Lieber zweimal als gar nicht

Lokales
Tirschenreuth
21.09.2015
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Jeder fängt mal klein an - auch die Damen und Herren in den Chef-Etagen waren einst Auszubildende, die aufgeregt ihrem ersten Arbeitstag entgegen sahen. Heute sind sie an Erfahrung reicher und geben Tipps für eine erfüllte Ausbildungszeit.

Wie jedes Jahr machen sich im September viele Auszubildende auf zu ihrer neuen Arbeitsstelle. Für die meisten Absolventen von Mittel-, Realschule oder Gymnasium ist dieser neue Lebensabschnitt zunächst ein Sprung ins Ungewisse. Alte Hasen hingegen sind die Geschäftsführer und Personalleiter, welche die Jugendlichen in Empfang nehmen. Können sie sich noch an ihre ersten Tag als Frischling im Betrieb erinnern? Wir haben Udo Kasseckert, Peter Hamm, Patrick Kutzer und Manfred Rosner nach ihren Erfahrungen befragt.

Die Hamm AG stellte heuer 13 neue Azubis ein, insgesamt beschäftigt der Walzenhersteller rund 50 Auszubildende. Udo Kasseckert, der Personalleiter des Tirschenreuther Unternehmens, begann seine eigene Ausbildung 1984 bei der Heizungsbaufirma Friedmann und erinnert sich: "Es war ein sehr aufregender Tag mit vielen neuen Eindrücken. Ich war natürlich sehr gespannt und wusste nicht, was genau auf mich zukommt. Man versucht, die Umstellung von Schule auf Arbeit irgendwie hinzukriegen." Für die Zeit im Betrieb kann Kasseckert den Ausbildung nur eins mit auf dem Weg geben: "Seid interessiert - geht auf die Leute zu, seid offen, stellt Fragen und hört nie auf, neugierig auf eure Arbeit zu sein. Interesse ist der Schlüssel zu einer guten Ausbildungszeit."

Spaß am Beruf

Auch Peter Hamm, Filialbereichsleiter der Sparkasse, startete seine Karriere als Auszubildender: "Am 1. April 1985 begann ich meine Lehre zum Bankkaufmann in der Tirschenreuther Sparkasse. An meinen ersten Tag dort erinnere ich mich noch sehr gut. Aufgeregt war ich nicht so sehr, da ich bereits einige meiner Kollegen kannte." Vor allem sei sein erster Arbeitstag ein Einführungstag gewesen. "Mir wurde die Gruppe A bis L zugewiesen", erinnert sich Peter Hamm.

Während seiner Ausbildung hat er alle Abteilungen des Betriebs durchlaufen. "Langweilig wurde es mir nie. Etwas mit Kunden entwickeln zu dürfen, macht einfach Spaß", schwärmt Peter Hamm. "Ein Beruf sollte die meiste Zeit Spaß machen. Wenn man Interesse hat, ist das auch meistens der Fall. Genauso wichtig ist es, mit seinen Kollegen gut auszukommen. Ein gutes Arbeitsklima ist nicht zu unterschätzen."

Für die neuen Auszubildenden hat der Filialleiter folgenden Rat: "Bleibt wissbegierig. Viele müssen anfangs lernen, dass es keine Schande ist Fragen zu stellen - im Gegenteil, Fragen vermitteln Interesse. Auch Höflichkeit und ein offener Umgang mit den Kollegen ist wichtig." Man dürfe ruhig selbstbewusst sein und zu seinen Fähigkeiten stehen. "Dennoch sollte man auch ab und zu das annehmen, was einem der Ausbilder sagt", fügt Peter Hamm lachend hinzu.

Teamarbeit

Patrick Kutzer, der Junior-Chef des gleichnamigen Konnersreuther Backhauses, verbindet vor allem freundliche Kollegen und ein herzliches Willkommen mit seinem ersten Tag als Auszubildender bei der Bäckerei Rappl in Fichtelberg. Von seiner Zeit als Azubi nahm der Konnersreuther viele Eindrücke und Erfahrungen mit. Besonders geprägt hat ihn die Teamarbeit. "Anfangs wollte man sich in dem neuen Team behaupten, seinen Platz finden sozusagen. Dabei hab ich gelernt, dass Anpassung sehr wichtig ist."

Seinen eigenen Auszubildenden gibt Kutzer, im Hinblick auf die Teamarbeit, folgenden Rat: "Zuverlässigkeit ist das A und O. Die Vorgesetzten und die Mitarbeiter müssen sich auf einen verlassen können. Da ist es auch zweitrangig, ob man von Beginn an alles schon kann. Wenn man nachfragt und es dann verstanden hat, sollte man allerdings immer sein Bestes geben." Mit den Mitarbeitern in Kontakt zu treten und teamfähig zu sein, das legt auch der Geschäftsführer der Firma Kassecker in Waldsassen, Manfred Rosner, seinen neuen Azubis ans Herz: "Sich gut mit seinen Vorgesetzten zu stellen und ohne Scheuklappen durch den Betrieb zu laufen, ist sehr wichtig für eine angenehme Ausbildungszeit."

Er selbst begann am 3. September 1979 seine Lehre bei der Waldsassener Hoch- und Industriebaufirma, nachdem er seine Entscheidung, Koch zu lernen, nochmals überdacht hatte. "Mein erster Arbeitstag war aufregend. Das legte sich schnell, als ich meine Kollegen kennenlernte", erinnert sich Manfred Rosner. "Erst hab ich ein Jahr im Büro gearbeitet, dann durfte ich auf eine Großbaustelle. Mir wurde schnell klar, dass mir das weitaus mehr gefiel als der Büroalltag."

Auch Manfred Rosner hält es für wichtig, Fragen zu stellen. Deshalb sagt er seinen Azubis auch: "Es gibt keine blöden Fragen, nur dumme Antworten. Lieber zweimal fragen, als gar nicht fragen."
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