Geige weint für den Frieden

Der russische Pianist Iwan Urwalow und der syrische Geiger Ashraf Kateb präsentierten auf bewegende Art und Weise ihre Friedenswünsche mit Musik von Komponisten aus aller Welt. Bilder: ubb
Lokales
Tirschenreuth
29.11.2015
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Lädt Hannelore Bienlein-Holl zum Benefiz, ist das Ehrensache, Verpflichtung und Freude gleichermaßen. 300 Gäste waren es am Freitag im Kettelerhaus, die der Einladung, "mit dem Herzen zu sehen", nachkamen und tief ergriffen nach dem Konzert für Flüchtlingskinder wieder gingen.

Als die Geige zu weinen begann, wurde es still im Saal. Der aus Syrien stammende Musiker Ashraf Kateb entlockte seinem Instrument nicht alleine Melodien, die schön anzuhören waren. Katebs Geige erzählte die Geschichte von Krieg und Frieden, von Flucht und Rettung, von Tränen und Freude.

Je länger die Geige weinte, umso weiter wurden die Herzen der Zuhörer im Saal. Die einen mit warmen Stuben und guten Jobs in Deutschland hörten auf musikalische Weise die Botschaft des "Duos Aruso": "Helft den Menschen, die auf der Flucht sind. Sie brauchen euch und eure Großherzigkeit." Die anderen, welche im Landkreis Tirschenreuth bereits herzlich aufgenommen worden sind, hörten durch die Musik, dass sie auch deutschlandweit nicht alleine sind, sich sogar große Berliner Künstler wie der in St. Petersburg geborene Pianist Iwan Urwalow und der Geiger Ashraf Kateb um sie kümmern. Die Initiatorin Hannelore Bienlein-Holl konnte stolz auf ihre Veranstaltung sein. Sie hatte nicht nur die "Hautevolee" des Landkreises und viele Institutionen dafür gewonnen.

Herzlich begrüßte sie auch die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Balkan, Afrika und anderen Ländern, die im Landkreis eine Bleibe gefunden haben. Bürgermeister und Schirmherr Franz Stahl erzählte erfreut, dass man in Tirschenreuth schon seit 2003 mit den Asylbewerbern harmonisch zusammenlebe.

"Ich freue mich, dieses Konzert für Sie spielen zu dürfen", begrüßte Ashraf Kateb sein Publikum auch auf Syrisch, was ihm mit großem Applaus gedankt wurde. Bevor das "Duo Aruso" begann, war es Karl Haberkorn ein Anliegen, den zahlreichen Gästen für die damit verbundene Solidarität zu danken. Hannelore Bienlein-Holl stellte die Musiker vor und moderierte mit Geschichten zu den Interpreten.

Tief ergreifende Musik wechselte sich mit fröhlich-beschwingten Momenten wie andalusischen Tänzen von Pablo de Sarasate ab. Das Publikum wurde in den Orient entführt mit arabischen Klängen, bis es musikalisch um die halbe Welt bis nach Russland und Europa kam. Dann legte Ashraf Kateb die Geige weg und griff zum Mikrofon. "2011 gingen in Syrien Tausende Menschen auf die Straße gegen diesen Krieg. Heute, fünf Jahre später, gibt es 500 000 Tote zu beklagen. 7,5 Millionen Syrer sind auf der Flucht. Bitte helfen Sie uns! Wir spielen hier für den Frieden."

Hannelore Bienlein-Holl konnte nur noch danken für das große Engagement der Musiker. "Was wir tun können, tun wir", antwortete sie mit Tränen in der Stimme. Das war der Moment, in dem selbst die Kinder im Saal mucksmäuschenstill wurden und die Geige den gesamten schmerzvoll-steinigen Weg jener Menschen erzählte, die vor grausamen Kriegen fliehen und auf ihrer Flucht zwischen die Fronten von Hilfsbereitschaft und Ablehnung geraten. Bei "Träumereien" von Robert Schumann, das am Ende des Zweiten Weltkriegs deutschlandweit im Radio gespielt wurde, gab es kein Halten mehr: Die Musiker wurden mit Standing Ovations gefeiert. Spätestens jetzt hätte Antoine de Saint-Exupérys "Kleiner Prinz" gesagt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut!"

Bilder: ugg
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