Menschliche Tragödien berühren

Über die Situation der Flüchtlinge informierte sich die "Zukunft TIR" beim Besuch im Landratsamt. Im Bild (von links): Fraktionssprecher Dr. Benjamin Zeitler, Sozialamtsleiter Wolfgang Jäger, Julia Thoma, Fraktionsgeschäftsführer Marco Vollath und der weitere stv. Landrat Günter Kopp. Bild: privat
Lokales
Tirschenreuth
24.06.2015
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Aus allen Konfliktregionen der Welt kommen die Flüchtlinge auch in den Landkreis. Gerade die Mitarbeiter des Sozialamtes stehen hier vor großen Herausforderungen.

Europa und Deutschland erleben seit zwei Jahren einen enormen Zustrom von Flüchtlingen. Menschen aus allen Konfliktregionen der Welt kommen, um ihr Leben und das Leben ihrer Familien zu retten. Davon ist auch der Landkreis Tirschenreuth betroffen. Deshalb informierte sich die Kreistagsfraktion Zukunft TIR beim Sozialamtsleiter Wolfgang Jäger direkt über die aktuellen Herausforderungen bei der Aufnahme der Flüchtlinge.

Suche nach Unterkünften

Bis vor etwa zwei Jahren gab es im Landkreis Tirschenreuth nur eine große Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Tirschenreuth. Heute bestehen 22 zusätzliche "dezentrale Unterkünfte". Weitere sind bereits in Planung. Das zuständige Sozialamt ist stetig auf der Suche nach geeigneten Unterkünften in allen Gemeinden des Landkreises. Die Unterkünfte müssen gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Dazu gehören auch die Ausstattung mit Möbeln und Gerätschaften wie Herd, Kühlschrank oder Waschmaschine. Auch ein Ansprechpartner vor Ort für die Asylbewerber und das Sozialamt wird vertraglich festgeschrieben.

"Gewehr bei Fuß"

Die Zuweisungen der Asylbewerber durch die Regierung der Oberpfalz an den Landkreis erfolgen sehr kurzfristig. Innerhalb von zwei oder drei Tagen nach der Ankündigung fährt der Bus bereits am Landratsamt vor. Das Sozialamt muss dann "Gewehr bei Fuß" stehen, die Weiterverteilung an die einzelnen Unterkünfte organisieren und alle betroffenen Stellen wie etwa Ärzte, Kindergärten oder Schulen von der Unterbringung unterrichten.

Vor Ort empfangen die Asylsuchenden Vertreter der Wohlfahrtsverbände, der jeweiligen Gemeinde und ehrenamtliche Helfer. So erhalten die Asylsuchenden erste Unterstützung bei den alltäglichen Dingen. "Ohne das Engagement der AWO, der Caritas und der vielen Ehrenamtlichen wären die Aufgaben nicht zu bewältigen", betonte Jäger. "Dafür sind wir und vor allem die ankommenden Menschen sehr dankbar."

Doch die Wohnungssuche ist nur die Basisarbeit. Das Sozialamt ist in der Folge zuständig für alle Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wie beispielsweise für die Sicherstellung des Lebensunterhalts und die Krankenversorgung. Absehbar ist, dass die Flüchtlingsarbeit auch künftig den Alltag von Wolfgang Jäger bestimmen wird.

Bald 500 Flüchtlinge

Waren im Landkreis Anfang des Jahres rund 200 Flüchtlinge, sind es im Juni 2015 schon über 325. Sollte sich die Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bewahrheiten (ca. 450 000 Asylanträge im Jahr 2015 in Deutschland) dürfte die Zahl von 500 Flüchtlingen bis Jahresende erreicht, wenn nicht deutlich überschritten werden.

Die Fraktionsmitglieder der Zukunftsliste zeigten sich sehr beeindruckt von dem Einsatz der Mitarbeiter des Sozialamts. Fraktionsvorsitzender Dr. Benjamin Zeitler unterstrich, dass es sich bei der Aufnahme von Asylsuchenden um eine zutiefst menschliche Angelegenheit handelt. Das Engagement der vielen Ehrenamtlichen belegt, wie sehr auch unsere Bürger diese menschlichen Tragödien berühren.

Nichtsdestotrotz müsse vor allem der Bund endlich agieren, damit die Arbeit vor Ort geleistet werden kann, fordert die Fraktion Zukunft TIR. "Bund und Land müssen außerdem die Kommunen unterstützen, diese Aufgaben personell zu bewältigen", fordert Fraktionssprecher Zeitler.

Abschließend dankten die Fraktionsmitglieder dem Sozialamtsleiter, seinem Team und allen Beteiligten für ihr Engagement. Nur mit diesem Einsatz aller Betroffenen sei diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu meistern, ist sich Fraktionssprecher Zeitler sicher.
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