Kurze Wege zwischen Nachbarn

Es gibt so gut wie keine Zeitverzögerungen.
Lokales
Tirschenreuth
11.08.2015
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Smartphones und Handys wählen sich in Grenznähe in tschechische Mobilfunknetze ein, wenn deren Signale stärker sind als die deutscher Netzbetreiber. Was aber geschieht, wenn dort ein Notruf abgesetzt wird?

Der kommt dann ebenfalls in Tschechien an - bei einer der Leitstellen im Nachbarland. Passiert ist das jetzt einer Frau, die bei Hatzenreuth in der Nähe von Waldsassen unterwegs war und einen Flächenbrand melden wollte. Als sie die Feuerwehr über Notruf alarmieren wollte, war am anderen Ende der Verbindung eben ein Mitarbeiter der für die Region zuständigen Leitstelle - in Karlsbad. Und der sprach tschechisch.

Wegen der vermeintlichen Verständigungsprobleme legte die Frau aus dem Stiftland auf. Bei einem weiteren Versuch meldete sich wieder der tschechisch sprechende Mann. Worauf die Frau aufgab und die Einsatzkräfte auf einem anderem Weg verständigte: In Hatzenreuth gelangte sie an einen Festnetzanschluss. Wenig später konnte Hilfe vor Ort eintreffen.

Die Verwunderung und Irritation, wenn sich in einer solchen besonderen Situation am anderen Ende jemand in fremder Sprache meldet, kann Feuerwehr-Kommandant Tobias Tippmann gut verstehen. "Aber sobald die 112 gewählt wird, landen Anrufer auch in Tschechien bei der Rettungsleitstelle", beruhigt Tippmann. Und rät dringend dazu, in Notfällen der Sprachkompetenz der Nachbarn zu vertrauen. Es brauche niemand aufzulegen und zeitraubend Alternativen suchen.

"Viele sprechen ohnehin deutsch", weiß Tippmann von den Mitarbeitern in tschechischen Leitstellen. Und selbst wenn gerade niemand verfügbar wäre, der die Sprache des Nachbarn versteht, könnten über ein internes Netzwerk der tschechischen Rettungsleitstellen deutschsprachige Disponenten ermittelt werden. Sie könnten dann, egal wo sie sich in Tschechien befinden, sich auf das Gespräch schalten und weitere Schritte veranlassen. Im konkreten Fall hätte diese bedeutet, dass die Waldsassener Wehr über Tschechien alarmiert worden wäre: Die Karlsbader Leitstelle hätte Weiden telefonisch verständigt; von dort aus wären die Waldsassener informiert worden.

Schneller als übers Festnetz

"Das sind die kurzen Wege", freut sich Kommandant Tippmann über die grenzüberschreitende Kooperation. "Es gibt so gut wie keine Zeitverzögerungen." Retter und Helfer könnten auf diese Weise immer noch schneller alarmiert werden, als wenn die Notfälle über einen Festnetzanschluss gemeldet werden - zumal der oftmals erst einmal gefunden werden müsste.
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