Licht ins Dunkel des Todes bringen

Mit viel Leidenschaft, aber dennoch immer auf sehr sachlicher und besonnener Basis berichtete Dr. Erwin Brucker seinem Publikum, warum er ein Buch über Nahtoderlebnisse geschrieben hat. Bild: ubb
Lokales
Tirschenreuth
22.11.2015
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Kann der Geist außerhalb des menschlichen Körpers eigene Entscheidungen treffen? Eine spannende Frage, die Dr. Erwin Brucker am Freitag mit dem "Leben nach dem Tod" zu klären versuchte.

Schon immer hat sich Dr. Erwin Brucker mit dem Phänomen der Nahtoderlebnisse interessiert. Als ihm dann ein Patient davon erzählte, schrieb der gebürtige Tirschenreuther ein Buch. Es weckte aber nicht nur wegen dieser einen Frage viel Interesse bei immerhin über 70 Zuhörern, die aufmerksam lauschten.

Nun hatte der in Plattling tätige Arzt für Psychiatrie und Neurologie zwar selbst noch kein Nahtoderlebnis. Und auch mit Esoterik hat das, was er mit seinem 111-seitigen Erstlingswerk sagen möchte, nichts zu tun. Vielmehr geht es dem 57-jährigen Fachmann darum, der Wahrheit über Nahtoderlebnisse auf die Spur zu kommen. Wichtig ist ihm dabei, die Religionen einzubeziehen. Bruckner möchte ein Zeichen setzen gegen den Jugendwahn und der damit verbundenen Verdrängung der Themen Tod und Sterben.

"Ich habe mich deshalb auch nicht nur mit dem Christentum, sondern mit allen Religionen beschäftigt", betont er und berichtet, dass er sogar bei seinen Recherchen über Nahtoderlebnisse auf Berichte gestoßen sei weit vor der Zeit der Religionsgründungen. Bruckner selbst muss für sich die Frage nach der Echtheit dieses menschlichen Phänomens nicht klären. Er ist überzeugt: Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht mehr wegzuleugnen sind.

Ein eindeutiger Beweis ist für ihn die Geschichte von Herrn K. Dieser, so Brucker, sei bei einer Darmspiegelung gestorben. "Und dann hat er über eine Woche lang sich selbst neben sich erlebt!" Verblüfft über diese Aussage ist nicht nur der Autor. Herr K. habe ihm über seine Rückkehr zum Leben wortwörtlich erzählt, was die Ärzte und die Krankenschwestern an seinem Krankenbett gesprochen hätten. Er wusste sogar, dass der OP-Arzt ihn im "Sonntagsanzug" operiert habe, um keine Zeit zu verlieren.

Wer auch immer Brucker von Nahtoderlebnissen erzählt, stets gehören ähnliche oder gleiche Elemente zu diesen Berichten. Dabei spielt zum Beispiel der Tunnel ins Licht eine wichtige Rolle. Und immer sähen sich die Menschen während der Phase zwischen Leben und Tod schwebend über ihren Körpern, die sie aber nicht verlassen, so Brucker.

Besagter Herr K. habe dann entschieden, dass er noch eine Weltreise machen müsste und sei deshalb wieder zurück ins Leben. Ein anderer Patient habe seine Frau und seine Kinder gut versorgt gesehen, so dass er gehen wollte. "Doch dann erlebte er den Schmerz und die Trauer seiner Familie, also eine Zukunftsvision, und ist wieder in seinen Körper zurückgekehrt." Eine dritte Frau sei an einen Zaun gestoßen, den sie nicht habe überqueren können. Dahinter sei eine winkende Gestalt gestanden. Fazit für den Buchautoren: Der Geist könne auch ohne den menschlichen Körper Entscheidungen über Leben und Tod treffen.

Nicht alles, was Brucker in seinem Buch aufarbeitet, konnte in der Lesung im Pfarrzentrum ausführlich besprochen werden. Doch wie bei seinen ersten Buchvorstellungen in Deggendorf und in Grafenwöhr hatte der besonnene Facharzt auch in Tirschenreuth ein aufmerksames und hochinteressiertes Publikum. Schließlich ist die Frage nach dem "Licht im Tunnel" ein existenzielles menschliches Bedürfnis. Wer keine Zeit hatte für die Lesung oder sich für das Buch interessiert: Erschienen ist es im Verlag "Deutsche Literaturgesellschaft", erhältlich für 11,80 Euro in der Buchhandlung Rode.
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