Neutrale Regie für "Leben plus"

Das BRK ist ja auch als Dienstleister unterwegs und wird deshalb als nicht neutral wahrgenommen.
Lokales
Tirschenreuth
13.07.2015
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Wer möchte das nicht: Im eigenen Zuhause alt werden, auch wenn nicht mehr alles so leicht von der Hand geht. Vielfältige Hilfen vermittelt an einigen Orten im Landkreis bereits das Projekt "Leben plus". Nun läuft die Förderung aus. Wer zahlt in Zukunft?

Die Bürgermeister diskutierten bei ihrem Treffen, wie es weitergehen könnte mit einer zentralen Vermittlungs- und Beratungsstelle für ältere und allein lebende Bürger, aber auch für Familien, die Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen müssen. Ideal wäre es, so Landrat Wolfgang Lippert, zwei Projekte zusammenzulegen und auf Kreisebene weiterzuführen - unter neutraler Trägerschaft.

Aus zwei mach eins

Denn die vom BRK-Kreisverband geführte Aktion "Leben plus" wird nur noch bis Oktober von der "Glücksspirale" gefördert (Kasten). Und auch für die Wohnberatungsstelle des Landkreises sprudelt die Geldquelle nur noch bis Dezember 2015. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte die Kosten für das Projekt "Besser leben im Alter mit Technik" mit Wohnberaterin Anita Busch für zwei Jahre übernommen.

Viele Einzelhaushalte

"Es geht darum, eine Möglichkeit zu finden, die gewonnenen Erkenntnisse auf ein Gesamtkonzept zu übertragen", warb der Landrat bei den Kommunen schon jetzt um Unterstützung. Möglicherweise übernehme der Bund für drei Jahre die Kosten, aber irgendwann müsse sich das Projekt mit Hilfe der Gemeinden und Spender selbst tragen. "Nur mit Ihnen gelingt ein nachhaltiges, funktionierendes Konzept", wandte sich Lippert an die Bürgermeister.

"Es besteht dringender Handlungsbedarf", berichtete Anita Busch von ihren Erfahrungen. Schon jetzt seien mehr als 20 Prozent der Landkreisbürger älter als 65 Jahre, es gebe fast 40 Prozent Einzelhaushalte. In der Beratungsstelle in Tirschenreuth habe es bereits 380 Gespräche gegeben, viele Anfragen von außerhalb, Hausbesuche und Schulungen: "Tendenz steigend."

"Leben plus"-Projektmanager Johannes Prechtl nannte einige Zahlen aus der Anfangsphase. So stünden 36 Anfragen zu Pflegediensten, 67 zur Wohnberatung, 14 zur Kinderbetreuung und 480 zur "Bauernkiste" mit regionalen Produkten in der Bilanz. "Die Leute wenden sich an uns, wir vermitteln die Partner", erklärte er das Geschäftsprinzip. "Die privaten Unternehmer zahlen insgesamt 8000 Euro jährlich für die Kooperation."

Doch egal wie es weitergeht: Das Rote Kreuz zieht sich in jedem Fall aus der Projektsteuerung zurück und bleibt nur als Netzwerkpartner aktiv. "Das BRK ist ja auch als Dienstleister unterwegs und wird deshalb als nicht neutral wahrgenommen", bedauerte Kreisgeschäftsführer Holger Schedl. So sei es nicht gelungen, Anbieter wie die Caritas oder die Arbeiterwohlfahrt mit ins Boot zu holen: "Das Konkurrenzdenken ist sehr ausgeprägt." Dabei hätten auch andere Anbieter von Dienstleistungen neutral ins Konzept eingebunden werden können.

Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier konnte Vorbehalte anderer Verbände durchaus nachvollziehen. "Wir haben eine funktionierende Bürgerhilfsstelle vor Ort, da brauchen wir kein neues Netzwerk aufzubauen." Dennoch setzte er sich dafür ein, künftig alle Organisationen an einen Tisch zu bringen.

Einsatz überschaubar

Eine Lanze für "Leben plus" brach Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl. "Ich wäre stark betrübt, wenn das Projekt im Sande verlaufen würde." Ohne finanzielles Engagement der Gemeinden werde es nicht gehen, aber der Einsatz sei überschaubar und das Ergebnis positiv. Auch Franz Stahl, Bürgermeister von Tirschenreuth und Kreisvorsitzender des BRK, sah in dem Projekt eine Stärkung der Lebensqualität für jede Kommune.

Kritik von Donko

Einen ganz anderen Aspekt brachte Hans Donko aus Erbendorf zur Sprache. "Es kann nicht sein, dass wir mit Steuergeldern Netzwerkpartner mit Aufträgen versorgen", monierte er. Das gehe in der öffentlichen Verwaltung gar nicht: "Beraten ja. Aber ich kann doch nicht sagen, geh zum Schreiner Meier, der baut dir die Treppe." Franz Stahl erwiderte, dass es jedem Handwerker freistehe, sich am Netzwerk zu beteiligen.
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