"Judenlocken" und Turbane

Großkampftag an der "Einkleidefront". Neben Antje Adamson sorgten Heidi Höller (links) und Schneiderin Helga Pentner (Zweite von rechts) dafür, dass Jesus alias Stefan Malzer (Zweiter von links), Maria alias Sandra Zech (Mitte) und Pontius Pilatus alias Florian Winklmüller (rechts) historisch korrekt aussehen. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
05.03.2015
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Damit eine aufwendige Theateraufführung wie die Passion reibungslos über die Bühne geht, werden viele Helfer im Hintergrund gebraucht. Eine davon ist Antje Adamson, die seit Anbeginn für die Gewänder verantwortlich ist.

Geboren ist die diplomierte Kostümbildnerin und bekennende Hannoveranerin in Stuttgart. "Die sechs Jahre im Ländle fallen kaum ins Gewicht", sagt sie. Kostümdesign studierte sie in den 1980er Jahren in Hamburg. Während des Studiums war sie Kostümmalerin an der Hamburger Oper. "Da habe ich wirklich sehr viel gelernt." Dass sie in dem renommierten Haus arbeiten durfte, dafür war Freund Zufall verantwortlich. Eine Freundin war dort beschäftigt und meinte: "Da ist eine Stelle frei, wir brauchen dich da. Reines Glück eben."

Anschließend sah sich Antje Adamson nach einer Assistentenstelle um. An der Oper in Bonn fand sie diese 1985. Zu der Zeit beendete sie auch ihr Studium. "Bei der Diplomarbeit ging es darum, sich ein Stück auszusuchen, in meinem Fall ,Die Liebe zu den drei Orangen'. Man sucht dann für jede Figur, die darin vorkommt, die Kostüme aus, zeichnet sie und schreibt dazu die Philosophie, die man der Arbeit zugrunde gelegt hat.

Feste Anstellung

Das Glück blieb Antje Adamson als Berufsanfängerin treu. 1990 bekam sie am Landestheater Niederbayern in Passau eine Stelle als fest angestellte Kostümbildnerin. "Solche Stellen gibt es eigentlich gar nicht. Kostümbildnerinnen arbeiten normalerweise immer frei. Da ist es dann günstig, wenn man Regisseure oder Intendanten zum Freundeskreis zählen darf. So kommt man an Aufträge und kann davon leben."

Dass sie dennoch eine Anstellung bekam, lag daran, dass die dortige Kostümbildnerin für lange Zeit ausfiel. Regisseur Thomas Günther, den Adamson aus ihrer Bonner Zeit kannte, engagierte sie für die Operette "Der Vogelhändler". "Allen gefiel meine Arbeit und ich durfte zwei weitere Stücke ausstatten. Danach bekam ich einen Vertrag und arbeitete dort fünf Jahre." Ab 1997 setzte Antje Adamson andere Prioritäten. Von da an ging es darum, Sohn Nikolas für die große Bühne des Lebens auszustatten.

Seither arbeitet sie, wie die meisten ihrer Kollegen (es gibt auch viele Männer in dem Job), ebenfalls ausschließlich freiberuflich. In Passau lernte sie auch Johannes Reitmeier kennen, von dem sie sagt, er habe immer die besten Ideen. Die beiden sind im Laufe der Jahre ein Team geworden. "Ich bin da, wo er auch ist, ob in Kaiserslautern, Innsbruck oder Tirschenreuth", sagt sie über die Zusammenarbeit mit dem Intendanten des Landestheaters Tirol.

Etwa 50 Stücke hat sie unter seiner Federführung ausgestattet. "Manchmal gibt er mich auch einem anderen Regisseur an die Hand, aber der Job kommt immer von ihm." So kam Antje Adamson auch 1997 zur Tirschenreuther Passion. Damals hat sie sich mit der Passauer Gewandmeisterin Heidi Höller tagelang im Fundus eingeschlossen. "Wir haben wirklich alles auf den Kopf gestellt und geschaut, was zur Passion passen könnte. Was wir nicht gefunden haben, haben wir gemacht. Die komplette Schneiderei war damit beschäftigt, Turbane am Fließband herzustellen. Die sowie Gürtel und Schließen hat die Stadt Tirschenreuth gleich im ersten Jahr gekauft, der Rest ging wieder zurück."

Bei der zweiten Passion war Antje Adamson in Passau und Kaiserslautern engagiert und wohnte in Hannover. In beiden Theatern hat sie die Kostüme zusammengetragen und zu ihr nach Hause transportieren lassen. In ihrem großen Keller hat sie die Ausstattung in mehreren Wochen zusammengestellt. Diese Kostüme wurden dann von der Stadt angekauft. Im Moment umfasst der Fundus etwa 150 Stück.

Wenn die Schauspieler im Minutentakt zur Einkleidung kommen, wie am vergangenen Wochenende, haben Adamson, Heidi Höller und Helga Pentner alle Hände voll zu tun. "Vergesst nicht, wir müssen noch jede Menge ,Judenlocken' basteln, weil die ständig kaputtgehen", erinnert Adamson ihre Mitstreiterinnen, bevor es darum, geht Jesus und Co. ins rechte Outfit zu stecken. Für die Maske der Schauspieler zeichnen Christine und Winfried Weig verantwortlich, für die Frisuren Hedwig Berner. Und zwei die überall zu finden sind und organisieren sind die Regie-Assistenten Gaby Saller und Manfred Grüssner.
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