Geschichten und Geschichte

Bei der adventlichen Führung des Stadtmarketings in Zusammenarbeit mit den Gästeführern Cornelia Stahl und Thomas Sporrer wurden im Turmzimmer des Klettnersturmes Glühwein und Plätzchen serviert. Bild: Sporrer
Lokales
Tirschenreuth
09.12.2014
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Sonst kalt und leer empfing der Klettnersturm diesmal seine Gäste mit Kerzenschein und viel Informationen zur Feier der Jahreswende. Und die Besucher erfuhren, was es mit dem "Heiligabend-Fisch" und der "Specht" auf sich hat.

Glühweinduft zieht durch den fast 700-jährigen Klettnersturm. Weihnachtsbäume sind geschmückt, ein Wagenrad aus Holz ist mit Stroh eingebunden, fast lebensgroße Krippenfiguren zieren den Aufgang. Für die adventliche Führung in Tirschenreuth haben Cornelia Stahl und Thomas Sporrer das Wahrzeichen der Stadt umgewandelt in eine 1000-jährige Zeitreise, in der die Entwicklung der Feiern um den Jahreswechsel dargestellt wurden, die schließlich in unser modernes Weihnachtsfest mündeten.

Nach Informationen zum modernen und zum historischen Tirschenreuth wurden die neun Gruppen von der Stadtmauer auf den weihnachtlich beleuchteten Marktplatz geführt. Nach der Beschreibung der wichtigsten weihnachtlichen und touristischen Schwerpunkte ging es zum Klettnersturm, der seit 1330 den südlichen Eingang der Stadt bewacht.

Die Besucher hörten viel Interessantes vom germanischen Jul-Fest und den zwölf Rau-Nächten, die vom 24. Dezember bis zum Morgen des 5. Januar für unsere Vorfahren eine ganz besondere, mystische Bedeutung hatten. Die Entwicklung des Weihnachtsfestes in der östlichen Oberpfalz mit Weihnachtsbaum, Adventskranz, dem Nikolaus und Geschenken folgte ebenso wie die Darstellung der Stadt Tirschenreuth als Zentrum einer volkstümlichen Krippenkunst im Stiftland des 18. und 19. Jahrhunderts.

Der "Heiligabend-Fisch", eine schon aus dem Mittelalter stammende Tradition in Tirschenreuth, wurde ebenso erläutert wie die "Specht", die man nur in der nördlichen Oberpfalz, also nur im Landkreis Tirschenreuth, findet. Viele Besucher konnten sich noch mit kaltem Schauer daran erinnern, dass sie als Kinder diese alte Brauchtumsfigur eines germanischen Natur-Dämons mit den Resten des Mittagessens am Heiligabend füttern mussten.

"Ohne Specht kein Christkind", kommentierte eine Besucherin den wohl nicht ganz so kindgerechten Ablauf des Spektakels. Mit einer alten Sense, einem Wetzstein und dem dazugehörigen Spruch "wetze, wetze, Bauch aufschnein", versetzten die beiden Führer ihre Gäste in eine längst vergessen geglaubte Zeit.

Glühwein und Plätzchen

Im Turmzimmer gab es dann Glühwein, Plätzchen und Informationen zum letzten Türmer der Stadt Tirschenreuth. Paul Miner nahm 1952 seine Tätigkeit auf, die er erst 1972 wieder aufgeben musste. Durch die Elektrifizierung der Uhr auf dem Klettnersturm war kein Bedarf mehr für ihn, er wurde entlassen und musste seine Ein-Zimmer-Wohnung aufgeben. Die Zeit der Türmer in Tirschenreuth war nach 600 Jahren endgültig vorbei.

Was folgte war abschließend ein wunderbarer Blick über die Dächer der Stadt hinüber zum Fischhof-Park. Der Historische Weihnachtsmarkt mit seinen vielen tausend roten Lichtern war ein überwältigender Anblick. Gut für den, der seinen Foto-Apparat dabei hatte.

Fast 150 Tirschenreuther haben das neue Angebot des Stadt-Marketings in Zusammenarbeit mit den beiden Gästeführern genutzt. Die Mischung aus Geschichten und Geschichte, aus Moderne und Tradition kam bei den Teilnehmern sehr gut an. Die Fortsetzung folgt 2015 und kann ab dem neuen Jahr über die Tourist-Info Tirschenreuth gebucht werden.
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