Im Alter plötzlich arm

VdK-Kreisgeschäftsführer Harald Gresik sieht mit Sorge, dass immer mehr Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung benötigen. Bild: bz
Lokales
Tirschenreuth
12.05.2015
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Jahrzehnte haben sie fleißig einbezahlt, um einmal den Lebensabend genießen zu können. Auf einmal reicht den Rentnern das Geld nicht mehr. Eine Erfahrung, die der VdK täglich macht. Und der Trend hält an.

"Zukunft braucht Menschlichkeit" hat sich der heutige VdK als Leitwort gegeben. Kriegsopfer und Hinterbliebene wie damals bei der Gründung vor 65 Jahren, spielen in der Arbeit keine große Rolle mehr. Heute suchen den Rat und Tat vor allem Menschen mit sozialen Problemen. Und dass die zunehmen, sieht man auch an der Mitgliederentwicklung. Über 5400 Frauen und Männer oder 7,4 Prozent der Bevölkerung im Landkreis gehören dem VdK an. "Das jüngste Mitglied ist 4 Jahre, das älteste 103", erzählt Kreisgeschäftsführer Harald Gresik.

Er und seine drei Mitarbeiterinnen in der Wiesauer Geschäftsstelle haben fleißig zu tun. Gut 2200 Beratungen sind im Jahresbericht 2014 vermerkt. Rund 800 Anträge wurden gestellt, über 230 Widersprüche bearbeitet und 103 Klagen eingereicht.

Und das mit Erfolg. 176 125 Euro konnten so an Nachzahlungen, Beihilfen und Zuschüssen für die Mitglieder erwirkt werden. Wobei das von Jahr zu Jahr schwankt. Fast 450 000 Euro waren es beispielsweise 2013. "Aber das kommt halt immer auf die jeweilige Ausgangslage an", sagt Harald Gresik. Mit Sorge betrachtet er die sich immer stärker abzeichnende Altersarmut. Die Armutsgrenze liegt in Deutschland statistisch bei einem Einkommen von 979 Euro monatlich für eine Einzelperson. Wer darunter liegt, gilt als arm.

"Also fast jeder zweite Rentner im Landkreis", sagt Gresik. Bei den 801 Anträgen im vergangenen Jahr erreichten nur 155 eine Rentenhöhe über 1000 Euro. 194 lagen zwischen 800 und 100 Euro, satte 452 aber unter 800. "Immer mehr Rentner fragen nach Hinzuverdienstmöglichkeiten", berichtet der Kreisgeschäftsführer. "Lachhaft" nennt er den Mindestlohn von 8,50 Euro. "Da sind die späteren Sozialhilfeempfänger ja vorprogrammiert", rechnet Gresik einen Monatslohn von 1360 Euro aus. "Ergibt nach 45 Jahren eine Rente von 612 Euro brutto. Und da gehen noch 70 Euro Krankenkasse weg."

Und obwohl die Zahl der über 65-Jährigen im Landkreis um 2,10 Prozent abgenommen hat, ist ihr Anteil an der Grundsicherung im Alter in den letzten sechs Jahren um 16,5 Prozent gestiegen. Immer mehr Menschen erhalten auch Grundsicherung wegen Erwerbsminderung. Gleichzeitig sinkt in dem Bereich die Rentenhöhe. Waren es im Jahr 2000 noch 783,48 Euro, sind es jetzt noch 653 Euro. Beim Mann. Frauen bekommen nur 576 Euro, gerade einmal sechs mehr als noch vor acht Jahren.

"Da muss die Politik handeln", sagt Gresik. Der VdK fordert deshalb das gegenwärtige Rentenniveau von 50 Prozent sicherzustellen. Auch eine Demografie-Reserve sollte geschaffen werden. Und schließlich sollte die Mütterrente drei Jahre betragen und nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden.
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