Landkreis kann sich Werbegag für Nachtbus-Linie vorstellen - Jetzt sollen die jungen Leute ...
Flippig, witzig und ein bisschen skurril

Eine neue Identifikationsfigur für den öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis soll "Der mim Board" werden. Illustration: C3 Marketingagentur
Lokales
Tirschenreuth
23.09.2014
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Die Frage sollte eigentlich lange vor einer feucht-fröhlichen Runde geklärt sein: "Wer foard?" "Der mim Board", könnte die Antwort bald im Landkreis Tirschenreuth lauten. Die von der Marketing-Agentur "C3" vorgestellte Idee fand jedenfalls im Kreisausschuss reichlich Beifall.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Toni Dutz. Der CSU-Fraktionssprecher hatte sich in der Juni-Sitzung an der englischen Bezeichnung "Nightliner" gestoßen. Mit so einem nächtlichen Bus-Angebot will der Landkreis vor allem junge Leute davon abhalten, sich nach der Disco oder Party alkoholisiert ans Steuer zu setzen.

Extrem uncool

Über einen gängigen Slogan machte sich dann das "C3"-Team Gedanken, das für das Mobilitätskonzept des Landkreises bereits aus Bus und Taxi die Kurzform "Baxi" gebastelt hat. "Busfahren ist bei den jungen Leuten extrem uncool", berichtete Christian Reisnecker. Freilich wusste auch er, dass sein Vorschlag zunächst absurd klingt. "Aber ich bin mir sicher, dass wir das Angebot schnell bei der Zielgruppe bekanntmachen."

Der Marketing-Mann stellte sich ein Werbekonzept vor, das von flippigen Info-Flyern über Gewinnspiele bis hin zu "Boarding"-Schildern an den Haltestellen Platz für jede Menge Ideen freihält. Selbst an Spucktüten mit der Aufschrift "Party-Brecher" war da gedacht.

Der Kreisausschuss war durchaus angetan von den Vorschlägen. Landrat Wolfgang Lippert hatte sich im Vorfeld der Sitzung schon mal umgehört. "Die Reaktionen reichen von genial bis zur totalen Ablehnung." Deshalb schlug Lippert vor, doch via Facebook die abstimmen zu lassen, die damit auch fahren sollen, eben junge Leute. Das fand wiederum Toni Dutz genial, der von einem pfiffigen Konzept sprach. "Flippig" war es für Hans Klupp von den Freien Wählern.

Brigitte Scharf (SPD) konnte sich auch für die "Klasse-Idee" erwärmen, hielt aber fest, "dass ein Schnauzer kein Bart ist". Werner Nickl (CSU) fand den Oberpfälzer-Dialekt als Marke für ein Bus-Angebot ausgesprochen witzig. "Also ich hätte den Mut, sofort zu entscheiden."

Dass der Kreisausschuss die Möglichkeiten von Facebook erkennt und auch nutzt, freute wiederum Dr. Benjamin Zeitler (Zukunft Tirschenreuth). Denn zuvor hatten die Kollegen seinen Antrag mehrheitlich abgelehnt, doch eine eigene Facebook-Seite des Landkreises einzurichten. Zeitler versprach sich damit einen "deutlichen Servicegewinn für die Bürger", wenn sie über diese Plattform nicht nur wichtige Beschlüsse, Termine und Warnhinweise erhielten, sondern sich auch direkt mit Anfragen, Beschwerden und Kritik an den Landkreis wenden könnten.

Der Landrat wollte sich neuen Kommunikationsmitteln nicht verschließen, aber erst einmal die Homepage abwarten, die eben erneuert wird. Außerdem müsste auch Facebook täglich gewartet werden. Stefan Kleber, Leiter der EDV-Abteilung im Landratsamt, ging auf den personellen Aspekt ein. "Facebook wäre ein zweiter Web-Auftritt des Landkreises. Wer den verwaltet, der muss direkt beim Landrat angesiedelt sein. Schließlich ist das dann das Sprachrohr des Landkreises."

Datenlieferanten

Zudem führte Kleber noch eine juristische Seite ins Feld, nachdem der bayerische Datenschutz-Beauftragte die Meinung vertritt, dass Behörden nichts auf Facebook verloren hätten. "Das ist eine Daten-Krake und wir würden viele Daten liefern."

Während der Landrat und die Fraktionen erst die Fertigstellung der Homepage abwarten und dann das Thema neu aufgreifen wollten, sah Benjamin Zeitler keine Probleme. Und Mario Rabenbauer (CSU) fand es "schade, dass die Hürden so hoch sind". Schließlich sei selbst die Bundesagentur für Arbeit auf Facebook.
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