Mutig und selbstbewusst

Mit kleinen Geschenken, typisch für alle elf Ortsverbände, überraschten die Besucherinnen Staatsministerin Emilia Müller (links) beim Festakt. Bilder: kro (2)
Lokales
Tirschenreuth
27.10.2015
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Die Anfänge in der Kommunalpolitik haben sie gestählt für die große Politik, sagte Emilia Müller. Die bayerische Sozialministerin bekannte sich beim Jubiläum des Frauenunion-Kreisverbandes zu ihren Wurzeln.

"Diese Frauen haben einen großen Anteil daran, dass es heute anders ist, auch wenn es überall noch nicht gut ist", sagte die Rednerin beim Festakt im Restaurant "Seenario". Mit knapp 457 Mitgliedern in elf Ortsvereinen ist die Frauenunion im Landkreis ein wichtiger politischer Faktor, würdigten alle Gratulanten.

Bisher sechs Vorsitzende

Musikalisch wurde die Feier von Viktor Ehlscheidt, der kurzfristig für die erkrankten Akteure der Kreismusikschule einsprang, umrahmt. Nach einem Gottesdienst in der Fatimakirche, zelebriert von Stadtpfarrer Georg Flierl, freute sich FU-Kreisvorsitzende Tina Zeitler über viele Gäste. Sie erinnerte daran, dass der Kreisverband am 25. Oktober 1965 gegründet wurde. Erste Vorsitzende wurde Barbara Kuchenreuther aus Wiesau, 1971 folgte Regina Lux. 1975 übernahm Ursula Faulhaber das Amt, das sie bis 1993 inne hatte. Irmgard Hegen war dann bis 1999 Kreisvorsitzende, Angela Burger bis 2015.

In fünf Jahrzehnten habe sich vieles verändert, blickte die amtierende Kreisvorsitzende zurück. Viele Frauen bekleideten heute auch in der Politik wichtige Ämter, sowohl auf Landes- und Bundesebene als auch in den Kommunen. "Aber es sind immer noch zu wenige", forderte sie die Frauen auf. "Wir können es schaffen, wir brauchen aber noch mehr Selbstbewusstsein." Stellvertretende Bezirksvorsitzende Andrea Lang verwies darauf, dass die Frauen in der Union für vieles gekämpft hätten, was heute selbstverständlich sei, auch die Anerkennung innerhalb der Partei. Mit rund 25 000 Mitgliedern sei die FU die zweitstärkste Arbeitsgemeinschaft in der CSU.

Landtagsabgeordneter und CSU-Kreisvorsitzender Tobias Reiß gratulierte der FU zum Jubiläum und dankte für deren Arbeit. Stellvertretender Landrat Dr. Alfred Scheidler bezeichnete es als sehr bemerkenswert, dass sich vor 50 Jahren Frauen aufmachten, sich in die Politik einzumischen. Die Rolle der Frau sei damals auf den Haushalt und die Kinder beschränkt gewesen. Gerade diese Frauen hätten deshalb einen großen Anteil daran, dass die Welt heute anders sei, auch wenn sie nicht überall gut sei. Auch auf kommunaler Ebene seien richtige "Power-Frauen" aktiv. "Frauen ticken oft anders als Männer, deshalb ist es gut, dass Frauen mitmischen." Ehrenkreisvorsitzende Irmgard Hegen freute sich beim Blick in die Runde darüber, dass mittlerweile sehr viel junge Frauen dabei seien: "Viele von euch habe ich schon im Kinderwagen gesehen."

Heimat Frauenunion

Obwohl im Augenblick vor allem wegen der Flüchtlingsproblematik von Termin zu Termin eilend, war Staatsministerin Emilia Müller zum Festakt gekommen. "Die Frauenunion ist meine Heimat", verwies sie auf eine Herzensangelegenheit. Mit Zusammenhalt und Geschlossenheit könne vieles erreicht werden, nannte sie stellvertretend die Mütterrente und das Betreuungsgeld. Emilia Müller erinnerte daran, das sie bei der Gründung des FU-Ortsverbandes in Konnersreuth dabei gewesen sei. Ihre eigenen Anfänge in der Kommunalpolitik hätten sie gestählt. Gleichzeitig machte sie klar, dass eine politisch starke Frau einen emanzipierten Mann an ihrer Seite brauche, denn er müsse viel aushalten. Das Frauenbild habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.

Frauenbild verändert

Als sie selbst 1962 ans Gymnasium wollte, habe ihr Vater gesagt: "Da brauchst du nicht hin, du heiratest ja eh einmal." Sie habe sich letztlich durchgesetzt. Bis 1977 habe die Frau ihren Mann noch fragen müssen, ob die arbeiten dürfe: "Heute unvorstellbar. Heute sind die Frauen in der Gesellschaft, in der Politik und in den Medien präsent. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist selbstverständlich."

Dennoch gebe es immer noch viel zu wenig Frauen in Führungspositionen. Sie rief ihre Geschlechtsgenossinnen zum mutigen und selbstbewussten Auftreten auf: "Wir sind mehr als 50 Prozent in der Bevölkerung. Wir könnten alles bestimmen, wenn wir zusammenhalten würden." Müller verhehlte nicht, das Familie und Beruf oft schwer miteinander vereinbar seien. Frauen seien oftmals im sozialen Bereich tätig. Umso wichtiger sei es, dass auch Männer in diese Berufe gehen: "Denn dann würden wohl die Löhne steigen."
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