Immer für andere Menschen da

Eine Torte aus Blumen an die "Beraterin des Beraters", Ehefrau Ingeborg Sill, überreichten KJF-Direktor Michael Eibl (links) und Robert Gruber (rechts), Abteilungsleiter der Jugendhilfe-Einrichtungen und Dienste. Für Wolfgang Sill gab es ein Gemälde, das seiner Naturverbundenheit Rechnung trägt. Bild: as
Lokales
Tirschenreuth
20.05.2015
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Als er vor 37 Jahren in der Erziehungsberatungsstelle anfing, hatte er nur einen Schreibblock dabei. Zum Abschied muss Wolfgang Sill mehr schleppen. Viele Geschenke und noch mehr lobende Worte begleiten den Psychologen in den Ruhestand.

Der 65-Jährige hinterlässt nach Jahrzehnten der Aufbauarbeit ein bestens bestelltes und vernetztes Haus, wie in der Laudatio deutlich wurde. "Ein kompetenter und feiner Mann, der immer für andere Menschen da war", zitierte KJF-Direktor Michael Eibl aus Mitarbeiterkreisen. "Was kann man Schöneres sagen über einen Chef?"

Mann der ersten Stunde

Der Vertreter der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg als Träger der Beratungsstelle dankte Wolfgang Sill für seinen Einsatz, der 1978 noch unter dem Dach des Diözesanverbands der Caritas begann. "Sie sind wirklich ein Mann der ersten Stunde in der Erziehungsberatung", zeichnete Eibl den Werdegang des Mitterteichers nach. Die Tirschenreuther Einrichtung sei die erste in der ganzen Diözese gewesen.

Zusätzlich war Sill in den ersten Jahren psychologisch im Kinderheim Waldsassen tätig und qualifizierte sich als Familientherapeut. Sowohl was die Ausstattung mit Spiel- und Therapiematerial, die statistische Dokumentation als auch die Umsetzung von Konzepten betraf, betrat der Diplom-Psychologe Neuland. "Der Sill war damals schon ein Stratege", blickte Eibl auf den beinahe rebellischen Vorstoß zurück, die Arbeit aller Beratungsstellen in Ostbayern unter einer Trägerschaft zu harmonisieren. 1997 kam es schließlich dazu.

Breite Problempalette

"Dass Sie in den folgenden 19 Jahren bei der KJF weiterhin ein Vorreiter für Entwicklungen waren, das zeigt auch das heutige Angebot der Erziehungsberatungsstelle Tirschenreuth." Der Direktor sprach die breite Problempalette an, mit denen es Kinder und Jugendliche zu tun haben: hochstrittige Trennungssituationen, Vernachlässigung, Mobbing, Schulangst, Alkoholprobleme, Computersucht, körperliche und seelische Gewalt.

Mit den dafür entwickelten Angeboten habe der Leiter der Erziehungsberatung stets eine gute Nase bewiesen: "Sie haben einen Sensor für das, was Kinder und Familien aktuell brauchen, nämlich Brückenschläge - zwischen Eltern und Kindern, zwischen Partnern, die nicht mehr miteinander reden, zwischen Eltern und Erziehern, Kulturen und Generationen", würdigte Eibl. Zu Sills Markenzeichen gehörten die väterliche Begleitung der Mitarbeiter und Gelassenheit in brenzligen Situationen. Der Redner vermutete, dass die Liebe zur Natur, Ruhepunkte in der Familie, Bio-Kost und tägliche Yoga-Einheiten dazu ihren Beitrag leisteten. "Die Leidenschaft für Menschen - gerade auch in schwierigen Zeiten - zeichnet Sie aus", sagte der Direktor. Die moderne Familie sei nicht immer heil. Sie brauche ein Klima der Wertschätzung und sozialen Wärme. Dazu habe Wolfgang Sill mit seinem Team beigetragen.

Gutschein für Kurzurlaub

Liedermacher Hubert Treml sorgte mit auf den künftigen Ruheständler zugeschnittenen Beiträgen für Heiterkeit, aber auch eine Portion Nachdenklichkeit. Im Namen der Mitarbeiter ergriff Franz Wiedemann das Wort: "Eine Ära geht zu Ende, fast so lange wie die von Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt. Aber hier endet es nicht Knall auf Fall und im Zoff, sondern bedingt durch die Rentengesetze und in fröhlicher Runde." Gemeinsam mit den Kolleginnen Marion Neumann, Martina Braun-Moritz, Regina Träger und Martina Knirsch überreichte er einen Gutschein nebst Utensilien für einen Kurzurlaub.
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