Heimatforscher bringt neue Erkenntnisse ans Licht - zweibändiges Werk über Tirschenreuth
Eintauchen in die Historie

Das Schloss in Tirschenreuth um 1630, links neuer, rechts alter Teil. Repro: tr
Lokales
Tirschenreuth
09.12.2014
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Geschichten von "adligen Ansitzen", von Wüstungskomplexen oder dem "Wimpernschlag"-Aufenthalt von Kaiser Karl V. füllen Hunderte von Seiten. Vieles ist bestimmt so noch nicht zusammengefasst worden, alles mit Sicherheit wichtiges Material für die Stadthistorie. Daneben ist Harald Fähnrichs zweibändiges Werk über Tirschenreuth auch ein interessanter Schmöker.

Mit großer Sorgfalt hat sich der Heimatforscher in den vergangenen Jahren durch die Archive geblättert, hat Dokumente abgestaubt und interessante Quellen abgeklopft. Dabei schätzt Fähnrich auch "fremdes" Wissen und hat Beiträge von "Kollegen" und Wissenschaftlern eingebaut.

Rodungssiedlung Dürsinrüte

Herausgekommen sind erstaunliche Ergebnisse, die so bislang noch nicht bekannt waren, etwa dass Tirschenreuth wohl um einiges älter ist. Um 1140 erwähnen Urkunden schon die Rodungssiedlung "Dürsinrüte". Und wissenschaftlich intensiv geht es an den Ortsnamen heran, der wohl als die "Reute (Rodung) des Türso" verstanden werden kann. Akribisch genau geht es durch die Jahrhunderte, mit all den adeligen Besitzern und der Zugehörigkeit zum Kloster Waldsassen.

Adelige Ansitze

Zu finden sind Kapitel über die Gotteshäuser der Stadt, allen voran die Ur-Kirche "St.Peter". Oder über die Archäologie des Ortes und die Fehler bei der Erfassung der Funde, darunter den Tiefbrunnen am Marktplatz. Viele Seiten widmet das Buch auch den Siedlungen um Tirschenreuth, etwa Lohnsitz oder das uralte Dorf Marchaney. Erwähnt werden die neun "adeligen Ansitze" um den Ort und natürlich die Burg in Tirschenreuth. Wohl eher ein repräsentativer Verwaltungsbau für das Kloster, später auch zum Schutz der Äbte. Aus dem Bau wird das Schloss, der Stadtbrand 1633 lässt nur mehr den Turm stehen. Der wird 1809 abgetragen.

Zwei Wege zum Fischhof

Burgstall Lengenfeld, Waltherus de Lohnsitz oder die Burg Rothenberch sind Themen. Alle hat Fähnrich bis ins Detail wissenschaftlich aufgearbeitet. Dazu kommen Bilder von Urkunden oder aufschlussreiche Zeichnungen und Karten. Denn Fähnrich hat auch die Geografie unter die Lupe genommen. Allen voran der Stadtteich mit seiner Insel. Ist der obere Teich für die Fischzucht oder den Schutz des adeligen Ansitzes angelegt worden? Später ist die Fischernte aber wichtiger Faktor. Und 1565 wird gar ein "Schwarzfischen" bemängelt. Ausführlich beschreibt Fähnrich das Kapitel Stadtteiche, mit der Trockenlegung des oberen Teils 1808, oder den Wasserdurchlass. Auch ein paar Rätsel hat der Heimatforscher entdeckt und in sein Buch gepackt: So die Hinweise (1656) auf eine zweite Brücke zum Fischhof, wohl einen Fußgängersteg aus Holz.

In seinem Buch wartet Fähnrich zudem mit einer Entdeckung auf: Gefunden hat der Heimatforscher eine bislang unbekannte Schlupftür im Stadtmauerrest, wohl gedacht für "Spätheimkehrer".

Rund 350 Seiten stark hat Fähnrich den ersten Teil der "Stadtgemeinde Tirschenreuth" geschnürt, nahezu allen Facetten mit wissenschaftlicher Akribie durchleuchtet, den Ort, das Land und die Geschichte durchstöbert. Ein schneller Gang durch die Stationen ist es nicht, wohl aber ein lückenloses Nachschlagwerk als durchgegliederte und interessante Lektüre für alle, die mehr und tiefer über Heimat informiert werden wollen.

Verkaufsstellen

"Stadtgemeinde Tirschenreuth", Band 1 (352 Seiten, zahlreiche, meist farbige Abbildungen, 24,90 Euro) gibt es im Bücherhaus Rode, Maximilianplatz 38, Tirschenreuth, sowie in der Buchhandlung Eckhard Bodner, Hauptstraße 1, Pressath.

Band II (ca.330 Seiten, 24,90 Euro) soll Ostern 2015 erscheinen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
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