Interdisziplinären Beckenbodenzentrum soll in Weiden entstehen
Aus sozialer Isolation holen

Alle Fragen rund um Blasenschwäche und Inkontinenz, aber auch sonstige urologische Probleme beantworten am Montag, 10. November, (von links) Dr. Gert Steinwender, Dr. Stephan Königsberger und Professor Dr. Thomas Bschleipfer. Bild: bz
Lokales
Tirschenreuth
04.11.2014
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Die Krankheit ist im Grunde so alt wie die Menschheit. Und genauso lange wird sie meist totgeschwiegen: Inkontinenz ist immer noch ein Tabuthema. Aus Scham. Dabei könnte 85 Prozent der Betroffenen geholfen werden.

Professor Dr. Thomas Bschleipfer wählt einen drastischen Vergleich: "Blasenschwäche bringt uns nicht um, aber sie raubt uns das Leben." Der Chefarzt für Urologie am Klinikum Weiden hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Er will ein interdisziplinären Beckenbodenzentrum in der Region aufbauen und damit eine Versorgungslücke schließen.

"Die ist vor allem im ländlichen Raum groß", wissen Dr. Stephan Königsberger und Dr. Gert Steinwender von der Überörtlichen Urologischen Gemeinschaftspraxis Weiden-Tirschenreuth. Sie suchen deshalb eine enge Verzahnung mit dem Klinikum. "Mit Professor Dr. Bschleipfer haben wir eine ausgewiesene Kapazität auf dem Gebiet, jetzt gehen wir es gemeinsam an." So ein Beckenbodenzentrum vernetzt nicht nur unterschiedliche medizinische Fachbereiche wie Urologie, Gynäkologie, Proktologie oder Radiologie und Physiotherapie, es übt vor allem auch den Schulterschluss mit den Hausärzten und Urologen draußen in den Praxen. "Wir reden miteinander, tauschen uns aus", sagt Dr. Bschleipfer.

"Erster Ansprechpartner ist zunächst die Praxis", vertraut der Privatdozent Diagnostik und Therapie. "Da muss nix doppelt gemacht werden", verspricht sich der Mediziner in der intensiven Kooperation eine schnelle und zielgerichtete Versorgung der Patienten, wenn eine weitere Abklärung oder Behandlung im Klinikum notwendig werden sollte. "Ganzheitliche Diagnostik und individuelle Therapiekonzepte können helfen, den Patienten ein Stück Lebensqualität zurückzugeben."

Viele, die an unwillkürlichem Harnverlust leiden, meinen, das ist halt im Alter so, damit muss man sich abfinden. "Muss man nicht", sagen die drei Mediziner. Auch wenn sich Blasenschwäche zur Volkskrankheit entwickelt hat: Es ist keine typische Krankheit des Alters und schon gleich gar nicht der Frauen. "Männer sind gleichermaßen betroffen." Und die Dunkelziffer ist riesig. "Weil sich viele nicht einmal ihrer Familie anvertrauen."

Die drei Urologen wollen die Erkrankten aus der sozialen Isolation holen. "Wer schon mal mit eingenässter Hose an der Supermarkt-Kasse stand, traut sich nicht einmal mehr zum nachmittäglichen Kaffeeplausch, fühlt sich nicht mehr gesellschaftsfähig," weiß Dr. Bschleipfer. Scham ist also die größte Hürde bei der Bekämpfung der Inkontinenz.

Bei Frauen sind oft ein schwacher Beckenboden und damit die Absenkung von Blase oder Gebärmutter dafür verantwortlich, dass beim Niesen, Husten oder Lachen "etwas mit abgeht". Bei Männern können Vergrößerungen der Prostata zum urplötzlichen Wasserlassen führen.

Fast allen kann geholfen werden. Sei es durch hoch wirksame Medikamente, schonende, weil minimalinvasive Operationen oder gymnastische Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. "Nur trauen müssen sich Betroffene halt."
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