Gesundheitsamt bietet nicht nur während der bayernweiten Testwoche umfassende Beratung
Klarheit über Aids anonym und kostenlos

Lokales
Tirschenreuth
20.05.2015
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Der Landkreis gehört nicht gerade zu den Gebieten, die besonders von Aids betroffen sind. Dennoch ist die Immunschwäche auch in der ländlichen Region ein Thema. Das Gesundheitsamt Tirschenreuth ist bei der bayerischen HIV-Testwoche, die noch bis Freitag dauert, natürlich dabei. Anonyme Tests sind jedoch das ganze Jahr über möglich.

Kein Todesurteil

"Aids ist kein Todesurteil mehr", stellt Dr. Stefan Geyer klar. Der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes weiß, dass sich auf dem Gebiet der medizinischen Präparate in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel getan hat. "Wer HIV-infiziert ist, braucht aber eine Behandlung. Dann ist sogar eine normale Lebenserwartung möglich."

Je früher der Betroffene von einer Infektion weiß, desto besser. Vor allem auch für seine Sexualpartner. Denn die Übertragung von Aids durch ungeschützten Geschlechtsverkehr ist der häufigste Weg. Auch der gemeinsame Gebrauch von Spritzen birgt für Drogenabhängige ein großes Risiko. Nur äußerst selten kommt es dagegen zur Ansteckung durch Bluttransfusionen.

"Zu uns kann jeder kommen. Der Test ist völlig anonym und kostenlos", sagt Dr. Geyer. Eine telefonische Anmeldung empfiehlt sich allerdings, damit auch gesichert ein Arzt anwesend ist für die Blutentnahme. "Jeder Test ist verbunden mit einer vertraulichen Beratung", informiert der Mediziner. Die Blutprobe wird an ein Labor geschickt. Nur, wenn das Ergebnis positiv ist, ist von dort eine Meldung an das Robert-Koch-Institut vorgeschrieben - allerdings ohne Namensnennung.

10 bis 14 Tests im Jahr

In der Regel erfahren die Ratsuchenden eine Woche nach dem Test das Ergebnis. Oft ist die Furcht, sich angesteckt zu haben, unbegründet. Etwa 10 bis 14 Testpersonen melden sich im Jahr beim Gesundheitsamt. Den meisten fällt hinterher ein Stein vom Herzen.

"Es gibt auch Einzelfälle, denen wir ein positives Ergebnis mitteilen müssen", berichtet Dr. Geyer. "Aber HIV bedeutet erst einmal nur, man hat sich mit dem Virus infiziert. In der Regel dauert es acht bis zehn Jahre, bis das Immunsystem erkrankt ist." Zur Kontrolle sind jedoch regelmäßige Untersuchungen nötig, damit die Ärzte mit passenden Medikamenten gegensteuern können. Es könne auch vorkommen, so der Arzt, dass Aids überhaupt nicht zum Ausbruch kommt.

Insgesamt liegt die Zahl der HIV-positiven Männer und Frauen in Bayern bei 10 000. Jährlich kommen etwa 400 Neuinfektionen hinzu. "Die Aufklärungsarbeit, etwa an Schulen, zeigt Wirkung", ist der Arzt überzeugt. "Und in ländlichen Regionen wie bei uns gibt es natürlich weniger HIV-Infizierte als in Städten wie Regensburg, Nürnberg oder München."

Am Tirschenreuther Gesundheitsamt stehen Leiter Dr. Gerhard Strobl, sein Stellvertreter Dr. Geyer sowie Sozialpädagoginnen zur Beratung bereit - nicht nur während der bayernweiten Aktionswoche unter dem Motto "Jetzt bin ich mir sicher". Wer sich zum Test entschließt, sollte allerdings eines beachten: Die mögliche Ansteckung muss schon drei Monate zurückliegen, um sicher nachgewiesen zu werden, informiert der stellvertretende Amtsleiter. "Wenn jemand gleich am nächsten Tag zu uns kommt, bringt ein Test gar nichts."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.testjetzt.de/
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