Mehrwert für Landkreis schaffen

"Wir wollen keine weiteren Standorte, aber wir wollen durchaus in die Fläche gehen." OTH-Kanzler Ludwig von Stern
Lokales
Tirschenreuth
30.07.2015
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"Und was haben wir im Landkreis davon?" Diese Frage stellt sich oft bei überregionalen Mitgliedschaften. Beispielsweise, wenn es um den Beitrag für den Technologie-Campus der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden geht.

Gelegentlichen Kritikern nahmen zwei Redner im Kreisausschuss jetzt viel Wind aus den Segeln. Kanzler Ludwig von Stern und Dr. Wolfgang Weber, an der OTH für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, nutzten die Sitzung, um die Vorteile der Hochschule und des damit verbundenen Technologie-Campus auch für die nördlichste Region der Oberpfalz herauszustellen.

10 000 Euro im Jahr

Die komplette Mitgliedschaft - in den ersten vier Jahren überwies der Landkreis jeweils 20 000 Euro - wollten die Politiker dann doch nicht streichen. Im aktuellen Haushalt sind noch 10 000 Euro für den Campus vorgesehen. "20 000 Euro sind kein Pappenstiel, auch 10 000 Euro nicht", bedankte sich Ludwig von Stern für die Unterstützung. Das Geld sei als Mitgliedsbeitrag für ein ständiges Forum gut angelegt. Dr. Weber ergänzte, dass auch die Landkreise Neustadt, Amber-Sulzbach sowie die Städte Weiden und Amberg weitere Beiträge zugesagt hätten.

Die beiden OTH-Vertreter zählten eine ganze Palette auf, von der auch Studenten und Firmen aus dem Landkreis Tirschenreuth profitierten - etwa Praktika, Exkursionen, Jobbörsen, Karrieretage. "Wir wollen jungen Leuten Gelegenheit geben, in der Region zu bleiben oder wieder in die Region zu gehen", erinnerte von Stern an die Absicht bei der OTH-Gründung. Zum Beispiel sei die Firma Hamm eng mit der Hochschule verbunden, ein Hörsaal trage sogar ihren Namen.

In vier Jahren sei viel passiert, nannte Wolfgang Weber die Einrichtung des "innovativen Lernortes" bei Siemens in Kemnath als Beispiel. Auch das Klinikum mit vier Standorten im Landkreis gehöre zum engeren Netzwerk, das Kloster Waldsassen und die IGZ Falkenberg. Ein Studiengang Vermessungswesen sei auch in Kooperation mit dem Tirschenreuther Amt für ländliche Entwicklung in Vorbereitung.

Weber nannte als gutes Beispiel einer Existenzgründung durch ehemalige OTH-Studenten die Tirschenreuther Werbeagentur C 3, die inzwischen 25 Mitarbeiter habe. Auch werde man sich im Gründerzentrum Waldsassen engagieren, etwa im Bereich 3-D-Druck, und wolle durch Seminare verstärkt den Mittelstand ansprechen, kündigte der Sprecher an.

"Viel zu bieten"

"Wir haben unheimlich viel zu bieten, aber wir müssen es noch bekannter machen", lautete sein Fazit. Viele Studenten und auch Lehrbeauftragte kämen aus dem Landkreis Tirschenreuth. "Wir tun eine Menge gegen den demografischen Wandel und binden die Jugend an die Region."

Landrat Wolfgang Lippert erinnerte an den geplanten "innovativen Lernort" der OTH an der Berufsschule Wiesau. "Wir sind Bildungsregion und müssen an den Wissenstransfer angeschlossen sein." Auch CSU-Sprecher Toni Dutz sah sich mit dem Technologie-Campus weiterhin in einem Boot. "Aber es müsste noch mehr kommen, was den Landkreis betrifft", mahnte er. SPD-Sprecher Rainer Fischer bekannte, einiges Neue erfahren zu haben auf die Frage, was eigentlich "rüberkommt" durch die Mitgliedschaft. Über Kritik dürfe man sich nicht wunden, wenn aus OTH-Kreisen zu hören sei, man gehe schließlich nicht in jede Ecke: "Das ist nicht sehr schmeichelhaft."

Dr. Wolfgang Weber relativierte diese Aussage: Sie sei auf die Hochschule in Niederbayern gemünzt gewesen, die sehr viele Außenstellen mit ungewisser Zukunft einrichte. Kanzler Ludwig von Stern unterstrich: "Wir wollen keine weiteren Standorte, aber wir wollen durchaus in die Fläche gehen."
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