Keine Mahlzeit während der Malzeit

Gestalten die neue Kunstausstellung im MQ,von links: Tom Brankovic sowie Stefanie und Hans-Georg Schulze. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
13.07.2015
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Einmal mehr ist das Museumsquartier (MQ) zum Kunstquartier geworden. Stefanie und Hans-Georg Schulze und Tom Brankovic zeigen im Alois-Hörmann-Saal "Begreifliches und Unbegreifliches".

Ob etwas Kunst ist oder nicht, ist schwer zu beurteilen und ein Thema, über das sich Experten streiten. Einfacher hat es der Kunstliebhaber. Er geht hin, betrachtet sich die Ausstellungsgegenstände und entscheidet, was ihm gefällt, was weniger oder was gar nicht. Berührt ihn ein Werk in irgendeiner Weise, wird er es auch als Kunst begreifen. Womit wir beim Thema der neuen Sonderausstellung im MQ sind. Zwei "alte Hasen" und eine Debütantin teilen sich den Sonderausstellungsraum und zeigen Kunst, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Zwei gute Freunde, Tom Brankovic und Hans-Georg Schulze, sowie dessen Tochter Stefanie präsentieren "Begreifliches und Unbegreifliches".

Frei im Raum platziert

Wären da nicht die entsprechenden Hinweisschilder, wären zumindest die Skulpturen von Hans-Georg Schulze, die frei im Raum platziert sind, im Wortsinn begreiflich. Unbegreiflich hingegen ist das Spannungsfeld, das sich durch die unterschiedliche Arbeitsweise der drei Künstler aufgebaut hat. Der Besucher wird vieles begreifen, was ihm die Präsentation bietet, anderes vielleicht gar nicht. Die verschiedenen Richtungen und Techniken korrespondieren nicht unbedingt auf den ersten Blick miteinander. Der Betrachter ist gefordert, die Gemeinsamkeiten herauszufiltern, um die Werke auf eine Kommunikationsebene zu bringen.

Einmal mehr ist das Museumsquartier (MQ) zum Kunstquartier geworden. Stefanie und Hans-Georg Schulze und Tom Brankovic zeigen im Alois-Hörmann-Saal "Begreifliches und Unbegreifliches". Bilder: Norbert Grüner

Gelingt das nicht, auch kein Problem. Isoliert voneinander betrachtet, lassen sich auch drei verschiedene Ausstellungen im Raum erkennen. Die offensichtliche Gemeinsamkeit der drei unterschiedlichen Arbeiten liegt im Aufbau der Präsentation. Ob die surrealistischen Bilder des Tom Brankovic oder die abstrakten der Stefanie Schulz, die Skulpturen des Hans-Georg Schulze harmonieren mit den Bildern an der Wand, dass sie durchaus als Bindeglied für den perfekten Dreiklang, der dabei entstanden ist, gesehen werden können. Nichts wirkt überladen bei dieser sicher nicht zufälligen Komposition. Alleine schon das ist sehenswert und kommt als eigene riesige Collage aus zwei- und dreidimensionalen Objekten herüber. Einen weiteren Aspekt in der Aufzählung der Unbegreiflichkeiten stellte Bürgermeister Franz Stahl heraus. Er sprach von einer oftmals unbegreiflichen Qualität, die hier, in künstlerischer Hinsicht, immer wieder erstaune.

Tolles Forum

Stefanie Schulze stellte die Arbeiten aus Sicht der Künstler vor. Die Gastausstellerin und jüngstes Mitglied im Kunstverein Tirschenreuth (KVT) dankte der Stadt für das tolle Forum im MQ. Dass Kunst verbinde, zeige sich eindrucksvoll an der Anzahl der Besucher (zur Eröffnung waren etwa 100 gekommen), sagte Schulze, die ihre Werke das erste Mal in der Öffentlichkeit zeigt. Sie schätze an der Kunst vor allem, dass man seinen Geist darin völlig frei ausleben und sich selbst ausdrücken könne. Selbst sei sie relativ neu in der Szene und habe ihre Werke bisher immer in der Küche gefertigt. Dabei passiere es schon mal, dass die Malzeit vergessen mache, dass eigentlich zur Stunde die Mahlzeit an der Reihe wäre.

Die surrealistischen Acrylmalereien des Tom Brankovic lebten vor allem von ihrer Detailtreue, erklärte die Sprecherin. Von ihrem Vater wusste sie, dass er erst mit 63 Jahren, nach dem aktiven Berufsleben, zur Kunst kam. Dafür sei er oftmals intensiv und voller Hingabe bei der Sache und es könne durchaus passieren, dass er vor lauter Tatendrang alles um sich herum vergesse. Sein Schaffensschwerpunkt läge in der Gestaltung skurriler Figuren aus Keramik und Bronze.

Zwei Schwerpunkte

Für den KVT stellte Irmtraud Schicker die Protagonisten vor. Die Figuren von Hans-Georg Schulze wären immer eine Diskussion wert. Tom Brankovic habe bei seiner Arbeit zwei Schwerpunkte, nämlich das religiös- spirituelle Schaffen und, wie bei dieser Ausstellung zu sehen, das surrealistische. Seine "Seelenbilder" riefen bei jedem Betrachter Stimmungen hervor.

Für die entsprechende musikalische Begreiflichkeit sorgten bei der Vernissage Wolfgang Charanza und Marshall Kean mit jazziger Barmusik.

Die Ausstellung ist noch bis 23. August, Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr, geöffnet.
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