Lesen nicht mehr zum Nulltarif

"Das war überfällig", beurteilt die Tirschenreuther Büchereileiterin Cornelia Kolzenburg die moderate Gebührenerhöhung. Bild: as
Lokales
Tirschenreuth
26.12.2014
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Zwar müssen viele Kommunen sparen, wo es geht. Aber das übertreiben sie bei den Büchereien nicht. Lesen auf Leihbasis bleibt im Stiftland auch nach Gebührensteigerungen ein erschwingliches Vergnügen.

Wochenlang gab es in Weiden heftige Diskussionen, wie das Defizit der Regionalbibliothek ("Regi") zu verringern ist. Nun steht eine saftige Erhöhung bevor: Die Basis-Jahreskarte verteuert sich für einen Erwachsenen von 15 auf 30 Euro, die Premium-Card kostet bald 50 Euro.

Mit über 120 000 Büchern, Hörbüchern, DVDs, CDs und Zeitschriften gehört die "Regi" zu den großen Bibliotheken, gern genutzt auch von vielen Siftländern. Doch gibt es in der näheren Umgebung ein stattliches Basisangebot. Die Leihgebühren allerdings steigen fast überall.

Ganz umsonst ist derzeit noch die Ausleihe in der Stadtbücherei Mitterteich. "Aber nicht mehr lange", schränkt Leiterin Viola Rieß ein. Seit dem Anschluss an das E-Book-Verbundsystem "enio", dem von Bad Abbach bis Waldsassen zwölf Kommunen beigetreten sind, geht es nicht mehr ohne Gebühren. "Wahrscheinlich wird der Stadtrat im Frühjahr darüber beraten", sagt Rieß. Im Gespräch ist eine Größenordnung von etwa 12 Euro Familienbeitrag.

"Die meisten sagen, es ist richtig, etwas zu verlangen", hat die Büchereileiterin festgestellt. Viele treue Leser schätzen das Angebot von etwa 16 000 Medien vor Ort. Besonders die Nachfrage nach elektronischen Büchern, die seit Mitte des Jahres auch in Mitterteich erhältlich sind, steigt - nicht nur bei jungen Leuten.

Derzeit noch keine E-Bücher sind in der Tirschenreuther Bücherei vorrätig. "Der Beitritt zum Verbund ist zwar geplant, aber noch ist nichts spruchreif", teilt Leiterin Cornelia Kolzenburg mit. Zunächst einmal tritt zum Jahresbeginn eine neue Gebührenordnung in Kraft: Statt 6 Euro zahlen Benutzer ab 2015 für die Familienkarte 10 Euro, Kinder und Jugendliche weiterhin 3 Euro im Jahr. "Diese Anpassung war überfällig", findet die Bücherei-Chefin, die seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr etliche Uralt-Bände ausgemustert hat: "Die waren teilweise von 1949."

Mit rund 23 000 Medien bleibt die Tirschenreuther Bibliothek dennoch die größte im Landkreis. Auf Verständnis hofft Kolzenburg nicht nur für die höhere Basisgebühr, sondern auch für die Versäumniszulage. Pro überzogener Woche und Medium sind in Tirschenreuth jetzt schon 50 Cent fällig. Das will man im neuen Jahr rigoroser handhaben: "Schließlich verlängert sich die Grundausleihzeit bei Büchern auch von drei auf vier Wochen."

Waldsassen hat sowohl den Beitritt zum elektronischen "Onleihe"-System als auch die Gebührenerhöhung schon hinter sich. Hier stieg der Beitrag für Erwachsene von 10 auf 13 Euro, die Familienkarte kostet 16 Euro. "Das war eigentlich kein Problem", berichtet Beatrix Rustler von der Stadtverwaltung über die Reaktionen der Kunden. Immerhin stehen in der Klosterstadt gut 20 000 Medien bereit.

Aber auch die kleineren Büchereien im Stiftland haben ihre Fans. So wird in Plößberg vor allem der Bestand an Kinder- und Jugendbüchern gepflegt - ehrenamtlich von der Frauenunion. "Da gibt es hauptsächlich Lektüre für Grundschulkinder, ansonsten ein paar von den Eltern spendierte Romane", berichtet Birgit Weininger von der Marktverwaltung. "Leihgebühren verlangen wir nicht, und das soll auch so bleiben."

In Wiesau ist die Bücherei mit 11 000 Medien im Rathaus ebenfalls in ehrenamtlicher Hand. Auf der Grundlage der früheren Pfarrbücherei hat Edeltraud Konz das Angebot ausgebaut, unterstützt von ihren Töchtern Anette Philipp und Margot Konz sowie sechs weitern Helfern. Die Jahresgebühren bleiben in Wiesau bei familienfreundlichen 6 Euro, Kinder zahlen die Hälfte.

Den Luxus einer kostenlosen Bücherei kann sich Friedenfels nicht länger leisten. Auf Drängen der Regierung hat der Gemeinderat eine Lesegebühr beschlossen. 12 Euro kostet die Familienkarte ab 2015, Erwachsene zahlen 6 Euro. Die gute Nachricht: Kinder und Jugendliche lesen weiter zum Nulltarif.
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