Grammatik ohne Verfallsdatum

Die Teilnehmer des Integrationskurses zusammen mit ihrer Leiterin, Alexandra Schwarz (hinten links), und der Leiterin der Tirschenreuther Stadtbücherei, Cornelia Kolzenburg (vorne links). Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
30.10.2014
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Wer in ein fremdes Land kommt, weder Sprache noch Sitten kennt, steht schnell vor Problemen. Das geht dem Europäer in Afrika genauso wie dem Syrer in Deutschland. Bei den Integrationskursen von Alexandra Schwarz findet deshalb der Unterricht schon mal im Supermarkt oder in der Bücherei statt.

Sie kommen aus Äthiopien, Bangladesch, Eritrea, aus Tschechien, der Türkei oder von den Philippinen. Mag die Fremden in ihrer neuen Heimat auch die eigene Kultur und Religion voneinander und vom Gastgeberland unterscheiden, zwei Dinge haben die Mitglieder des VHS-Integrationskurses gemeinsam: Es gefällt ihnen hier sehr gut und sie sind wissbegierig.

Sie wollen nicht nur die Sprache beherrschen, sondern bemühen sich auch sehr um das Verständnis der westeuropäischen Lebensweise. Dieses Ziel ist kaum erreichbar, wenn sie ihre vorgeschriebenen Stunden im Schulungsraum der Volkshochschule (VHS) nur "absitzen".

Mit Alexandra Schwarz, selbst gebürtige Polin, haben sie eine Kursleiterin, die Pädagogik lebt. Glück für die erwachsenen Schüler. "Live Deutsch lernen" ist das Motto der Lehrerin. Soll heißen? "Wir schauen uns die Theorie an und verinnerlichen das Gelernte in der Praxis." So besuchen die Emigranten Möbelhäuser oder Supermärkte und lernen, was beim Einkauf zu beachten ist. Etwa auf das Ablaufdatum der Produkte zu schauen.

Eine Kleinigkeit, die nur für uns selbstverständlich ist. Lesen bildet: Deshalb besuchte Alexandra Schwarz mit ihrem Kurs die Stadtbücherei. Deren Leiterin Cornelia Kolzenburg hieß die 20 Leute aus aller Herren Länder willkommen. Einer der Schüler ließ sich gleich in die Leserliste eintragen und will künftig sein Wissen mit Hilfe der verschiedensten Medien aus der Bücherei ergänzen. Computer- und Kochbücher faszinierten die meist jungen Leute am meisten.

Der Integrationskurs ist in Module untergliedert, jedes endet mit einer Prüfung. Wer die besteht, qualifiziert sich für die nächste Stufe. Aktuell läuft ein Kurs der Kategorie B1. "Den besuchen Leute, die sich sehr gut verständigen und auch gut schreiben können", erklärt Alexandra Schwarz. Wer ihn besteht, hat gute Voraussetzungen beruflich Fuß fassen zu können. Vela Maiava aus Samoa ist seit acht Jahren in Deutschland und möchte Zahnarzthelferin werden. Schafft sie die Prüfung, geht ihr Traum bald in Erfüllung. Sie war bereits in einer Zahnarztpraxis vorstellig und könnte dort einsteigen - vorausgesetzt die Prüfung passt.
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