In 15 Minuten in der Klinik

MdB Reiner Meier (links) und Chefarzt Dr. Matthias Kalkum in der Notaufnahme. Hier wird ab 2017 kräftig umgebaut und saniert. Bild: tr
Lokales
Tirschenreuth
17.08.2015
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Der Bundestagsabgeordnete Reiner Meier nutzt die Sommerpause und bereitet sich in der Praxis auf die Beratungen zur Krankenhausreform, die im Herbst anstehen, vor. Dazu besuchte er auch das Krankenhaus Tirschenreuth.

Über zwei Stunden dauerte der Rundgang mit Chefarzt Dr. Matthias Kalkum, bei dem sich der MdL sein eigenes Bild von der Situation in einem eher kleinen Haus im ländlichen Raum machte. Führte Meier bisher ausschließlich Gespräche mit Krankenhausvertretern und -verbänden, zum Beispiel in Weiden, wollte er jetzt die Menschen kennenlernen, die die Krankenhäuser mit ihrer täglichen Arbeit am Laufen halten. "Ich möchte genau verstehen, wie ein Haus funktioniert und wie die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter sind. Wie ist der Alltag in der Notaufnahme? Was passiert im OP? Wie ist die Arbeitsbelastung?"

Zufriedener Patient

Antworten auf seine Fragen bekam er vom Pflegepersonal genauso, wie von der Ärzteschaft. Letztendlich war Meier beeindruckt, welch hochwertige Medizin im Tirschenreuther Haus, in dem er schon selbst zufriedener Patient war, Alltag ist. Mit dem Krankenhaus-Strukturgesetz soll vor allem die Situation bei der Pflege verbessert werden. In den nächsten drei Jahren würden 6 000 neue Pflegestellen mit 660 Millionen Euro gefördert.

"Wir werden in Kürze eine Expertenkommission einberufen, die Vorschläge macht, wie wir die Pflege in die Krankenhausvergütung besser einbeziehen können. Das betrifft speziell Behandlungen mit höherem Pflegebedarf, etwa bei Demenz, geistiger Behinderung oder pflegebedürftigen Menschen", sagte er. Von den Ärzten und vom Pflegepersonal wollte er wissen, was aus deren Sicht verbesserungswürdig wäre. Weniger Überstunden und mehr Pflegekräfte war das Resumee der Mitarbeiter. Mit dem demografischen Wandel würden künftig noch viel mehr Pflegekräfte gebraucht. Schließlich ginge es in der Medizin nicht um Produkte, sondern um Menschen, so Meier.

Als hochmodern bezeichnete der MdB sowohl die Ausstattung auch als die Behandlungsmethoden. Wichtig sei für ihn vor allem, dass das zusätzliche Geld tatsächlich bei der Pflege ankomme und nicht irgendwo im Gesamtetat versickere.

Aktuelle Probleme

Er werde Gesundheitsminister Hermann Gröhe an den Koalitionsvertrag erinnern, in dem stehe, "dass wir eine flächendeckende, wohnortnahe, qualifizierte und hochwertige Krankenhausversorgung haben wollen." Selbstverständlich wurden auch aktuelle Probleme angesprochen. Zum Beispiel die Tatsache, dass immer mehr Patienten an Wochenenden vermehrt die Notfallambulanzen der Krankenhäuser in Anspruch nähmen, anstatt den Notarzt zu rufen. Auch Hausärzte würden auf diese Weise umgangen, um einen schnelleren Arzttermin zu bekommen. Für die Krankenhäuser nähme aus diesem Grund der Aufwand zu, sagte Dr. Kalkum.

Außerdem käme das sehr teuer, weil neben dem Arzt immer auch noch Pflegepersonal dafür gebraucht werde. Nachdem man meistens die Vorgeschichte des Patienten nicht kenne, stünde immer eine große Diagnostik bevor. Der Hausarzt hingegen kenne seine Patienten und könne in vielen Fällen mit dem richtigen Medikament helfen.

Dieser hohe Aufwand werde dem Krankenhaus auch oft nicht adäquat vergütet, so Maier. Eine Problematik die stetig zunehme und in der Politik bekannt sei. Dr. Kalkums Wunsch ist es diesbezüglich die Krankenhäuser besser finanziell auszustatten. Das derzeitige Gesundheitswesen bezeichnete der Mediziner als Schlangengrube in der unterschiedliche Interessen- und Lobby-Systeme, die alle ganz gut davon lebten zu jammern, und immer nur nach mehr Geld fragten. Geld sei aber in der Medizin nur die halbe Miete. Genauso wichtig sei es, eine solide und vernünftige Versorgung auch in der Fläche, die Sinn macht, zu erhalten und nicht wie es jetzt sei, überall Häppchen zu verteilen.

In dem Zusammenhang erklärte Meier, dass es zahlreiche Kliniken im Speckgürtel großer Unikliniken gäbe, die eigentlich nicht gebraucht würden, weil die Uni gerade mal zehn Kilometer entfernt sei. Hier müsse Umdenken stattfinden. Betroffene Häuser könne man hervorragend, zum Beispiel, in Pflegeheime umwidmen.

Für die Oberpfälzer Kliniken sieht er es für wichtig an, die jetzige Struktur zumindest zu erhalten. Kliniken in der Fläche werden nie kostendeckend arbeiten können, müssen aber erhalten bleiben um die ländliche Versorgung zu gewährleisten.

Zuschlag nicht halbieren

Deshalb fordert er den Sicherstellungszuschlag abermals nicht zu halbieren, sondern in der Weise fortzuschreiben, dass man die Häuser unterstützt, die notwendig sind, aber niemals in der Lage sein werden eine schwarze Null zu schreiben. Werde er halbiert, würde das negative Auswirkungen auf die Oberpfälzer Kliniklandschaft haben. Für Reiner Meier steht fest: "Eine Klinik muss in 15 Minuten erreichbar sein."

Noch recht gut funktioniere der Notarztbereich, sagte Dr. Kalkum, der sich sicher ist, dass da in der Zukunft Schwierigkeiten zu erwarten wären. Es habe gegeben und gebe sie vereinzelt noch, Standorte die vom Engagement Einzelner gelebt hätten. Diese Leute kämen langsam ins Alter und wollten nicht mehr jede Nacht raus und in Autowracks herumkriechen. Sie seien künftig nicht ersetzbar. "Da kommt nichts nach, da muss gegengesteuert werden."
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