Krippen ohne Fröhlichkeit

Obwohl viele Kreuzwegszenen die Mitte und den Hintergrund beherrschen, ist das zentrale Thema dieser Krippenlandschaft von Heinrich Brunner der Einzug in Jerusalem im Vordergrund.
Lokales
Tirschenreuth
19.03.2015
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Passionskrippen zeigen das Leben und Sterben Jesu Christi im Miniaturformat. Zuhause sind sie eigentlich im Alpenraum. Doch auch bei uns gibt es sie vereinzelt. Erstmals präsentieren die Tirschenreuther Krippenfreunde ihre Schätze im Museumsquartier.

"Die Krippenfreunde haben einmal mehr eine äußerst interessante Präsentation im Alois-Hörmann-Saal aufgebaut", lobte Bürgermeister Franz Stahl bei der Eröffnung das Gemeinschaftswerks. 75 Ehrengäste hatten sich eingefunden, um sich hier für die Premiere der fünften Tirschenreuther Passion auf der Bühne im Kettelerhaus einzustimmen.

Hervorragende Arbeit

Angesichts dieser Vielzahl von Gästen war es kein leichtes Unterfangen, die Kleinode hinter Glas in aller Ruhe zu betrachten. Stahl lobte Franz Krapf als handwerklich geistigen Vater der Ausstellung. Mit seinen Vitrinenverkleidungen habe er, wie gewohnt, eine hervorragende Arbeit abgeliefert. "Das ist wahre Volkskunst, hinter der sehr viel Arbeit steckt", sagte Stahl.

Der Vorsitzende der Krippenfreunde, Hans Lindner, erklärte, dass der Verein stolz darauf sei, mit der Präsentation quasi die gespielte Passion einleiten zu dürfen. Stille oder ernste Fastenkrippen würden Passionskrippen auch genannt. Sie erzählten vom Leben und Sterben Jesu Christi, deckten das Geschehen um den Menschensohn von Palmsonntag bis Ostermontag, vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung ab. Angesichts des Ernstes der Darstellungen fehle ihnen die Fröhlichkeit, die ihren Schwestern, den Weihnachtskrippen, innewohne.

Letztere kenne jeder, besonders in Tirschenreuth. Passionskrippen seien seltener und auch schwieriger zu gestalten. "Sie vertragen die Fröhlichkeit der Weihnachtskrippen nicht." Deshalb sei es nicht leicht für die Schnitzer, Krippenbauer und Maler, das Leiden des Herrn darzustellen. Im Gegensatz zu den Weihnachtskrippen gäbe es außerdem einen eher begrenzten Kreis von Betrachtern. Diese Art der Krippendarstellung habe hierzulande keine Tradition, sei eher im Alpenraum angesiedelt.

Aber nachdem in den Reihen der Tirschenreuther Schnitzer einige Mitglieder Passionskrippen besäßen, sei es nahe gelegen, parallel zur fünften Tirschenreuther Passion, die diesmal mit dem Prädikat Deutschlandpassion ausgezeichnet ist, diese Kunstwerke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit diesem Gedanken seien die Krippenfreunde im vergangenen Jahr beim Bürgermeister vorstellig geworden und sofort auf Begeisterung gestoßen. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil Franz Stahl selbst ein Krippenfreund ist und seine eigene Weihnachts-Landschaftskrippe jährlich ausbaut.

Lohnsitzer Passion

Manche der Aussteller, wie zum Beispiel der Friedenfelser Krippenbaumeister Heinrich Brunner, hätten das Hauptkriterium auf die Landschaft gelegt und die Figuren zugekauft. Schnitzer, wie zum Beispiel Robert Scharnagl, Hans Schiedeck oder Gerald Röckl, hätten hingegen filigrane Kunstwerke geschaffen. Richard Böhm habe sich als Schnitzer und Maler eingebracht und zeigt im MQ seine "Lohnsitzer Passion". In der Passionskrippe der Familie Leonhard Kühn sind 23 Szenen mit etwa 70 Figuren, geschnitzt vom Pilsener Bildhauer Jaroslav Sekyra, aufgebaut. Über zwei Jahrzehnte wurde die Krippe immer wieder erweitert.

Ergänzt und abgerundet werden die Krippendarstellungen mit diversen sakralen Kunstwerken, Gegenständen oder Bildern, die Mitglieder und Leihgeber zur Verfügung gestellt haben.
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