Mehr Leben auf den Friedhöfen

Lokales
Tirschenreuth
20.06.2015
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Sie sind Orte der Stille, der Besinnlichkeit - aber in erster Linie der Trauer. Friedhöfe sind daher eher keine Stätten der "guten Gefühle". Einen etwas anderen Standpunkt vertritt der Tirschenreuther Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, Harald Schlöger.

Mit sechs Juroren, darunter Geistliche, Heimatpfleger und Landschaftsarchitekten, hat Harald Schlöger am Mittwoch und Donnerstag für den Wettbewerb "Unser Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur" 14 Gottesäcker im Landkreis begutachtet. Was sich im ersten Moment moralisch fraglich anhöre, habe einen tieferen Sinn, erklärt der Kreisfachberater: "Friedhöfe sind ein Teil unserer Kultur. Im Bestattungswesen hat sich in den letzten Jahren einiges in unserer Gesellschaft verändert. Auch bei uns im katholischen Bayern gibt es einen erheblichen Anstieg an Urnenbegräbnissen. Durch den Wettbewerb wollen wir Konzepte schöner Friedhöfe entdecken."

Ziel sei, den Gemeinden mit weniger schönen Friedhöfen Tipps und Ratschläge mit auf den Weg zu geben, so dass auch sie ihren "Ort der Ruhe" zu einem "Platz mit Aufenthaltsqualität" machen könnten. Moralisch bedenklich sei ein solcher Wettbewerb auf keinen Fall: "Es ist eine gesellschaftliche Frage. Sterben wird in unserer ,Jung-und-fit-Gesellschaft' verdrängt. Früher ist man zu Hause gestorben, da war das ganz normal." Der selbstverständliche Umgang mit dem "Tabuthema" sei verloren gegangen, bedauert Schlöger. "Wenn man sich mit der Thematik ,Friedhof' auseinandersetzt, dann ist der Wettbewerb eine gute Sache." Friedhöfe würden immer benötigt, und das in jedem Ort.

Richtung Mittelpunkt

Zudem sollen sie wieder in den gesellschaftlichen Mittelpunkt rücken, deshalb sei ihre Gestaltung besonders wichtig. "Menschen sollen den Friedhof nicht nur als Durchgangsweg nutzen, sondern sich auch auf eine Bank setzen und die Umgebung auf sich wirken lassen. Wir wollen eine Aufenthaltsqualität schaffen."

Initiiert haben den Wettbewerb der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege sowie die Gartenakademie in Veitshöchheim. "Wir als Landkreis und Kreisverband haben uns da natürlich gleich beteiligt. Es ist eine gute Möglichkeit, vor allem auch für kleine Gemeinden."

Positive Beispiele finden

Das Ziel der Juroren, positive Beispiele einer sinnvollen Gestaltung der Grabstätten zu finden, habe funktioniert, freut sich der Kreisfachberater. "Wir haben so viele gute und inspirierende Beispiele entdeckt, es gab keine negativen Ausreißer." Dennoch betont Schlöger, dass sich wohl auch nur Friedhöfe beworben hätten, die selbst wissen, dass sie eine schöne Anlage haben. Bewerbungen von Gemeinden mit "weniger schönen Friedhöfen" seien erst überhaupt nicht eingegangen. Die Kommission achtete beispielsweise darauf, dass es viele Grünflächen bei der Strukturierung zwischen den Grabflächen gibt. Das mache das Gesamtbild viel schöner, "und man muss nicht auf grauen Kies blicken". Kleine Hecken ermöglichten einen Blick über den Friedhof und ließen so, beispielsweise an Allerheiligen, ein Gemeinschaftsgefühl unter den Trauernden entstehen. Begeistert zeigte sich die Jury unter anderem von dem Gottesacker in Waldershof. Trotz mehrfacher Erweiterung sei es gelungen, die verschiedenen Teile sinn- und würdevoll miteinander zu verbinden.

Auch der Friedhof in Brandt habe inspiriert: "Eine Lindenallee umrahmte dort die Hauptachse zwischen Leichenhaus und Friedhofskreuz." Einen ganz eigenen Charakter strahle die Ruhestätte in Wernersreuth aus - dort dürfen nur Holz- und Metallkreuze aufgestellt werden. "So hatte jeder Friedhof seine Besonderheit. Auffallend war, dass viele örtliche Künstler einen Beitrag geleistet haben. Das bringt einen frischen Wind in die Tradition." Einen Konkurrenzkampf zwischen den Gemeinden habe es nicht gegeben, fasst Schlöger zusammen. "Jeder versucht, entsprechend der Bevölkerung und der Tradition die beste Lösung für sich zu finden, da schaut man weniger auf andere." Konkurrenz sei auch nicht Sinn und Zweck der Veranstaltung gewesen.

Es sei nicht um einen Leistungsvergleich gegangen. Auch die Preise hätten nur einen ideellen Wert. "Die Erstplatzierten bekommen eine Bronzeplakette, die sie am Eingang befestigen können."

Ergebnis am Montag

Am Montag, 22. Juni, gibt die Kommission bekannt, welche Gemeinde den Titel "Schönster Friedhof" bekommt. "Es wird eine schwierige Entscheidung. Jeder hätte es verdient zu gewinnen, es waren sehr gute Konzepte dabei", resümiert Schlöger.
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