Landkreis verwundert über Mietkosten für Gründerzentrum Waldsassen
Ausgaben im Auge

Als Bauträger des Gründerzentrums Waldsassen erhält die Kewog jährlich ein schönes Sümmchen Miete. Jetzt haben einige Kreisräte nachgerechnet und wollen vorzeitig aus dem noch gut acht Jahre laufenden Vertrag aussteigen. Bild: Grüner
Lokales
Tirschenreuth
25.11.2014
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Eigenes Häusle oder Miete? Die Frage stellen sich nicht nur junge Familien. Das Gründerzentrum Waldsassen ist vor 17 Jahren in einen Kewog-Bau eingezogen. Jetzt wundert sich der Landkreis als Hauptgesellschafter über die Mietkosten.

Es war Ende der 90er Jahre: Die Arbeitslosigkeit hoch, die Gründer-Euphorie noch höher. Schließlich sollte Jungunternehmern in entsprechenden Zentren durch Synergie-Effekte, kostengünstige Räume und fachliche Beratung und Betreuung über die schwierigen ersten Jahre geholfen werden. Eine nachhaltige Stärkung der klein- und mittelständischen Basis versprach sich damals nicht nur der Landkreis. Also wurde eine "Gründerzentrums-Waldsassen GmbH & Co. Betriebs KG" gegründet, die zu 75 Prozent vom Landkreis, der Stadt Waldsassen und den Sparkassen Waldsassen, Tirschenreuth und Kemnath getragen wurde. Weitere Kommanditisten waren die Raiffeisenbank Waldsassen, die Schmidt-Bank Hof und die Industrie- und Handelskammer.

Weil die Nutzung des Werks A der Porzellanfabrik Bareuther in Waldsassen an Kostengründen scheiterte, wurden an der Konnersreuther Straße auf einem freien Gelände die notwendigen Räumlichkeiten geschaffen. Das Angebot umfasste 1800 Quadratmeter modernst ausgestattete Produktions- und Büroflächen, einen Dienstleistungstrakt von 220 Quadratmetern sowie einen Hallenbereich. 2,8 Millionen kostete das, wozu die Bayerische Staatsregierung 1,2 Millionen beisteuerte. D-Mark übrigens damals noch.

Als Bauträger fungierte die Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft, die anfangs auch die Geschäftsführung stellte. Im Jahre 2003 dann wurden das Gründerzentrum Waldsassen und die Wirtschaftsförderung des Landkreises zusammengefasst. Aktive Wirtschaftspolitik und Stärkung des heimischen Unternehmertums versprachen sich die Akteure damit.

Hauptgesellschafter ist seither mit 76,05 Prozent der Landkreis, der sich auch verpflichtet hat, etwaige Defizite auszugleichen. Und das sind für das Jahr 2013 immerhin knapp über 168 000 Euro. Zwar deutlich weniger als die prognostizierten 224 000 Euro, aber angesichts des angesagten Sparzwangs doch auch ein Grund für die Kreisräte, sich die Ausgabenseite näher anzuschauen.

Und da stieß in der jüngsten Kreisausschuss-Sitzung unter anderem ein Mietpreis von jährlich gut 79 000 Euro auf, dem andererseits auch Einnahmen von derzeit über 40 000 Euro gegengerechnet werden müssen. Das ist immer abhängig von der Auslastung. Und die ist mit aktuell gut 60 Prozent ausgezeichnet in Nordbayern. Das Gründerzentrum Grafenwöhr zum Beispiel steht zu 80 Prozent leer.

Weil aber der 1997 geschlossene Mietvertrag erst in acht Jahren ausläuft, wollen die Kreisräte jetzt Möglichkeiten zum vorzeitigen Ausstieg erörtern. Dann aber in nichtöffentlicher Sitzung.
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