Heißer Draht zu jungen Leuten

Julia Mathes (links) und Anna Wachter stellten die oberpfalzweite Hotline im Jugendhilfeausschuss vor. Bild: as
Lokales
Tirschenreuth
25.11.2015
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Ob Schulprobleme, Liebeskummer oder Ärger mit den Eltern - junge Leute haben ganz spezielle Sorgen. Verschwiegene Zuhörer und erfahrene Ratgeber sind da gefragt. Eine neue Hotline steht jetzt auch im Landkreis zur Verfügung.

Es ist mehr als nur ein Sorgentelefon, das Kindern und Jugendlichen kostenlos zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist eine Online-Beratung eingerichtet, die eine Antwort innerhalb von 24 Stunden garantiert. "Wir bedienen uns der Medien, die junge Leute nutzen", unterstrich Anna Wachter. Die Diplom-Psychologin stellte das Projekt gemeinsam mit der Erziehungswissenschaftlerin Julia Mathes im Jugendhilfeausschuss vor.

Die Aktion läuft unter dem Motto "Kopfhoch" und wird vom Kinderschutzbund des Kreisverbands Regensburg betreut. Der seit 2004 in Amberg bestehende Kinder- und Jugendnotruf ging darin auf. Ziel ist es, mit allen Jugendämtern und Beratungsstellen in der Oberpfalz ein Netzwerk zu knüpfen. Die beiden hauptamtlichen Fachkräfte arbeiten mit über 20 ehrenamtlichen Beratern zusammen, meist Studenten der Psychologie oder Erziehungswissenschaft.

"Die Fachberater sollten altersmäßig nicht so weit von der Zielgruppe entfernt sein", erklärte Anna Wachter, die selbst aus dem Landkreis Tirschenreuth stammt. "Wir arbeiten regional und suchen in jedem Landkreis Ansprechpartner, damit wir weitergehende Hilfe vermitteln können, wenn es die Anrufer wollen." Denn zunächst einmal ist Anonymität oberstes Gebot bei diesem Service. Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre können täglich von 6 bis 22 Uhr kostenlos anrufen oder ihre Sorgen rund um die Uhr online loswerden. "Manchmal schauen wir auch nachts nach akuten Fällen", verriet die Psychologin. "Wir antworten immer innerhalb von 24 Stunden."

Das Angebot der Telefonberatung beruht auch auf einer gesetzlichen Grundlage. "Kinder und Jugendliche haben das Recht, sich ohne Wissen der Eltern zu melden", betonte Wachter. Seit Projektbeginn im April 2015 gab es 342 Einzelberatungen über das Internet und 170 über Telefon. Darunter waren auch schon einige aus dem Landkreis Tirschenreuth, wobei die Herkunftsangabe freiwillig ist.

Thematisch gibt es "die ganze Bandbreite", wie Julia Mathes dem Ausschuss erklärte. Zum Beispiel Liebeskummer, Drogenkonsum, schlechte Noten, Einsamkeit, streitende Eltern, Zukunftsängste. Viele schwerwiegenden Probleme gebe es zu besprechen, auch Suizid-Gedanken spielten eine große Rolle. Oft zeigten die Nutzer der Hotline auch selbstverletzendes Verhalten. "Wir wollen die Hemmschwelle sehr niedrig halten", betonte die Leiterin der Telefonberatung. Nur bei akuter Gefährdung der Jugendlichen behalten sich die Fachleute das Recht vor, die Polizei oder das Jugendamt einzuschalten.

Der Jugendhilfeausschuss war sehr angetan vom "Kopfhoch"-Projekt und stimmte einer finanziellen Beteiligung des Landkreises zu. Bezogen auf die Einwohnerzahlen sind etwa 3400 Euro fällig. Die Zustimmung beschränkt sich zunächst auf ein Jahr.
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