Läufer haben sich verlaufen

Die Startnummer 30 ist symbolisch für Wolfgang Rahm. Er hat den Tirschenreuther Volksmarathon erfunden und zusammen mit der Wasserwacht etabliert. An allen Veranstaltungen war er als Sportler und Mitorganisator dabei. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
10.07.2015
1
0

Wolfgang Rahm wollte den Tirschenreuther Volkstriathlon am Wochenende in seiner Altersklasse unbedingt gewinnen. Mit 58:59 Minuten ist ihm das gelungen. Seit 30 Jahren gibt es das Spektakel, 30 Mal nahm Rahm daran teil.

Wolfgang Rahm ist nicht nur Teilnehmer am Tirschenreuther Volkstriathlon. Er ist auch "der Vater" der Veranstaltung. 1985 absolvierte er seinen ersten Triathlon in Weißenstadt bei Hof. Spontan kam ihm der Gedanke: "Das wäre doch auch was in Tirschenreuth.!"

Dort war (und ist er immer noch) Mitglied der Wasserwacht. Seine Idee fiel bei den Verantwortlichen sofort auf fruchtbaren Boden. Der Triathlon löste das Volksschwimmen ab, das jedes Jahr am Rothenbürger Weiher abgehalten wurde. Beim ersten Triathlon starteten etwa 25 Teilnehmer, heuer waren es 97. Der Zuwachs sei auch der Möglichkeit geschuldet, dass seit 2010 Staffeln starten dürfen.

"Überall gleich schlecht"

Dabei teilen sich die Sportler die drei Disziplinen. Der eine schwimmt die 500 Meter, der nächste fährt 14 Kilometer mit dem Rad und der Schlussmann absolviert die vier Kilometer lange Laufstrecke.

"Eigentlich bin ich überall gleich schlecht", stellt Rahm sein sportliches Licht unter den Scheffel. Er meint damit, dass er in jeder Disziplin jeweils im oberen Leistungslevel seiner jeweiligen Altersklasse mitmischt. Die Altersklasse hat er im Griff und ging dabei schon oft als Sieger hervor. Seine beste Gesamtplatzierung erarbeitete er sich 1997, als er mit dem 5. Platz schnellster Tirschenreuther war. Den gleichen Titel verbuchte damals bei den Damen seine Ehefrau Iris für sich. In den Anfangsjahren brauchte Rahm etwa 48 Minuten für die komplette Aufgabe, jetzt sind es gut zehn Minuten mehr.

Nach 30 Jahren Tirschenreuther Volkstriathlon erinnert er sich neben sportlichen Erfolgen auch an manch lustige und nicht so lustige Episode. So passierte es einmal, dass ein Teilnehmer der festen Meinung war, die Fahrräder für den Wettbewerb würden gestellt. Er schnappte sich nach dem Schwimmen das Nächstbeste und radelte davon. Der Besitzer des Bikes staunte nicht schlecht, als er aus dem Wasser kam und sein Rad nicht mehr fand. Einige "Spaßvögel" hatten einmal die Orientierungsschilder im Wald versetzt, so dass sich mehrere Läufer buchstäblich verliefen.

Heiße und kalte Tage

Der am vergangenen Wochenende und der 15. Triathlon waren die temperaturmäßig heißesten weiß Rahm, der akribisch Buch führt. Es gab aber auch "eiskalte" Tage, an denen den Sportlern alles abverlangt wurde. Einer davon war 1990. Beim 5. Triathlon betrug die Wassertemperatur 15 Grad Celsius. Damals beteiligten sich 18 Sportler, darunter eine Frau. Ein männlicher Teilnehmer gab nach dem Schwimmen im kalten Wasser auf, die 17 anderen kamen ins Ziel. 2011 brachte es die Lufttemperatur gerade mal auf 15 Grad Celsius, das Wasser hatte 18 Grad.

In den ersten Jahren gab es noch getrennte Umkleidekabinen für Damen und Herren in der Wechselzone "Schwimmen/Radfahren". Auch das ist Geschichte, denn heutzutage gehe es mit nassen Klamotten auf die Radstrecke. Gleich geblieben sei die Zeitmessung. Die erfolgt von Anfang an mit der Stoppuhr durch Helga und Werner Dittrich vom Skiclub. Seit dem zehnten Triathlon erhält jeder Finisher ein T-Shirt. Wolfgang Rahm hat in seiner Sportlerkarriere etwa 80 Triathlons erfolgreich beendet. Darunter auch olympische mit 1500 Meter Schwimmen, 42 Kilometer mit dem Rad und 10 Kilometer Laufen. Seit 1979 bewältigt der Polizeibeamte alle zwei Jahre diese Strecke bei den Bayerischen Polizeimeisterschaften. Im Mai feierte Rahm seinen 60. Geburtstag. Am Ende des Jahres hängt er seine Polizeiuniform an den Nagel und geht nach mehr als 44 Jahren im Staatsdienst in Pension. Er beendet seinen Dienst übrigens am gleichen Platz, an dem er 1971 als Lehrling bei der Bahn begann.

Mit Bahnhof verwurzelt

Bevor er zur Polizei ging, war er Fahrdienstleiter bei der Bahn. Gelernt hat er damals beim letzten Tirschenreuther Bahnhofsvorsteher Franz Sommer. Seit Anfang des Jahres steht das neue Polizeigebäude auf dem ehemaligen Bahnhofsareal. Mit ihm ist Wolfgang Rahm beruflich dorthin zurückgekehrt.

Im Ruhestand hat er noch mehr Zeit für sein liebstes Steckenpferd, den Ausdauersport. Auf große Siege kommt es ihm nicht mehr so sehr an. Dem Tirschenreuther Triathlon wird er aber treu bleiben, solange es geht.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.