Landrat Wolfgang Lippert macht seinem Unverständnis über Oberpfalz-Film in Brief an ...
Zoiglbeitrag reißt es nicht mehr raus

Lokales
Tirschenreuth
10.01.2015
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"Eine Gegend geprägt von Wind und kalten Temperaturen - das ist die Oberpfalz. Na bravo! Da konnte auch der Zoiglbeitrag im Film nichts mehr retten." Landrat Wolfgang Lippert ist nicht nur angesäuert, sondern stinksauer. Mit deutlichen Worten reagiert er in einem Brief an den BR-Intendanten auf die umstrittene Sendung "Schöne Oberpfalz".

"Ein Bärendienst"

"Mit diesem Film wurde unserer Region ein Bärendienst erwiesen", sieht Lippert die Bestrebungen konterkariert, Tirschenreuth als lebens- und liebenswerten Landkreis darzubieten. Seine Beschwerde ist direkt an Ulrich Wilhelm adressiert. Der Münchner, gelernter Journalist und Jurist, ist seit vier Jahren Intendant des Bayerischen Rundfunks.

Viele Firmen investierten Millionen und täten dies nicht, wenn sie im Landkreis keine Zukunft sehen würden, argumentiert der Landrat in seiner Beschwerde. Ministerien und Regierung täten viel, um die Lebensbedingungen in Bayern anzugleichen. "Eigentlich sind wir auf einem aufsteigenden Ast. Doch leider ist dies bei Dr. Michael Zehetmair, dem Redakteur des Films ,Schöne Oberpfalz im Norden' - gesendet am Neujahrstag - noch nicht angekommen." Der Landrat bestreitet nicht die Probleme der Region, vor allem in demografischer Hinsicht. Wenn sich die Lage auch allmählich stabilisiere, verliere der Landkreis dennoch etwa 500 Einwohner pro Jahr. "Es ist die große Herausforderung, mit den unmittelbaren Folgen fertig zu werden, aber auch weitsichtig dem prognostizierten Bevölkerungsschwund durch gezielte Maßnahmen entgegenzuwirken."

Zunehmend gelinge das dem Landkreis mit seinen innovativen Kommunen und einer aktiven Bürgerschaft. "25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehren Lebensfreude, das sich Identifizieren mit dem Landkreis und Selbstbewusstsein zurück." Lippert verweist auf die Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft, die Arbeitslosenzahlen auf niedrigem Niveau, den Anstieg der Umlagekraft und der Zahl der Sozialversicherungspflichtigen. Der Oberpfalz-Film sei auch handwerklich kein Meisterstück, moniert der Landrat "wild hin und her springende Beiträge", die mit den angegebenen Orten nicht übereinstimmten oder falsch wiedergegeben seien wie Falkenstein statt Falkenberg. Der Inhalt sei einseitig und tendenziell, gebe ein völlig falsches Bild der Region wieder:

"Der Film ist geprägt von einer Melancholie, einer Anhäufung von Adjektiven wie schlicht, einfach und immer wieder einsam. Eine prosperierende Industrie, Innovation, Handwerkerkunst auf höchstem Niveau, eine wunderschöne Landschaft mit Infrastruktur, die sich geradezu anbietet zum Wandern, Radfahren, Erholen, wird totgeschwiegen. Aber Erdäpfel, schlichte Kapellen und Kriegerdenkmäler nehmen breiten Raum ein", ärgert sich Lippert.

Intendant eingeladen

"Ich lade Sie gerne einmal ein, zu uns zu kommen, um sich ein wahres Bild des Landkreises zu machen", wendet sich der Landrat abschließend direkt an Intendant Ulrich Wilhelm.
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