Mit Mulle im Büßer-Schneefeld

Rüdiger und Diana Fritsch begeisterten im Landratsamt mit ihrem Reisevortrag. Bild: tr
Lokales
Tirschenreuth
03.12.2014
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Gleich versinkt die Sonne im Pazifik. Wellen rauschen. Magellan-Pinguine watscheln über den Strand. Ein idealer Platz, um hier im "Hotel Toyota" die Nacht zu verbringen. Ein Jahr lang waren Diana und Rüdiger Fritsch auf Expedition. Im Landratsamt nehmen sie Interessierte mit auf die Reise.

Das Thema fasziniert. Schon eine Stunde vor Beginn des zweieinhalbstündigen Bilder-Vortrags wollen die ersten Gäste eingelassen werden. Eine viertel Stunde vorher sind dann alle Plätze besetzt. Aber die Schar der Interessierten reißt nicht ab. Von überall her werden Stühle zusammengetragen, selbst auf den Tischen zu beiden Seiten des Saales sitzen Leute. 170 sind gekommen, um tolle Bilder zu sehen und sich zu informieren.

Eher ein Kurztripp

"Wir waren zwar ein Jahr unterwegs aber für Individualreisende ist das trotzdem eher ein Kurztripp", sagt Rüdiger Fritsch, der sich beim Kommentieren der Fotos mit seiner Frau abwechselt. "Fragt man unterwegs Gleichgesinnte, hört man nicht selten vier oder fünf Jahre." Und auch dann habe man noch längst nicht alles von dem riesigen Kontinent Südamerika gesehen.

400 exzellente Fotos haben die Bärnauer Globetrotter mitgebracht. Im Endeffekt reicht die Zeit nur für etwa 300. Deshalb versprechen die neuen VHS-Dozenten, dass sie jederzeit bereit sind, die Themen für weitere Vorträge aufzusplitten. Erstaunt sind sie über die Anzahl der Zuschauer. "Ganz ehrlich, wir hatten mit 20 bis 30 Leuten gerechnet."

Die Fotos sind nach Themen geordnet. Sie erzählen von der Reiseroute, ausgehend von Chile über Argentinien, Bolivien, Peru, Ecuador und wieder zurück nach Chile. Über 50 000 Kilometer haben Diana und Rüdiger dabei zurückgelegt und doch nur einen winzigen Teil des Landes gesehen.

Den aber dafür intensiv. Sie waren 365 Tage lang frei und unabhängig, gingen dort hin, wo sie wollten, hatten absolut keinen Zwang, blieben da, wo es ihnen gefiel länger, verließen Plätze, die ihnen nicht behagten, auf der Stelle.

"Wir sind immer dem schönen Wetter nachgefahren", gestehen sie. Deshalb hatten sie auch kaum Regen auszuhalten. Auf 7500 Kilometer Länge begleitete sie stets das Panorama der Anden, die bis fast 7000 Meter in den Himmel ragen. Auf der gegenüberliegenden Seite säumte oft der Pazifische Ozean den Weg. "Den Atlantik hatten wir bei früheren Reisen schon als wild erlebt. Aber gegen den Pazifik ist der nichts."

Nichts für "Beach-People"

Kilometerlange feinste Sandstrände, blauer Himmel und trotzdem kein Mensch weit und breit. Seine Wildheit und das kalte Wasser machen den Pazifik "am Ende der Welt" bei Feuerland für "Beach-People" uninteressant. Ein eisiger Wind ist die weitere Beilage, die Baden hier absolut unmöglich macht.

Viel Zeit verbrachten die Weltenbummler im anderen Extrem. In der Atacamawüste. Nicht nur dort hatten sie spannende tierische Begegnungen. Dazu gehörten wahre Giganten wie Kondore mit Flügelspannweiten bis zu 3,80 Meter, die über ihre Köpfe hinwegsegelten, oder Südkaper, Wale, die bis zu 40 Tonnen schwer werden. Auch winzige Kolibris, Papageien, Lamas, Taranteln und sogar einen vom Aussterben bedrohten Anden-Hirsch bekamen sie vor die Linse.

Die Kultur der Inkas und Begegnungen mit Einheimischen nehmen ebenfalls breiten Raum im Reisebericht ein. Am gefährlichsten für Touristen stufen Diana und Rüdiger Fritsch Peru ein. In allen anderen Landesteilen haben sie ausschließlich positive Erfahrungen gemacht.

Vier Pannen hatten die Reisenden an "Mulle", ihrem Toyota Land Cruiser, zu verzeichnen. Alle kleinerer Art, die jeder Dorfschmied reparieren konnte. Enttäuscht waren sie von der Panamericana, die überall als Traumstraße gehandelt wird. "Für uns ist sie die Alptraumstraße", sagt Diana Fritsch. "Hier sind viele Menschen unterwegs, die es ständig eilig haben, von A nach B wollen, vor allem Trucker. Und langweilig ist sie auch."
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