Kirche und Gesellschaft leben auch 50 Jahre nach dem Vatikanischen Konzil in Zeiten des Umbruchs
Sturmwind der Erneuerung

Lokales
Tirschenreuth
02.12.2015
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Die Stefanusfreunde mit Obmann Arnold Scharnagl an der Spitze trafen sich im Missionshaus St. Peter, wo Pater Präses Martin Neuhauser als geistlichen Beirat über "50 Jahre nach dem Konzil - sterben die Orden aus?" sprach. Grundsätzlich zeigten Orden die Vielfalt und den Glaubensimpuls und die Lebendigkeit der Kirche. Weltweit zähle man heute 175 Orden päpstlichen und 242 bischöflichen Rechts. Weibliche Orden seien es 1423 mit päpstlichem und 1550 mit bischöflichem Recht.

In Deutschland zähle man 104 Männer- und 332 Frauenorden. Die Ordenspriester hätten sich auf etwas über 3000 reduziert, vor 50 Jahren waren es noch um die 10 000. Und von den 90 000 Ordensschwestern von 1966 seien heute gerade einmal noch 17 000 übrig.

Pater Neuhauser kam auf das Konzil und den damit verbundenen kirchlichen Umbruch zu sprechen. Dabei wird die Erneuerung des Ordenslebens in einem eigenen Dekret behandelt, das eine zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens verlange und die menschliche Reife und die Würde und Freiheit der Person als Vorbedingung für das Ordensleben betone.

In unserer Zeit geht ein Sturmwind der Erneuerung über die Welt und folglich auch über die Kirche. Man habe von Aufbruch gesprochen, ohne zu wissen, in welche Richtung es gehen solle. Die Ordensleute wurden vom Konzil aufgerufen, neue Formen des Lebens zu suchen. "Es war gleichsam eine Erneuerung von oben, die nach unten hin erst mühsam eingeholt werden musste." Das Konzil habe aber auch in Gemeinden, Verbänden und Ordensgemeinschaften Unruhe gebracht. "Es brodelte erheblich."

Ein umfassender, tiefgreifender kultureller Umbruch folgte mit Auswirkungen auch auf das bisherige Welt- und Menschenbild. Es seien Spannungen zwischen Kirche und gesellschaftlichen Kräften entstanden. Keine Ordensgemeinschaft sei von den Wandlungen verschont geblieben. Eine nahezu glaubenslose Gesellschaft erwarte von den Ordensleuten mehr Mystik als Ethik. Ordensleute müssten eine Einheit zwischen persönlicher Berufung und der Berufung des Ordens geben und die Berufung müsse bezeugt und gelebt werden. Ordensmitglieder sollten verstärkt auch in die pastoralen Dienste eingesetzt werden, um in Deutschland Präsenz zu zeigen und die Kirche zu stärken.
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