Kein Kaiserwetter für den Kaiser

Autor Andreas Schwohnke (Mitte) in Begleitung von Herausgeber Christian Malzer (links) und Verleger Eckhard Bodner (rechts) signiert für Bürgermeister Franz Stahl das erste Buch. Bild: ubb
Lokales
Tirschenreuth
19.11.2014
51
0

Man nennt ihn den Großen. Vielleicht war er sogar der Größte. Jedenfalls war Karl V. der mächtigste Herrscher. In seinem Reich ging die Sonne nicht unter, so heißt es. 1547 weilte er im Tirschenreuther Schloss.

Als der Sohn von Philip dem Schönen am 2. April 1547 in Tirschenreuth einzog, soll es nach alten Überlieferungen geregnet haben. Das und noch mehr über blaues Blut in der Kreisstadt erfuhren die Gäste bei der Buchvorstellung "Kaiser Karl V. in der Oberpfalz".

Der Herrscher kam natürlich nicht alleine ins Stiftland. Der bedeutendste Kaiser Deutschlands hatte 1547 etliche Könige, Herzoge, Botschafter, Bischöfe und weitere hohe Herren mitgebracht. Für die Tirschenreuther hieß das, Bett und Tisch mit mindestens soviel Gefolge teilen zu müssen wie es Einwohner gab.

Eine regelrechte Wandererlawine sei in das kleine "hässliche Städtchen" (ein italienischer Chronist) eingefallen. Wenigstens waren die hohen Herren zahlungskräftig, so dass der Besuch zu einem Wirtschaftsboom für Tirschenreuth geführt haben soll.

Was für ein Superstar-Aufkommen im mittelalterlichen Tirschenreuth! Einziges Manko: Bis Dienstagabend wusste niemand etwas davon. Selbst Bürgermeister Franz Stahl musste bei der Begrüßung der Gäste in der Bücherei Ahnungslosigkeit eingestehen. Nun aber ist die Lücke im Geschichtsbuch geschlossen.

Andreas Schwohnke, Jungautor aus Reuth bei Erbendorf, fand im Jahr 2009 in Aufzeichnungen eine Beschreibung von Kaiser Karls Aufenthalt in Tirschenreuth. Die Notiz ließ dem Hobby-Geschichtsforscher keine Ruhe. Seine Recherchen per Internet führten ihn bis nach Italien, Frankreich, Spanien und Österreich - mit erstaunlichen Erkenntnissen: In diesem Jahr jährt sich zum 467. Mal der mehrtägige Aufenthalt des Habsburgers im Schloss Tirschenreuth. Dort traf sich Karl V. mit seinem Bruder, dem römischen König Ferdinand, und Herzog Moritz von Sachsen. Grund war der Schmalkaldische Krieg, der bis dahin größte Krieg zwischen den Protestanten und den Katholiken.

Herausgeber Christian Malzer, Vorsitzender der Regionalgruppe Otnant, berichtete, dass man dem Jungautor gerne bei der Veröffentlichung seiner Arbeit geholfen habe. Bürgermeister Franz Stahl zog den Hut vor den Historikern, die in akribischer Kleinarbeit Heimatgeschichte aufdecken.

Mit ein wenig Lampenfieber erläuterte Andreas Schwohnke dann sein erstes Buch und dessen Hintergründe. Danach stellte er sich den Fragen der Gäste, unter ihnen die Bürgermeister aus Reuth, Werner Prucker, und Krummennaab, Uli Roth. Zum Beispiel wurde - freilich mit Humor - ausdiskutiert, ob der Kaiser Nachwuchs in der Kreisstadt hinterlassen habe. Christian Malzer lud die Diskussionsteilnehmer lachend dazu ein, auch in dieser Richtung nachzuforschen, wo sich die blaublütigen Nachfahren aus Tirschenreuth versteckt hielten.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.