Kein Riss bleibt unentdeckt

Aus vielen Gemeinden waren Interessierte gekommen, um sich anzuhören, was Kim Gebauer (Fünfter von links) zu sagen hatte. Der Vertriebsleiter der Firma "Eagle Eye Technologies" erläuterte die Maßnahmen zur Straßenbewertung in der Kreisstadt. Bild: axs
Lokales
Tirschenreuth
24.09.2014
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Eine orange Eisenkonstruktion auf dem Dach, moderne Kameras und Sensoren an den Seiten: Dieser Mercedes Sprinter ist kein alltäglicher Anblick. Bis Ende der Woche ist das Fahrzeug unterwegs, um ein Straßenkataster der Kreisstadt anzufertigen.

Für eine Kommune ist es wichtig, im Blick zu behalten, in welchem Zustand sich Straßen und Wege im Gemeindegebiet befinden. So können Investitionen sinnvoll und frühzeitig getätigt werden. Um jetzt einen detaillierten Plan erstellen zu können, hat die Stadt eine Spezialfirma aus Berlin beauftragt. Die "Eagle Eye Technologie" wird in den kommenden Tagen eine Menge an Daten und Tausende Fotos sammeln. Ziel ist es, den Straßenzustand zu ermitteln.

Millimetergenau

Dabei wird die Strecke einerseits bewertet und gleichzeitig bis auf den Millimeter genau vermessen. Der digitale Straßenbestandsplan, der auf diese Weise erstellt wird, kann dann als aussagekräftige Grundlage für künftige Sanierungsentscheidungen im Stadtrat herangezogen werden.

"Die Kameras lösen alle fünf Meter aus und nehmen dann jeweils zehn Bilder auf", erklärt Kim Gebauer, der Vertriebsleiter der "Eagle Eye". Auf Grundlage dieser Bilder wird dann ein Netzmodell errechnet, auf dem sämtliche Risse und Wellen im Belag zu sehen sind. Zusätzlich liefert die Berliner Firma noch Vorschläge zur Schadensprävention und Instandsetzung der befahrenen Strecke. In Tirschenreuth sind das etwa 80 Kilometer.

"Hierbei handelt es sich immer um Investitionen in die Zukunft", sagt Gebauer. Denn wenn man immer nur die kaputteste Straße reparieren würde, blieben andere Projekte, bei deren frühzeitiger Sanierung man viel Geld sparen könnte, auf der Strecke. Das soll die umfangreiche Bestandsaufnahme verhindern.

Datenschutz gewahrt

Im Stadtgebiet Tirschenreuth wird der Kleintransporter mit den Kameras wahrscheinlich bis Donnerstag seine Runden drehen. "Dabei werden natürlich auch Menschen und Kennzeichen fotografiert", räumt Gebauer ein. Doch jegliche Sorge um den Datenschutz sei unbegründet. Denn im Gegensatz zu anderen Anbietern wie "Google Street View" würden die Daten nur an die Kommune weitergeleitet, die sie anschließend ebenfalls nicht veröffentliche. Gebauer betont: "Wir haben keinerlei Interesse und Verwendung für solche Daten."

Der stellvertretende Bürgermeister Peter Gold ist erleichtert, dass das Fahrzeug öffentlich präsentiert wird: "Die Sorge um den Datenschutz besteht natürlich immer. So kann man der Bevölkerung gleich eine Erklärung liefern."

Die Kosten für die Erfassung der Daten aller Straßen der Gemeinde liegen bei circa 60 000 Euro. "Darüber wurde auch diskutiert", berichtet Gold, aber man habe sich schließlich im Stadtrat überzeugen lassen.

60 000 Euro Kosten

In fünf bis sieben Jahren, wenn eine zweite Befahrung empfohlen wird, sinken auch die Kosten. Dann liegen bereits Daten des Gebietes vor, lediglich der Zustand der Straßen wird erneut geprüft.
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