Mit Wandertheater auf Betteltour?

Vorsitzender Florian Winklmüller und Bürgermeister Franz Stahl (von links) informierten über die Situation im maroden Luitpold-Kino, das dem Modernen Theater Tirschenreuth viele Jahre als lieb gewonnene Bühne gedient hat. Bild: ubb
Lokales
Tirschenreuth
22.11.2015
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Kreativ ging es zu beim Modernen Theater Tirschenreuth. Während der Jahreshauptversammlung kamen viele gut gemeinte Ideen zur Sanierung des Luitpoldkinos. Jedoch: Bürgermeister Franz Stahl dämmte die Begeisterung mit realistischen Zahlen schnell wieder ein.

Florian Winklmüller kann sich eine Bausteinaktion gut vorstellen. "Ähnlich wie bei der Spendenaktion der Burg Falkenberg", erklärte der Vorsitzende des Modernen Theaters Tirschenreuth bei der Jahreshauptversammlung. Manfred Grüssner erscheint dies zu wenig kreativ. "Wir sind ein Theaterverein. Das muss mit Theater zu tun haben und einschlagen", wirft er ein. Seine Idee: Mit einem Wandertheater auf "Betteltour" gehen.

Doch wovon die beiden MTT-Macher sprechen, hat nichts mit "eben mal ein paar Euros Spenden für den Verein reinkriegen" zu tun. Hier geht es um schwindelige Summen von bis zu 500 000 Euro, die zu stemmen sind. Und das ist nur der geringere Teil. In einem Nutzungskonzept ist zwischenzeitlich die Rede von satten 2,5 Millionen Euro Sanierungskosten. Ohne Unterstützung der Stadt unmöglich für den Verein, das zu leisten. Bürgermeister Franz Stahl zeigt sich auch nicht unaufgeschlossen.

Doch diese horrende Summe verursacht ihm Bauchschmerzen, zumal andere Großprojekte wie die Zweigstelle der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden im Pflegebereich erst einmal anstehen. "Das heißt nicht, dass Kultur nicht wichtig genug ist", beteuert Stahl. Mehrmals bedankt er sich bei den MTT-Mitgliedern für ihren großartigen ehrenamtlichen Einsatz bei der "Tirschenreuther Passion" und dem "Jedermann".

"Ohne diesen Einsatz könnten solche Stadttheaterprojekte gar nicht verwirklicht werden." Deshalb sei es ihm auch ein großes Anliegen, dem MTT bei der Suche nach einer neuen Bleibe behilflich zu sein. Stahl bat aber auch darum, die Sache realistisch zu sehen. "Man muss auch an die Unterhaltskosten denken, die dann auf die Stadt zukommen."

2,5 Millionen Sanierungskosten: Eine Summe, die der Verein anfangs so nicht erahnen konnte. Zuerst ging es um ein Leck im Dach - es regnete an einer Stelle hinein - und um die Einhaltung der Feuerschutzbestimmungen. Doch dass im Nachhinein diesen Gesetzen sogar die wunderbar nostalgische Kinobestuhlung zum Opfer fallen müssten, ist für die Schauspieler bitter. Denn genau das mache ja das Flair der MTT-Bühne aus, sagte Grüssner. Sogar der typische "Kinogeruch" von einst kommt zur Sprache. "Die Zuschauer sind reingekommen und haben geschwärmt, hier rieche es wie früher", lacht Grüssner.

Schwärmen erlaubt - doch die Realität ist anders. Nur 60 Prozent der Sanierungskosten, so die Recherchen des Vereins und der Stadt Tirschenreuth, könnten über die Stadtbauförderung laufen. "Und davon müssen wir neben dem Eigenanteil auch noch einen Teil tragen", informiert Stahl weiter. Abspecken? Davon rät der Bürgermeister ab. "Wir wissen ja nicht einmal, was noch für Folgekosten kommen könnten." Alternativen wie der alte Milchhof werden wieder verworfen, da dort die Räumlichkeiten nicht geeignet seien. Also muss weiter nachgeschaut werden. Dazu hat die Vorstandschaft bereits die Fühler ausgestreckt bis in die Bundespolitik und Richtung Tschechien, um eventuell EU-Gelder nutzen zu können.

Natürlich lassen sich die Schauspieler trotz vorübergehender "Obdachlosigkeit" nicht aufhalten. Ein finanzielles Polster ist vorhanden. Damit sollen unter anderem die Stadtführungen, die besser als erwartet angenommen werden, mit fünf Szenen ausgebaut werden. Grüssner schreibt bereits an Drehbüchern über Fakten der Stadtgeschichte, den Teich-Ablass, die Besuche von Goethe und König Friedrich in Tirschenreuth sowie Zoigl.

Geplant sind außerdem für 2016 zwei Eigenproduktionen. Ein Thema sind laut Winklmüller die 50er Jahre. Die Diskrepanz der Generationen in der Nachkriegszeit soll auf die Bühne kommen. Kurzfristig nimmt das Moderne Theater im Dezember an einem Fest der Tirschenreuther Partnerstadt Plan teil. Außerdem will man sich an der bayerisch-tschechischen Landesausstellung 2016 bis 2017 in Form eines Straßentheaters beteiligen. Weiter ist eine mehrtägige Bildungsfahrt geplant.
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