Gewerkschaft sieht Mitschuld beim Innungsverband
Bäckern droht Nachwuchs-Krise

Die kleinen Backstuben bleiben nach Ansicht der Gewerkschaft leer, wenn die Betriebe die Arbeitsbedingungen im Bäcker-Handwerk weiter verschlechtern. Bild: hfz
Lokales
Tirschenreuth
09.11.2015
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Die Bäcker im Landkreis suchen Azubis - oft vergeblich. Noch immer registriert die Arbeitsagentur offene Lehrstellen im Frühaufsteher-Handwerk. Die Zahl der Lehrlinge in der Branche ist in den letzten zehn Jahren sogar um zwei Drittel zurückgegangen.

Mittlerweile klagen auch die Berufsschulen über immer weniger Azubis und mehr Abbrecher bei den Bäckern. Der Grund: Die bereits jetzt harten Arbeitsbedingungen sollen sich weiter verschlechtern - wenn es nach dem Willen der Arbeitgeber geht. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen.

"Es könnte bald zu einer noch größeren ,Nachwuchs-Krise' kommen", warnt die Gewerkschaft "Nahrung Genuss und Gaststätten" (NGG) Oberfranken, die auch den Landkreis Tirschenreuth betreut. Der Landes-Innungsverband habe den aktuellen Tarifvertrag gekündigt und wolle drastische Einschnitte durchsetzen: weniger Urlaubstage, mehr Sonntagsarbeit, die Streichung des Urlaubsgelds. "Damit wird der Job immer unattraktiver", sagt Geschäftsführer Michael Grundl. Die Arbeitgeber seien dabei, die Zukunft des eigenen Handwerks aufs Spiel zu setzen.

"Die rund 370 Bäcker und Verkäuferinnen im Landkreis machen einen harten Job. Sie arbeiten, wenn andere schlafen - oft mitten in der Nacht oder am Feiertag", sagt Grundl. Es sei daher ein Unding, den Beschäftigten jetzt auch noch das Urlaubsgeld zu nehmen. Dabei gelte die Branche vielen schon jetzt als "rote Laterne" unter den Handwerksberufen. "Mehrere bayerische Berufsschulen haben sich deshalb bei der Landes-Innung beschwert. Sie fordern, die Verschlechterungen zurückzunehmen", berichtet Grundl.

Bisher habe es den vollen Urlaub von sechs Wochen erst nach vier Jahren Betriebszugehörigkeit gegeben. "Die Innung wollte sogar partout 13 Jahre durchsetzen." Als die Gewerkschaft auf der alte Regelung beharrt habe, hätten die Arbeitgeber sogar dreist auf 15 Jahre Wartezeit erhöht. " Das ist keine Verhandlungsgrundlage, sondern eine Provokation."

Auch für Mustafa Öz, Verhandlungsführer der NGG Bayern, ist klar: "Mit weiteren Einschnitten sägen die Arbeitgeber an dem Ast, auf dem sie sitzen." Mittlerweile zweifle man daran, ob der Landes-Innungsverband überhaupt noch an einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag interessiert sei. Wenn der jedoch nicht zustande komme, werde es zu einem "Preiskampf nach unten" kommen: ein Wettbewerb um die niedrigsten Löhne und Produktionskosten, der gerade kleineren Betrieben die Existenzgrundlage rauben könnte.

Schon jetzt gewährten trotz geltender Tarifverträge Bäckereien keine sechs Wochen Urlaub. " Viele Chefs zahlen auch nicht den Arbeitgeberanteil von 380 Euro im Jahr in die Altersvorsorge ein oder verweigern das Urlaubsgeld. Oft werden selbst gelernte Fachkräfte mit 8,50 Euro pro Stunde abgespeist", beklagt Öz.

Die NGG fordert den Landes-Innungsverband auf, mit vernünftigen Vorschlägen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Bis dahin empfiehlt die NGG den Beschäftigten, keine Änderungsverträge zu unterschreiben. Das könne eine Falle sein, warnt Öz. Denn der bisherige Manteltarifvertrag bietet noch einen Bestandsschutz.
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