt. Und nach dem von der Regierung errechneten Aufnahmeschlüssel steht der Landkreis Tirschenreuth momentan mit gut 93 Personen im Minus.

Da kommt das Angebot der Kommunalen Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft gerade recht. Die hat mit der Regierung ein Drei-Stufen-Modell abgesprochen, das in Neualbenreuth bereits mit einem konkreten Projekt aufwarten kann. Da sind die Mehrfamilienhäuser in der Stephanskreuzstraße als Gemeinschaftsunterkunft angedacht. "Da müssen wir vorher aber erst noch ein bisschen etwas tun", verweist Geschäftsführer Bernd Büsching auf notwendige Investitionen. Mit gut 180 000 Euro sollen dort die Wohnungen für rund 50 Personen entsprechend hergerichtet werden. Das war schon einmal im Gespräch, scheiterte aber zunächst an finanziellen Rahmenbedingungen. "Die Sanierungskosten müssen sich ja über Mietpreis und Laufzeit irgendwie amortisieren." Für Büsching macht es durchaus Sinn, wieder Wohnungen zu sanieren. "Der Staat gibt finanzielle Anreize, um die Innenstädte nachhaltig zu beleben." Außerdem sei ein gutes Wohnumfeld auch ein möglicher Beitrag, den jährlichen Bevölkerungsverlust im Landkreis von 400 bis 500 Menschen etwas zu stoppen.

Den händeringend nach geeigneten Unterkünften für Flüchtlinge suchenden Stellen bietet die Kewog leerstehende Wohnungen an. "Wenn Brandschutz und Heizungen passen, sind die mit relativ wenig Aufwand sofort beziehbar." Die zweite Stufe sieht dann leerstehende Häuser wie in Neualbenreuth als Gemeinschaftsunterkünfte vor.

Und schließlich kann sich der Kewog-Geschäftsführer auch einen kompletten Neubau wie vor Jahren in Tirschenreuth vorstellen. "Da gibt es dann einen Hausmeister und eine soziale Betreuung der Bewohner. Aber das muss sich auch über Mietpreis und Laufzeit rechnen."

Grundstücke dafür hat die Kewog schon im ganzen Landkreis. "Die sind vor Jahrzehnten gekauft worden, um sie einmal mit Wohnungen zu bebauen." Wo er sich solche Gemeinschaftsunterkünfte vorstellt, das mag Bernd Büsching noch nicht sagen. "Wir sind erst bei der Analyse." Irgendwo am Dorf wird es sicherlich nicht sein. "Eine Infrastruktur muss schon da sein." Jedenfalls verspricht Büsching ein transparentes Vorgehen. "Wir suchen dann rechtzeitig das Gespräch mit den Bürgermeistern und Gemeinderäten."
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