Jahr für Jahr schrumpft Einwohnerzahl im Landkreis um rund 500 Bewohner
Bürgerschwund geht weiter

Grafik: nt/az
Lokales
Tirschenreuth
25.09.2014
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Das Wunder der Bevölkerungsvermehrung passiert einfach nicht. Die Einwohnerzahlen im Landkreis schwinden zuverlässig um rund 500 Bürger - Jahr für Jahr. Wenn es so weitergeht, sind es bis 2030 nur noch 65 000 Einwohner.

Jammern hilft nichts, die Tatsachen zu ignorieren aber auch nicht: Zum Jahresende 2013 lebten nur noch 73 457 Frauen, Männer und Kinder im Kreisgebiet. Dieses neue Tief ergibt sich nach einem Rückgang um 227 Personen im Halbjahr. Diese Zahlen verbreitet das Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung in seiner jüngsten Mitteilung ans Landratsamt.

Kreisstadt unter 9000

Von der 10 000-Einwohner-Marke, an der die Kreisstadt noch vor 20 Jahren gekratzt hat, ist Tirschenreuth weit entfernt. Erstmals sank die Zahl jetzt sogar unter 9000 Bürger. Genau 8992 Leute waren zum Jahresende hier noch mit Hauptwohnsitz registriert, 81 weniger als sechs Monate vorher. Fast ebenso empfindlich trifft der jüngste Rückgang Mitterteich: 54 Bürger weniger lassen den Einwohnerstand auf 6715 schmelzen. Nur knapp darüber liegt Waldsassen. Mit einem Rückgang um 37 auf 6729 Personen ist die Klosterstadt aber wieder die "Nummer zwei" im Landkreis. Kemnath als viertgrößte Stadt hat sogar einige Einwohner gewonnen, während Erbendorf Federn lassen musste.

Die jüngste Statistik besagt aber auch, dass von 26 Landkreis-Gemeinden immerhin 8 zugelegt haben. Den größten nominellen Zuwachs mit je 18 Einwohnern verzeichneten Wiesau und Plößberg, 17 Leute mehr sind es in Neusorg, 15 in Reuth und 12 in Immenreuth. Positiv fiel die Zählung diesmal außer in Kemnath noch in Neualbenreuth und Mähring aus.

6600 Leute in 20 Jahren

Betrachtet man die vergangenen 20 Jahre, ist der Landkreis Tirschenreuth um rund 6600 Personen geschrumpft. Den größten Aderlass mussten die ehemaligen Porzellan-Standorte Waldsassen, Tirschenreuth und Mitterteich hinnehmen. Jeweils zwischen 1100 und 800 Bürger weniger als 1993 leben heute in diesen Städten.

Einige Orte mit Plus

Einige Orte präsentieren sich über zwei Jahrzehnte hinweg aber auch vergleichsweise stabil. Waldershof zählt laut Statistik heute nur 16 Köpfe weniger, Reuth 29, Immenreuth 40, Konnersreuth 45, Kulmain 56. Und auch die beiden kleinsten Gemeinden des Landkreises warten mit Bevölkerungszahlen fast wie 1993 auf: Leonberg hat demnach 28 Einwohner verloren, Falkenberg sogar nur 4.

Bevölkerungsreicher geworden sind zwei Orte im Landkreis: Kastl hat in 20 Jahren exakt 39 Bürger dazugewonnen, Kemnath 107. Aber das spielt bei den großen Verlusten vor allem im östlichen Landkreis kaum eine Rolle. Allein Bärnau büßte über 500 Einwohner ein. Auf ein Wunder zu hoffen, das die Wende bringt, wäre da sehr blauäugig. Experten wie Professor Lothar Koppers, der mit seinem Waldsassener Institut "Agira" auch für das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises verantwortlich zeichnet, predigt es seit Jahren: Die Entwicklung ist nicht mehr umzudrehen. Sein Rat: Politiker und Bevölkerung sollten sich den Auswirkungen stellen und versuchen, infrastrukturell für die Zukunft das Beste daraus zu machen.
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