Mensch gegen Minute

Wienern, wischen, wringen: Viele Gebäudereinigerinnen putzen immer mehr Fläche - ohne mehr Geld. Die Gewerkschaft kämpft gegen das "Turbo-Putzen". Bild: hfz
Lokales
Tirschenreuth
06.11.2015
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Der Kampf gegen die Uhr: Exakt 8,4 Sekunden für das Abstauben der Schreibtischlampe. Für das Komplett-Putzen eines 18-Quadratmeter-Büros hat eine Gebäudereinigerin gerade einmal 2 Minuten und 19 Sekunden Zeit. "Viel zu wenig", sagt die Gebäudereiniger-Gewerkschaft.

Die IG BAU spricht vom "Turbo-Putzen" und kritisiert, dass Reinigungskräfte immer mehr Fläche saubermachen müssen - ohne dafür allerdings auch nur eine Minute mehr Zeit zu bekommen. Nicht nur gegen Staub, Dreck und volle Papierkörbe kämpfen Reinigungskräfte, immer häufiger vor allem gegen die Uhr. Eine aktuelle Herbst-Umfrage unter den Beschäftigten aus dem Kreis Tirschenreuth habe gezeigt: 57 Prozent haben in den letzten zwei Jahren ein größeres Reinigungsrevier zugewiesen bekommen - und das bei gleichbleibender Stundenzahl. Neun von zehn der Befragten hätten angegeben, bei der Arbeit unter großem Zeitdruck zu stehen.

"Das Putz-Tempo nimmt zu. Der Druck auf die Reinigungskräfte ist dabei enorm. Es ist der Kampf ,Mensch gegen Minute'. Im Flur vom Altenheim, im Klassenzimmer, im Büro - das ,Turbo-Putzen' ist überall dort, wo gewischt und gesaugt wird", sagt Gewerkschaftssekretär Karl Toth. Ein Großteil schaffe es gar nicht mehr, die zugeteilten Reinigungsflächen in der vorgegebenen Zeit zu erledigen.

Im Kreis Tirschenreuth arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft derzeit rund 270 Beschäftigte in der Gebäudereinigung. Davon seien jedoch 63 Prozent lediglich Mini-Jobber. Die Gewerkschaft schätzt, dass nur jeder dritte Arbeitsplatz in der heimischen Gebäudereinigung ein Vollzeit-Job ist. "Immer häufiger werden reguläre Arbeitsplätze abgeschafft und durch Teilzeitkräfte oder Mini-Jobber ersetzt." Das Prinzip dahinter sei klar: Je mehr Menschen man beschäftigt, desto mehr Überstunden kann man denen auch aufbrummen."

Die Branchen-Umfrage habe ergeben, dass 28 Prozent der Beschäftigten täglich Überstunden machen müssten. Darüber hinaus rechne gut die Hälfte der befragten Reinigungskräfte damit, immer wieder Mehrarbeit vom Arbeitgeber angewiesen zu bekommen. Als "besonders dreist" wertet der Vorsitzende der Gebäudereiniger-Gewerkschaft im Kreis Tirschenreuth, dass Überstunden in rund 30 Prozent der Fälle nicht einmal bezahlt würden.
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