Kunst scheibchenweise

Kerstin Rumswinkel (hinten , Zweite von links) und ihre "Stoinla-Moidla" vor ihrem Gemeinschaftswerk. Bilder: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
11.12.2015
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Aus Tiffany-Glas, venezianischen Smalti-Glassteinchen, Kieselsteinen und Perlmuttknöpfen entstanden das "Waldnaabtal", die "Zoiglbrotzeit" und "Kreuzung".

Mit "Mosaik - die Magie der winzigen Steine" ist die neue Sonderausstellung im Museumsquartier (MQ) überschrieben. Ein treffender Titel für zauberhaft schöne, wie auch zerbrechliche Objekte. Verantwortlich dafür ist Kerstin Rumswinkel.

Hubertus ist ein Karpfen, der riesige Gecko, der sich im Alois-Hörmann-Saal in den Vordergrund drängt, heißt Hugo. "Der freut sich ganz besonders, dass er nicht, wie noch gestern im kalten Garten ausharren muss, sondern hier die Wärme genießen kann", sagt die Künstlerin bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im Museumsquartier (MQ). Auf dem Klavier liegt noch eines dieser Reptilien, wie es sie in Spanien zuhauf gibt. Fünf Jahre lang lebte Kerstin Rumswinkel, die Schöpferin dieser Kreaturen, mit ihrer Familie in Barcelona. Dort ist sie das erste Mal mit der Kunst des Mosaikens in Berührung gekommen. Ihr großes Vorbild war damals und ist heute Antoni Gaudi, der im Park Guell eine riesige Skulptur, ebenfalls einen Gecko, geschaffen hat. Heute gehört Rumswinkel längst zu denen, die über das Kunsthandwerk hinaus zur wahren Kunst gefunden haben. Freilich geht es beim Mosaiken immer darum, Steinchen an Steinchen zu legen und damit ein Muster, eine Figur oder eine komplexe Szene zu schaffen.

Perfekte Harmonie

Das ist bei ihr nicht anders. Von den vielen anderen, die sich dieser Technik widmen unterscheidet sie sich dadurch, dass sie unterschiedlichste Materialien verwendet und in einem Werk zur perfekten Harmonie verschmelzen lässt. Und dass sie dreidimensionale Gegenstände schafft. Bestes Beispiel dafür ist bei der Präsentation im MQ die Zoigl-Brotzeit.

Auf einem Porzellanteller hat sie typische Speisen, wie sie in der Zoigl-Wirtschaft auf der Speisenkarte stehen, täuschend echt drapiert. Auch den beliebten Gerstensaft hat sie im Glas täuschend echt nachempfunden. "Vom Verzehr rate ich eindringlich ab. Bier, Brotscheibe und der Presssackabschnitt sind aus Styropor, garniert mit scharfkantigen Tiffany-Glas-Scheibchen." Ihre Technik hat sie so perfektioniert, dass sie regelrechte Gemälde mosaikt. Dafür benutzt sie das bereits erwähnte Tiffany-Glas, venezianische Smalti-Glas-steinchen, Kieselsteine und Perlmuttknöpfe. Auch interessante Wurzeln, die sie irgendwo gefunden hat, verarbeitet sie in ihren Werken.

Die dienen dann gleichzeitig als Grundlage für dreidimensionale Schöpfungen. Die bayerischen Farben sind weiß und blau. Demzufolge mag die Ausstellung so manchem Besucher eher spanisch vorkommen. Denn angelehnt an die ehemalige Wahlheimat sind dann doch auffallend oft die spanischen Nationalfarben Rot und Gelb vertreten.

Inspiriert vom Umfeld

Klar, dass die Künstlerin in ihren Anfängen von ihrer Umgebung in Spanien inspiriert war. Deshalb auch der Gecko, der sich immer wieder findet. Und auch das Konterfei von Salvador Dali auf einer Kachel ist wohl, vielleicht sogar unbewusst, auf diese Weise entstanden. Auch Michael Jackson und andere Berühmtheiten haben ihre eigene Kachel. Dass die Erlangerin längst in Bayern zurück ist, zeigen dann auch ihre neuesten Werke. Und da ist nicht nur die bereits erwähnte Zoiglbrotzeit gemeint. "Waldnaabtal" oder "Fischwanderung in Bärnau" sprechen da ebenso eine deutliche Sprache und versprühen durchaus oberpfälzischen Esprit.

Aus ihrer Technik macht Kerstin Rumswinkel kein Geheimnis und weiht bei Kursen bei ihr zu Hause jeden ein, der sich damit ausprobieren will. Zusammen mit 14 Teilnehmern hat sie ein Gemeinschaftswerk verwirklicht, dass sie mit Bürgermeister Franz Stahl bei der Ausstellungseröffnung enthüllte. Bis dato wussten die Schöpfer selbst nicht, wie das Werk aussehen würde.

Keine Vorgaben

Für das Projekt hatte es keine Vorgabe gegeben. Die Aufgabe bestand darin, eine Kachel ansprechend zu belegen. Jeder Teilnehmer hat sich ein Motiv überlegt, die Farben ausgesucht und losgelegt. Damit niemand "spicken" konnte, hatte Rumswinkel die Arbeitsplätze mit Stellwänden abgegrenzt. Das so entstandene zusammengefügte Puzzle ist bei der Ausstellung zu sehen.

An dem Gemeinschaftswerk waren neben der Künstlerin selbst folgende "Stoindl-Moidla" und "Stoindl-Mannla" beteiligt: Katrin Koller, Marina Konrad, Kerstin Popp, Kathrin Schramm, Petra Andraschko, Ilse Bäuml, Carola Richtmann, Nils und Kerstin Rumswinkel, Maria Völkl, Andrea Hecht, Nicole Baldenweg-Bauer, Kathrin Zölch, Claudia Bäuml und Ursula Kemeny.

Die Ausstellungseröffnung zu der etwa 120 Kunstinteressierte aus der Region gekommen sind, garniert Eva Korn von der Kreismusikschule passend mit spanischen Gitarrenklängen. "Mosaik - die Magie der winzigen Steine", ist noch bis zum 24. Januar 2016, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.
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